Palais Daun-Kinsky

Freyung in Wien, März 2024

Das Palais Kinsky, auch als Palais Daun-Kinsky bekannt, befindet sich an der Freyung 4 in der Inneren Stadt an der Abzweigung der Herrengasse. Es ist eines der bedeutendsten hochbarocken Palais Wiens. Bemerkenswert ist die Innenausstattung mit dem Stiegenhaus und den Deckenfresken in der Beletage. Diese stammen von Carlo Carlone und stellen die Apotheose des Grafen Daun dar.

 Palais Daun-Kinsky an der Freyung in Wien, März 2024

Sagen Sie nicht einfach „Kinsky" zu ihm. Das Palais trägt nämlich den schönen Namen „Daun-Kinsky", nach seinem Bauherren - Feldmarschall Wirich Philipp Laurenz Graf von und zu Daun. Er ließ dieses prachtvolle Barock-Palais von dem berühmten Meister Lucas von Hildebrandt in den Jahren 1713-1719 errichten.

 Palais Daun-Kinsky an der Freyung in Wien, März 2024

Das Palais wurde von 1713 bis 1719 nach Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt für Feldmarschall Wirich Philipp Graf Daun erbaut, in der Zeit nach Beseitigung der Bedrohung durch das Osmanische Reich, als Vienna gloriosa entstand. 1746 erwarb Johann Joseph Reichsgraf von Khevenhüller das Palais von Leopold Joseph Graf Daun, dem Sohn des Bauherrn. Am 7. Mai 1763 wurde Fürst Józef Antoni Poniatowski, der polnische General und Marschall von Frankreich, hier geboren. Khevenhüller verkaufte das Palais 1764 an den Reichshofratspräsidenten Ferdinand Bonaventura II. Graf von Harrach. 1790 kam es an dessen Tochter Rosa Gräfin von Kinsky. 1986 verkaufte es Franz Ulrich Fürst Kinsky.

 Palais Daun-Kinsky an der Freyung in Wien, März 2024

Ausgestattet mit außergewöhnlichem Stuckdekor von Alberto Camesina sowie atemberaubenden Fresken von
Carlo Innocenzo Carlone und Marcantonio Chiarini. Hier geht man nicht, man schreitet. Man steigt nicht Stiegen hinauf - man schwebt empor. Man tritt nicht ein, man macht ein Entrée. Hier lässt man den Alltag hinter sich und taucht ein in barocke Opulenz. Liebevoll betrachtet vom Grafen Daun, der auf dem Decken-gemälde eben eine kleine Apotheose erlebt. Und das mitten in Wien, in der Herrengasse. An der Freyung.

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Bemerkenswert ist die Innenausstattung mit dem Stiegenhaus (Entwurf wahrscheinlich von Antonio Beduzzi) und den Deckenfresken in der Beletage. Diese stammen von Carlo Carlone – mit Quadraturmalerei von Marcantonio Chiarini – und stellen die Apotheose des Grafen Daun dar. Die Stiege erschließt hier in zwei übereinanderliegenden, von je einem Zwischenpodest unterbrochenen Läufen zwei Hauptgeschoße, die an der Fassade durch eine Kolossalordnung von acht Pilastern zusammengefasst sind. Das letzte Geschoß wird im Inneren des Stiegenhauses durch einen umlaufenden Balkon markiert, der für das Deckenfresko eine Art Rahmung bildet und die illusionäre Perspektive des Bildes darüber noch schwebender und unwirklicher erscheinen lässt.

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Die Skulpturen im Inneren wie wahrscheinlich auch die Figuren am Außenportal stammen von Joseph Kracker. Die Seitentrakte wurden im 19. Jahrhundert mehrmals umgebaut, die Ausstattung stammt unter anderem von Rudolf Weyr.

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Im 16. Jahrhundert stand an der Freyung das Haus der Grafen Lamberg, welches um 1709 in den Besitz von Philipp Laurenz Graf von Daun überging. Zwischen 1713 und 1716 beauftragte der Generalfeldzeugmeister Wirich Philipp Graf Daun den renommierten Architekten Johann Lucas von Hildebrandt mit der Planung eines repräsentativen Wohnpalais. Eine der grössten Herausforderungen, vor die sich der Architekt gestellt sah, war die ungewöhnliche Grundstücksform: Der Bauplatz war lediglich 30 Meter breit, jedoch nahezu dreimal so lang. Diese Gegebenheiten erforderten eine kreative Lösung, um eine repräsentative Festtreppe unterzubringen und dem Gebäude dennoch eine würdige äussere Erscheinung zu verleihen.

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Hildebrandt meisterte diese Herausforderung, indem er bei einer Gesamthöhe von 24 Metern vier Stockwerke einplante und dabei die harmonischen Proportionen des Gebäudes bewahrte. Das Stiegenhaus, welches zu den prächtigsten Wiens zählt, ist mit Figurenschmuck von Lorenzo Mattielli versehen.

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Das grossflächige Fresko an der Decke stammt von Marcantonio Chiarini. Um 1746 verkaufte Leopold Graf Daun, Sohn des Bauherrn, das Palais an Johann Joseph Reichsgraf von Khevenmüller, der es wiederum 1764 an Ferdinand Bonaventura Graf Harrach veräusserte. In der Regierungszeit Maria Theresias diente das Palais als Unterkunft für ihre Schweizer Leibgarde. Durch die Heirat von Rosa, der Tochter des Grafen Harrach, gelangte das Palais in den Besitz der Grafen Kinsky, in deren Familienbesitz es bis 1986 verblieb.

 Palais Daun-Kinsky an der Freyung in Wien, März 2024

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Die Steinmetzmeister Johann Georg Haresleben und Simon Sasslaber aus Kaisersteinbruch schufen aus Kaiserstein unter anderem das Haupttor, die Stufen der Prunkstiege, Tür- und Fenstersteine und Sockelplatten.

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Im zweiten Stock stehen auf der aus verschlungenen durchbrochenen Volutenformen konstruierten Steinbrüstung vier Gruppen von spielenden oder sich balgenden Putten. Sie dienen zum Teil als Laternenhalter, zum Teil nur als Dekoration. Der Statuenzyklus im Stiegenhaus ist ein Werk von Lorenzo Mattielli, die Putten stammen aber vermutlich von Joseph Kracker. Diese Art der Dekoration weist bereits auf das kommende Rokoko hin.

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Ein Fresko von Carlo Innocenzo Carlone schmückt den Plafond. Die Scheinarchitektur malte Antonio Beduzzi. Die großen Wandspiegel des Treppenhauses wurden erst nach 1907 angebracht.

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Eine Zeit lang war es Stützpunkt der Stadtguardia, eines Vorläufers der Polizei. Nach 1945 war im Palais ein Offiziersklub der britischen Besatzungsmacht untergebracht. Heute ist das Palais im Besitz einer 2015 von Karl Wlaschek hinterlassenen Stiftung; im zweiten Hof des Hauses befindet sich das Wlaschek-Mausoleum. Laut Wiener Gemeindegesetz dürfen Grabstätten auf eigenem Grund ab einer Fläche von 2000 m² errichtet werden. Das nutzte Wlaschek, um im Palais Kinsky ein Mausoleum für seine Familie in Auftrag zu geben. Hier ruhen nun nicht nur seine Eltern, sondern auch seine vierte Ehefrau, die im Jahre 2003 starb.

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