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Das Palais Kinsky, auch als Palais Daun-Kinsky
bekannt, befindet sich an der Freyung 4 in der Inneren Stadt an der
Abzweigung der Herrengasse. Es ist eines der bedeutendsten hochbarocken
Palais Wiens. Bemerkenswert ist die Innenausstattung mit dem
Stiegenhaus und den Deckenfresken in der Beletage. Diese stammen von
Carlo Carlone und stellen die Apotheose des Grafen Daun dar.

Sagen Sie nicht einfach „Kinsky" zu ihm. Das Palais trägt nämlich den
schönen Namen „Daun-Kinsky", nach seinem Bauherren - Feldmarschall
Wirich Philipp Laurenz Graf von und zu Daun. Er ließ dieses prachtvolle
Barock-Palais von dem berühmten Meister Lucas von Hildebrandt in den
Jahren 1713-1719 errichten.

Das Palais wurde von 1713 bis 1719 nach Plänen von Johann Lucas von
Hildebrandt für Feldmarschall Wirich Philipp Graf Daun erbaut, in der
Zeit nach Beseitigung der Bedrohung durch das Osmanische Reich, als
Vienna gloriosa entstand. 1746 erwarb Johann Joseph Reichsgraf von
Khevenhüller das Palais von Leopold Joseph Graf Daun, dem Sohn des
Bauherrn. Am 7. Mai 1763 wurde Fürst Józef Antoni Poniatowski, der
polnische General und Marschall von Frankreich, hier geboren.
Khevenhüller verkaufte das Palais 1764 an den Reichshofratspräsidenten
Ferdinand Bonaventura II. Graf von Harrach. 1790 kam es an dessen
Tochter Rosa Gräfin von Kinsky. 1986 verkaufte es Franz Ulrich Fürst
Kinsky.

Ausgestattet mit außergewöhnlichem Stuckdekor von Alberto Camesina sowie atemberaubenden Fresken von
Carlo Innocenzo Carlone und Marcantonio Chiarini. Hier geht man nicht, man schreitet. Man steigt nicht Stiegen hinauf -
man schwebt empor. Man tritt nicht ein, man macht ein Entrée. Hier
lässt man den Alltag hinter sich und taucht ein in barocke Opulenz.
Liebevoll betrachtet vom Grafen Daun, der auf dem Decken-gemälde eben
eine kleine Apotheose erlebt. Und das mitten in Wien, in der
Herrengasse. An der Freyung.

Bemerkenswert ist die Innenausstattung mit dem Stiegenhaus (Entwurf
wahrscheinlich von Antonio Beduzzi) und den Deckenfresken in der
Beletage. Diese stammen von Carlo Carlone – mit Quadraturmalerei von
Marcantonio Chiarini – und stellen die Apotheose des Grafen Daun dar.
Die Stiege erschließt hier in zwei übereinanderliegenden, von je einem
Zwischenpodest unterbrochenen Läufen zwei Hauptgeschoße, die an der
Fassade durch eine Kolossalordnung von acht Pilastern zusammengefasst
sind. Das letzte Geschoß wird im Inneren des Stiegenhauses durch einen
umlaufenden Balkon markiert, der für das Deckenfresko eine Art Rahmung
bildet und die illusionäre Perspektive des Bildes darüber noch
schwebender und unwirklicher erscheinen lässt.

Die Skulpturen im Inneren wie wahrscheinlich auch die Figuren am
Außenportal stammen von Joseph Kracker. Die Seitentrakte wurden im 19.
Jahrhundert mehrmals umgebaut, die Ausstattung stammt unter anderem von
Rudolf Weyr.

Im 16. Jahrhundert stand an der Freyung das Haus der Grafen Lamberg,
welches um 1709 in den Besitz von Philipp Laurenz Graf von Daun
überging. Zwischen 1713 und 1716 beauftragte der Generalfeldzeugmeister
Wirich Philipp Graf Daun den renommierten Architekten Johann Lucas von
Hildebrandt mit der Planung eines repräsentativen Wohnpalais. Eine der
grössten Herausforderungen, vor die sich der Architekt gestellt sah,
war die ungewöhnliche Grundstücksform: Der Bauplatz war lediglich 30
Meter breit, jedoch nahezu dreimal so lang. Diese Gegebenheiten
erforderten eine kreative Lösung, um eine repräsentative Festtreppe
unterzubringen und dem Gebäude dennoch eine würdige äussere Erscheinung
zu verleihen.

Hildebrandt meisterte diese Herausforderung, indem er bei einer
Gesamthöhe von 24 Metern vier Stockwerke einplante und dabei die
harmonischen Proportionen des Gebäudes bewahrte. Das Stiegenhaus,
welches zu den prächtigsten Wiens zählt, ist mit Figurenschmuck von
Lorenzo Mattielli versehen.

Das grossflächige Fresko an der Decke stammt von Marcantonio Chiarini.
Um 1746 verkaufte Leopold Graf Daun, Sohn des Bauherrn, das Palais an
Johann Joseph Reichsgraf von Khevenmüller, der es wiederum 1764 an
Ferdinand Bonaventura Graf Harrach veräusserte. In der Regierungszeit
Maria Theresias diente das Palais als Unterkunft für ihre Schweizer
Leibgarde. Durch die Heirat von Rosa, der Tochter des Grafen Harrach,
gelangte das Palais in den Besitz der Grafen Kinsky, in deren
Familienbesitz es bis 1986 verblieb.




Die Steinmetzmeister Johann Georg Haresleben und Simon Sasslaber aus
Kaisersteinbruch schufen aus Kaiserstein unter anderem das Haupttor,
die Stufen der Prunkstiege, Tür- und Fenstersteine und Sockelplatten.

Im zweiten Stock stehen auf der aus verschlungenen durchbrochenen
Volutenformen konstruierten Steinbrüstung vier Gruppen von spielenden
oder sich balgenden Putten. Sie dienen zum Teil als Laternenhalter, zum
Teil nur als Dekoration. Der Statuenzyklus im Stiegenhaus ist ein Werk
von Lorenzo Mattielli, die Putten stammen aber vermutlich von Joseph
Kracker. Diese Art der Dekoration weist bereits auf das kommende Rokoko
hin.

Ein Fresko von Carlo Innocenzo Carlone schmückt den Plafond. Die
Scheinarchitektur malte Antonio Beduzzi. Die großen Wandspiegel des
Treppenhauses wurden erst nach 1907 angebracht.

Eine Zeit lang war es Stützpunkt der Stadtguardia, eines Vorläufers der
Polizei. Nach 1945 war im Palais ein Offiziersklub der britischen
Besatzungsmacht untergebracht. Heute ist das Palais im Besitz einer
2015 von Karl Wlaschek hinterlassenen Stiftung; im zweiten Hof des
Hauses befindet sich das Wlaschek-Mausoleum. Laut Wiener Gemeindegesetz
dürfen Grabstätten auf eigenem Grund ab einer Fläche von 2000 m²
errichtet werden. Das nutzte Wlaschek, um im Palais Kinsky ein
Mausoleum für seine Familie in Auftrag zu geben. Hier ruhen nun nicht
nur seine Eltern, sondern auch seine vierte Ehefrau, die im Jahre 2003
starb.
