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Big Brother is watching you
Viren, Würmer, Trojaner
.eu - Einfuehrungs-Zeitplan veroeffentlicht
Urheberrechtsabgabe rückfordern
Wie schütze ich mich vor unerwünschten
Zusendungen? E-Mails erhalten,
die nicht an Empfänger adressiert sind
Big Brother is watching you
Wer glaubt, dass das Internet ein Hort der Anonymität und
der Freiheit sei, der irrt. Unter staatlicher Obacht wird da fleißigst
im Internet geschnüffelt und fast schon jede staatliche Einrichtung
steckt ihre neugierige Nase ins Netz der vermeintlichen Privatsphäre.
Amerikanische Überwachung
Mit ungeheurem Tempo schaffte es der amerikanische Präsident,
George W. Bush, eine neue Superbehörde ins Leben zu rufen,
die in puncto Staatssicherheit und Terrorbekämpfung neue
Maßstäbe setzen sollte. Das gemäßigte Aufheulen
von Menschenrechtsorganisationen und Interessenvertretungen blieb
ungehört, als das Repräsentantenhaus das "Homeland
Security Gesetz" (www.whitehouse.gov/deptofhomeland) mit
überzeugender Mehrheit gebilligt hatte. Im Superministerium,
das 22 Behörden vereinigt, sollen nicht nur Gelder, sondern
auch Informationen zusammenfließen.
Eine zentrale Aufgabe des Ministeriums soll die Sammlung und Verarbeitung
von Informationen sein. Die Informationen werden an das "Direktorat
für Informationsanalyse und Infrastrukturschutz" von
Geheimdiensten, aus der Strafverfolgung und von anderen Behörden
herangetragen. Aber auch privatwirtschaftliche Organisationen
sollen bei der Informationsbeschaffung behilflich sein. Aus dem
Bündel an Informationen sollen dann terroristische Bedrohungen
erkannt werden.
Ähnlich funktioniert auch das Data-Mining-System des "Information
Awareness Office" (IAO - www.darpa.mil/iao). Das IAO bekam
den Auftrag, einen Prototyp zu entwickeln, der private Kommunikationen
und kommerzielle Transaktionen nach bestimmten Verhaltensmustern
absuchen und durchleuchten kann, um dadurch terroristische Vorhaben
und Aktivitäten im Voraus zu erkennen - und dies weltweit.
So würde man im IAO hellhörig, wenn man bestimmte Waren
per Kreditkarte einkauft, einer Pilotenschein macht oder gewisse
Ausweise beantragt. So gesehen, würde mit dieser Vorhersehbarkeit
von Terroranschlägen eine Verbrechensbekämpfung ähnlich
Spielbergs Kinofilm "Minority Report" möglich sein.
Dies wird auch durch das jetzige Vorgehen gegen mutmaßliche
Terroristen bestärkt. Immerhin werden den festgenommenen
Verdächtigen in Afghanistan und Kuba (Guantanamo) bereits
jetzt alle möglichen biometrischen Daten abgenommen, um sie
in Zukunft besser und weltweit verfolgen zu können. Ob schuldig
oder nicht, werden von den Festgehaltenen Fingerabdrücke
genommen, die Iris gescannt, Fotos gemacht und Stimmen aufgezeichnet.
Gerüchten zufolge sollen auch DNA-Analysen in die Datenbank
eingeflossen sein. Geht es nach den Wünschen geltungssüchtiger
Wissenschaftler, sollen die biometrischen Identifizierungsverfahren,
die nicht hundertprozentig täuschungssicher sind, in Zukunft
von Gehirnscans oder Chip-lmplantaten ersetzt werden.
Der Fleischfresser
Ein weiteres System ist das Internet-Überwachungssystem "Carnivore"
(zu Deutsch Fleischfresser - www.fbi.gov/hq/lab/carnivore/carnivore.htm),
das lange Zeit umstritten war, aber nach den Anschlägen auf
das World Trade Center vom Senat genehmigt wurde. Die Arbeitsweise
des "E-Mail-Fressers" lässt sich dabei wie folgt
beschreiben. Zuerst wird das Camivore-System bei einem Internet
Service Provider installiert. Hierauf arbeiten die Polizeibehörde
und der Provider gemeinsam daran, einen Zugangspunkt zu finden,
der den gesamten Datenverkehr eines Verdächtigten enthält.
Ist ein Zugangspunkt ausgeforscht, wird dieser mit einem kommerziell
erhältlichen Abhörgerät verbunden. Dieses Abhörgerät
erzeugt sodann exakte Kopien aller Daten am Zugangspunkt. Die
kopierten Daten werden in einem Sammelsystem gehortet, wo sie
mit einem vordefinierten Filter verglichen werden. Der gefilterte
Datenverkehr wird danach auf einem dauerhaften Speichermedium
archiviert.
Überwachung zu Deutsch
Während Metternich, Stasi und Securitate ihre hellste Freude
mit den Entwicklungen und Vorhaben der amerikanischen Militärs
und Geheimdienste gehabt hätten, würde sich ihre Freude
bei den Schnüffeleien mitteleuropäischer Staaten in
Grenzen halten. Zwar sind die Behörden auch hierzu Lande
bemüht, die Privatsphäre der Bürger unbeobachtet
auszuschnüffeln, doch lassen sich Bürgerinitiativen
und soziale, demokratische Einrichtungen und Vereine nicht so
leicht auf der Nase herumtanzen. Dies liegt auch am gemäßigteren
Nationalismus, den die Europäer mehrheitlich zur Schau tragen.
In den USA bekennt man noch Fahne, singt täglich die Nationalhymne
und brüstet sich Amerikaner zu sein. In Europa ist man fast
nur mehr in sportlichen Bereichen Patriot, Nationalflaggen trifft
man nunmehr zu Staatsfeiertagen an und stolz ist man eher auf
das selbst Erreichte.
Stolz kann man aber auch auf die Einrichtung des Big Brother Awards
(www.bigbrotherawards.org)
sein, der an diverse Personen und Organisationen, die in besonderer
Weise und nachhaltig die Privatsphäre von Menschen beeinträchtigt
haben, verliehen wird. So konnte sich der Deutsche Bundesrat im
Jahr 2002 über die Auszeichnung in der Kategorie "Kommunikation"
freuen. Grund war der Beschluss, Telekommunikationsanbieter zu
verpflichten, die Verbindungsdaten von Nutzenden für eine
nicht festgelegte Dauerfür polizeiliche und geheimdienstliche
Zwecke auf Vorrat zu speichern. Diese Maßnahmen hielten
im Übrigen auch in Österreich Einzug. In diesem Zusammenhang
erscheint erwähnenswert, dass von Seiten der Strafverfolgungsbehörden
bisher noch kein einziger konkreter Sachverhalt bzw. Straftatbestand
genannt werden konnte, bei dem derartige Daten von Nutzen und
ein derart tiefer Eingriff in die Privatsphäre der Betroffenen
aufgrund der Schwere des Delikts gerechtfertigt gewesen wäre.
So war es bei einer Konferenz dem Vertreter des österreichischen
Innenministeriums nicht möglich, auch nur einen hypothetischen
Fall zu konstruieren, der einen derartigen Eingriff in die Privatsphäre
rechtfertigen würde.