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Pulkau liegt im nördlichen Weinviertel im Bezirk
Hollabrunn in Niederösterreich. Die Pulkau fließt in einer Meereshöhe
von rund 250 Meter. Nach Norden steigt das Land zu bewaldeten Höhen von
über 400 Meter an. Bekannt macht die Ortschaft u.a. der Pulkauer
Flügelaltar in der katholischen
Kirche Hl. Blut und Kaplan August Paterno. Am Friedhof befindet sich
außerdem die katholische Pfarrkirche Pulkau hl. Michael mit Karner
Pulkau hl. Bartholomäus.
Der Pulkauer Hauptplatz wird von der Pestsäule (Dreifaltigkeitssäule)
beherrscht. Sie wurde 1778 errichtet und soll an die 1679 – 1681 in
Pulkau wütende Seuche erinnern, die 600 Opfer gefordert hat. Auf einer
schön gewundenen Säule thront hoch oben die Allerheiligste
Dreifaltigkeit. An den Ecken der Steinumfriedung stehen die Statuen der
Jungfrau Maria, des hl. Johannes, des hl. Florian und des hl.
Sebastian. Die barocke Säule mit Putten und Wolkengirlanden prägt seit
dem 18. Jahrhundert den Pulkauer Hauptplatz.

Schwere Zeiten waren der Erste Weltkrieg sowie der Zweite Weltkrieg mit
den darauf folgenden zehn Jahren sowjetischer Besatzung. Eine der
aktivsten Widerstandsgruppen entstand in Pulkau im Sommer 1943.
Jugendliche, vorwiegend der Jahrgänge 1927 und 1928, die ihre erste
politische Prägung in den ständestaatlichen Jugendorganisationen
„Jung-Österreich“ und „Jung-Vaterland“ im Sinne des österreichischen
Patriotismus erfahren hatten und ihre Gruppe Ewig treu mein Österreich
bezeichneten, entfalteten eine rege antinazistische Tätigkeit. Ziele
der Jugendlichen, die sich auch Schlurfs nannten, waren – laut
Gerichtsurteilen – die Beseitigung des Bürgermeisters und der
Politischen Leiter der NSDAP in Pulkau und darüber hinaus die
„gewaltsame Lostrennung der Alpen- und Donaureichsgaue vom
Großdeutschen Reich“, also die Wiederherstellung Österreichs. Insgesamt
wurden vierzehn Personen von der Gestapo in Haft genommen; je fünf
Angeklagte wurden vom Oberlandesgericht Wien und vom Volksgerichtshof
wegen Vorbereitung zum Hochverrat abgeurteilt. Die einzige ältere
Beteiligte, Anna Goldsteiner, wurde zum Tode verurteilt und am 5. Juli
1944 hingerichtet.

Die Pulkau ist ein Fluss, der im östlichen Waldviertel entspringt,
durch das nördliche Weinviertel in Niederösterreich mit
West-Ost-Verlauf fließt und bei Laa in die Thaya mündet. Die Länge
beträgt 52 Kilometer.
Der Name Pulkau ist germanischen Ursprungs: der Begriff *Fulkahwa
gliedert sich in *fulka (= Volk) und *ahwo (= Wasser) und könnte
„Fluss, an dem eine Menge Volkes wohnt“ bedeuten. Der Name wurde dann
von den slawischen Siedlern als *Pъlkava übernommen und schließlich im
Jahr 1055 als Bulka erstmals schriftlich erwähnt.

Über einem Sockel mit Inschrift erhebt sich die schlanke Säule mit der
Figur der Maria Immaculata aus dem Jahre 1695, die im Jahre 1832 an den
heutigen Standort am Brückenplatz übertragen wurde. Ursprünglich befand
sich die 1695 gestifteten Mariensäule auf der ersten über die Pulkau
führenden steinernen Brücke, die nach den Zerstörungen infolge eines
Hochwassers wieder aufgebaut werden musste. Nach einem neuerlichen
Hochwasser im Jahr 1832 musste auch die Brücke wieder instand gesetzt
werden. Bei dieser Gelegenheit wurde die Mariensäule auf den
Brückenplatz in der Nähe der flussabwärts gelegenen Pulkaubrücke
übertragen.

Der „Rote Hof“ befindet sich in
der Eggenburger Gasse 18 und war ein Wirtschaftshof. auf dem der Zehent
eingesammelt wurde. Dazu gehörten 40 Viertel Weingärten und einige
Äcker. Der Wein wurde früher längere Zeit gelagert, um die Säure
abzubauen. Dazu brauchte man riesige Keller. So besitzt der Rote Hof
große Kelleranlagen, die mit den Kellern anderer Häuser in Verbindung
standen. Das Presshaus im Keller birgt noch die riesige Doppelpresse.
Der zweigeschossige repräsentative Renaissancebau mit barocken Details
diente ursprünglich als Wirtschafts- und Lesehof.

Eggenburger Gasse in Richtung Eggenburgerbrücke und Rathausplatz

Mit 1732 ist die auf einem Sockel mit von Putten gehaltener
Rankenkartusche stehende Figur des Johannes Nepomuk bezeichnet. Sie
steht bei der Eggenburgerbrücke über die Pulkau.
Die aus Stein gefertigte Figur Johannes Nepomuks befindet sich auf
einem niederen Sockel mit einer von Putten präsentierten
Rankenkartusche mit einer kaum noch leserlichen Inschrift. Eine weitere
Inschrift auf der Rückseite nennt die beiden Stifter. Johannes Nepomuk
selbst wird als Priester dargestellt und trägt das Birett auf dem Kopf.
In der linken Hand hält er ein Kreuz, die rechte liegt auf seiner
Brust. Der Kopf ist dem Himmel zugewandt.

Pranger - Die Gerichtssäule aus dem 16. Jahrhundert befindet sich unter der Schubertlinde am Rathausplatz.
Gegenüber vom Rathaus befindet sich die Gerichtssäule (Pranger) des
Marktes. Pulkau wird erstmals 1312 urkundlich als Markt genannt. Die
Säule mit der Figur des Ritters Roland stammt aus dem Jahr 1542 und ist
Symbol für die niedere und hohe Gerichtsbarkeit. Während die
sogenannten Schandstrafen hier am Pranger abgebüßt wurden, vollstreckte
man die Todesurteile bei der Gerichtsmarter an der Straße nach
Schrattenthal.

Rathaus - Das „Wahrzeichen“ von Pulkau beeindruckt durch eine Doppelgiebelfassade aus dem 17. Jahrhundert.
Der Bau stammt aus der Renaissance (16. Jhdt.). Die barocke Fassade von
1659 mit ihren zwei Giebeln und der schönen Freitreppe ist zum
Wahrzeichen von Pulkau geworden. Rechts im ersten Stock befindet sich
der Sitzungssaal mit einer kostbaren Balkendecke. An einer Wand ist ein
Steinrelief mit dem Pulkauer Wappen, verliehen 1437 durch Herzog
Albrecht V, eingelassen. In diesem Raum ist auch auf einem Ölbild aus
dem 17. Jhdt. die älteste Ansicht von Pulkau zu sehen.

Das Kaiser-Franz-Joseph-Denkmal
ist ein denkmalgeschütztes Persönlichkeitsdenkmal gegenüber der
ehemaligen Schule bei der Heilig-Blut-Kirche und wurde 1898 aus Anlass
des 50-jährigen Regierungsjubiläums des Monarchen errichtet. Es besteht
aus einer auf einem Granitsockel ruhenden Büste aus Bronze. Bezeichnet
ist es mit den Initialen H. K. (Heinrich Kautsch).

Eine angebliche Hostienschändung löste 1338 eine Welle von
Judenverfolgungen in Pulkau aus. Diese Verfolgungen waren die ersten
langen und überregionalen Ausschreitungen, welche Gewalt gegen Juden in
österreichischen Gebieten hervorbrachte.
Im April 1338, so die christliche Annalistik, zwischen dem
zusammenfallenden Oster- und Pessachfest (12. April), stahlen Juden in
Pulkau eine Hostie und verbargen sie in einem Haus. Die Hostie wurde
jedoch vor dem Haus eines Juden – lediglich eine Quelle nennt seinen
Namen: Marquard, also Merchlin, der seit zehn Jahren in Pulkau lebte –
entdeckt und auf Verlangen des Volkes vom Pulkauer Pfarrer zur Kirche
getragen, wo sie alsbald verehrt wurde. Daraufhin wurden alle Juden
Pulkaus erschlagen und beraubt.
Diese Tafel soll an die Verfolgung der Jüdinnen und Juden im Jahre 1338 in Pulkau erinnern.
Sie wurden fälschlich der Schändung einer Hostie bezichtigt und ermordet.
Wir bitten die Jüdinnen und Juden um Vergebung für das ihnen zugefügte Unrecht.
Mögen sie in Frieden ruben und das Licht des ewigen Friedens leuchte ihnen.
Jerome Ciceu, Pfarrer von Pulkau Leo Rambarter, Bürgermeister
Pulkan, im August 2023

Kirche zum kostbaren Blut Christi:
Sie zählt zu den eigenwilligsten Kirchenbauten und ist bekannt durch
einen der schönsten spätgotischen Flügelaltäre Österreichs.
Der Anlass zum Bau der Kirche war ein angebliches Hostienwunder, das
sich um 1338 ereignet haben soll. Opfer des angeblichen Hostienfrevels
waren die in Pulkau lebenden Juden, denen man vorwarf, sie hätten eine
Hostie mit Nadeln durchstochen, worauf sie zu bluten begonnen hätte.
1988 wies Friedrich Lotter nach, dass das „Wunder“ eine Fälschung und
der „Frevel“ eine Verleumdung waren. Die gotische Blutkirche gehört
zweifellos zu den eigenwilligsten Kirchenbauten Österreichs. Ihre
eigenwillige Form ergab sich vermutlich aus dem Zusammenwachsen vom
Corpus der Christi-Kapelle mit dem quer dazu stehenden Brunnenhaus.
Dazu kommt noch, dass ursprünglich ein wesentlich größeres Gotteshaus
geplant war, dieses aber unvollendet blieb. In den Ecken der Kirche
befinden sich zwei Anbauten, von denen der südliche Turm im Jahr 1703
zur heutigen Höhe von 62m aufgebaut wurde.

Der berühmte spätgotische Pulkauer Flügelaltar wurde um 1515 vollendet.
Das Konzept des Altares stammen vom Pulkauer Meister (Donauschule) und
beinhaltet Szenen der Passion Christi. Verfolgt man die Chronologie der
dargestellten Szenen, so geht der Blick mehrmals diagonal über den
Altar. Der Kreuzungspunkt befindet sich einmal über dem Kruzifix und
das zweite Mal an der Herzwunde der großen Christusstatue. Leider war das Gebäude am Besuchstag versperrt.
Ganz oben im hohen filigranen Gesprenge
steht der bairische Markgraf Leopold, der bald als Landespatron verehrt
und 1485 heilig gesprochen wurde. Zu den Seiten der Maria mit Kind
stehen der hl. Benedikt von Nursia, der Ordensgründer des
Benediktinerordens und der hl. Bernhard von Clairvaux, darüber der
Erzdiakon Stephanus und der hl. Laurentius.
Im Vordergrund der hl. Benedikt (links) und eine Statue der hl. Scholastika (rechts).

Der Pulkauer Flügelaltar ist
ein spätgotischer Flügelaltar, der als Hauptwerk der
oberbayrisch-österreichischen Donauschule gilt. Er steht in der
Filialkirche Pulkau, der Kirche zum Heiligen Blute in der Stadtgemeinde
Pulkau im Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich. Der Flügelaltar
entstand um das Jahr 1520. Er wurde 1820 renoviert und 1948/1949 in den
ursprünglichen Zustand rückversetzt und erneut restauriert. Das Relief
„Die Beweinung Christi“ des Flügelaltares konnte erst 2003 wieder
beschafft und eingefügt werden.
Die Malerei und Plastik des Altares sind stilistisch nicht ganz
einheitlich. Der Gesamtentwurf und die Ausführung der Predellatafeln
wurden dem Meister der Historia Friderici et Maximiliani bzw. dem
Meister des Pulkauer Altars zugeschrieben. Als Meister der
Schnitz-Arbeiten wird in den Chroniken Hans Schlais und dessen
Werkstatt genannt.
Drei ausdrucksvoll bewegte überlebensgroße Figuren prägen den Schrein:
Christus als Schmerzensmann – aber in mittelalterlicher Symbolik
zugleich als Auferstandener – zwischen dem Apostel Bartholomäus (mit
Buch) und Sebastian von Pfeilen durchbohrt am Andreaskreuz.
Bartholomäus und Sebastian zählen dabei zu den ältesten Blutzeugen. An
den Seiten des Schreines und zwischen den kunstvollen Baldachinen für
die großen Schreinfiguren sind zehn kleine Heiligenfiguren zu sehen:
Barbara, Katharina, der hl. Pantaleon, Achatius, Christophorus, der hl.
Vitus sowie Bischöfe oder Äbte; zu Füßen des Schmerzensmannes sind zwei
kleine Engel dargestellt, die in Kelchen das Blut Christi auffangen.
Die Bilder der seitlichen Flügel
zeigen bei geöffnetem Altar (Festtagsseite) vier Szenen der Passion
Christi. Bei der Betrachtung schweift in der chronologischen Abfolge
der Blick dabei mehrmals diagonal über den geöffneten Altar: rechts
oben ist die Gefangennahme Christi zu sehen, links unten zeigt Pilatus
dem Volk den gefangenen Jesus, rechts oben verurteilt Pilatus Jesus und
wäscht seine Hände dabei in Unschuld, links oben zeigt das Bild das
Schweißtuch der hl. Veronika und rechts unten ist die Kreuzigung
Christi umgeben von vier heiligen Frauen dargestellt. Bei geschlossenen
Flügeln (Werktagsseite) sind zu sehen: die Kreuzabnahme mit Josef von
Arimathäa und die Grablegung. Bemerkenswert sind im Hintergrund aller
dieser Bilder die vielfältigen Landschaftsdarstellungen.
Über dem Tabernakel sind in der Mitte der Predella
als Relief die Salbung oder die Beweinung Christi und die Grablegung
dargestellt, am Korpus der Predella seitlich zwei Szenen aus der
Legende des Hostienfrevels. Die Predellaflügel zeigen geschlossen den
Einzug in Christi in Jerusalem und das Letzte Abendmahl. An der
Predella-Rückwand sind Barbara, Katharina, Christophorus und Achatius
zu sehen.

Heiliger Johannes Nepomuk
Johannes (von) Nepomuk oder Johannes von Pomuk (lateinisch Joannes de
Pomuk, tschechisch Jan Nepomucký oder Jan z Pomuku, * um 1350 in Pomuk,
Pilsner Kreis; † 20. März 1393 in Prag) war ein böhmischer Priester und
Märtyrer. Er wurde 1729 von Papst Benedikt XIII. heiliggesprochen. Die
Jesuiten erhoben ihn 1732 zu ihrem zweiten Ordenspatron. Nepomuk gilt
als Brückenheiliger und Patron des Beichtgeheimnisses.
Heilige am Wegesrand
Marterl als religiöse Kleindenkmäler sind ein nicht unwesentlicher
Bestandteil der österreichischen Kulturlandschaft, so auch im Retzer
Land. Zu den Heiligen am Pulkauer Marterlweg zählt der heilige Nepomuk.
Er gilt als der Barockheilige, er steht als Wasserheiliger und Patron
der Müller oft an Brücken. Am Marterlweg befinden sich auch einige
Mariensäulen. Maria genießt in der katholischen und orthodoxen Kirche
höchste Verehrung, was vor allem auf das Ökumenische Konzil von Ephesus
im Jahr 431 zurückgeht. In der Reformationszeit verworfen, setzte die
Marienverehrung in der Zeit der Gegenreformation wieder umso intensiver
ein. Und es gibt auch eine Urlaubsmarter mit einem Bild der
Verabschiedung Jesus von Maria. Urlaub bedeutete in höfischen Zeiten
die Gewährung der Erlaubnis zum vorübergehenden Weggehen. Hier wurden
früher die Teilnehmer der Wallfahrten verabschiedet.

Pfarrkirche St. Michael - Ein
Schmelztiegel der Kunststile! Errichtet auf einer urzeitlichen Anlage
überragt der mächtige romanische Chorturm die Stadt: Der Klang der
Jeßwagner-Orgel lockt viele Besucher an.
Die römisch-katholische Kirche stammt aus dem 12. Jhdt. und wurde auf
einer urzeitlichen Anlage erbaut, deren Erdwälle bis heute sichtbar
sind. Sie wurde dem heiligen Michael geweiht, Erzengel und Anführer der
himmlischen Heerscharen. Charakteristisch für das 12. Jhdt. ist der
mächtige Chorturm, der als Zufluchtsstätte in Kriegszeiten diente. Die
ursprünglich einschiffige Kirche wurde noch in der Romanik um eine
Wehretage über der Decke erhöht, wodurch auch der Turm erhöht werden
musste. Die Schießscharten dieser Wehretage sind heute nur von innen zu
sehen. In Friedenszeiten übernachteten hier die Pilger, die ins Heilige
Land zogen.
Von der ursprünglich romanischen Apsis (halbkreisförmiger Raumteil)
erhielt sich nur der Michael-Stein (Seelenwaage) an der heutigen
Südwand des gotischen Chores. Gemäß dem Volksglauben trägt Michael eine
Balkenwaage in seiner Hand, die „Seelenwaage“, mit der er Gut und Böse
abwägt. Die ehemalige romanische Adelsempore trägt die 1763 errichtete
Jeßwagner-Orgel (Rokoko). Die Katharinen-Kapelle an der Nordseite wurde
um 1270 als adelige Begräbnisstätte angebaut. An der Wand ist ein
Fresko vom Martyrium der hl. Katharina aus der ersten Hälfte des 14.
Jhdt. In der Sakristei befinden sich bemerkenswerte Kapitelle aus dem
Übergangsstil um 1270. Eines davon zeigt zwei verschlungene Drachen als
Symbole für die Urkräfte der Natur. Unter diesem Raum befindet sich die
vom Altarraum aus zu erreichende Krypta. Ungefähr um 1300 entstanden
der gotische Hauptaltarraum (mit der Figur des Erzengels Michael) und
die südliche Seitenkapelle. Leider war das Gebäude am Besuchstag
versperrt.

Karner zum hl. Bartholomäus - Ein Juwel in Form einer Rundkapelle, die als Nachahmung des hl. Grabes im 13. Jahrhundert entstanden ist.
Der Karner (Beinhaus) verdankt seine Form als Rundkapelle den
Kreuzfahrern. Man wollte in der Heimat eine Nachahmung des hl. Grabes
von Jerusalem haben. Um die Mitte des 14. Jhdt. wurde er mit den
gotischen Giebelspitzen versehen. Die Figuren auf den Giebelspitzen
stellen den Pantokrator, das Stifterpaar, eine vierblättrige Rose und
einen Pelikan dar. An der Spitze des Karners befindet sich ein
sogenanntes Jerusalem-Kreuz. Im Inneren des Karners haben sich noch
mehrere Weihekreuze erhalten. Als Schlussstein ist ein Christuskopf zu
sehen. Im Rundbogenfenster ist als gotische Glasmalerei die hl. Helene
dargestellt. Das Gemmenkreuz (mittelalterliches Kreuz mit Edelsteinen
und Perlen) wurde anlässlich des Papstbesuches im Jahre 1983 geschaffen. Leider war das Gebäude am Besuchstag versperrt.

Kaplan August Paterno (1935–2007), Kaplan, Autor, österreichischer Fernsehkaplan, Gründer des Europahauses in Pulkau, Ehrenbürger der Gemeinde
Für das ORF-Fernsehen gestaltete Paterno die Sendungen „Christ in der
Zeit" und „Fragen des Christen", die zu den erfolgreichsten Reihen des
Religions-TV in Österreich zählten. Kaplan Paterno wurde oft fälschlich
als „Pater Paterno“ tituliert. Wer als Kind der 70er mit FS1/2
aufwuchs, der kam um den Fernsehprediger nicht herum.

Hier ruhen 20 Soldaten gefallen im Jahre 1945 im Dienste der Deutschen Wehrmacht
Keine Mutter stand am Lager Keine liebend treue Hand Drückte zu die toten Augen, Als uns das Leben still entschwand
ERRICHTET DURCH DIE HEIMKEHRERKAMERADSCHAFT, PULKAU 1960

Pulkau ist eine der Urpfarren des Weinviertels, das Errichtungsjahr
wird mit „um 1050" angegeben. Auf prähistorischem Boden angelegt,
gehörte die Pfarre bis 1784 zur Diözese Passau, seither zur Erzdiözese
Wien. 1135 wurde u.a. das Patronat von „Pulka" von Bischof Reginmar dem
Markgraf Leopold III. (= der Heilige) verliehen. Dessen Sohn, Heinrich
II. (Jasomirgott), übertrug die Patronatsrechte um 1158 dem von ihm neu
gegründeten Benediktinerstift „Zu unserer lieben Frau, bei den Schotten
zu Wien". Große Schenkungen erhielt die Pfarre von den Grafen von
Hardegg. Die Schottenabtei hingegen 1162 durch Heinrich II. den Zehent
von Pulkau. 1308 wurde der Gemeinde das Marktrecht, 1437 das Wappen mit
den beiden weißen Krügen auf schwarzem Grund verliehen, die Erhebung
zur Stadt erfolgte jedoch erst 1985.

Nach der Brandschatzung durch die Schweden 1645, blieb die Pfarrkirche heiliger Michael
in ruinösem Zustand, konnte aber nach einer großen Spendenaktion und
mit Hilfe des vorbildlichen Einsatzes der Pulkauer Bürger bis 1674
wieder hergestellt und 1679 neu eingeweiht werden. Auch in der
Reformationszeit blieb die Kirche St. Michael immer katholisch. Nach
den umfangreichen Wiederherstellungsarbeiten in der Barockzeit, dem
Einziehen eines Backsteingewölbes und einer teilweisen Neogotisierung
im 19. Jh., erfolgte 1936 eine radikale Innenrenovierung mit der
Zielsetzung, den romanischen Charakter des Kirchenbaues möglichst
wieder herzustellen. Im Zuge dieser Arbeiten wurde die bis dahin
vermauerte Krypta geöffnet, das Sakramentshäuschen vom Hauptchor in das
südliche Seitenschiff versetzt, verputztes Mauerwerk freigelegt, die
Barockkanzel aus der Blutkirche aufgestellt, und vieles andere mehr.
Der Karner außen: Vom Baustil
lassen sich zwei Epochen unterscheiden: der untere, runde Teil, aus
größeren Quadersteinen gefügt, stammt aus der späten Romanik. Darauf
aufgesetzt der zwölfeckige Oberteil aus kleineren Quadern reicht schon
in den Beginn der Gotik. An der Ostseite springt die dreiteilige Apsis
aus dem Rundbau heraus. Das Obergeschoß endet kronenförmig in zwölf
spitzen Giebeln, getrennt durch (stark verwitterte) Wasserspeier. Die
Spitzen der Giebel sind jeweils durch eine Steinskulptur verziert, von
denen aber nur mehr acht vorhanden sind: Die vier im südlichen Teil
fehlen vollständig. Die Hauptfigur über dem Portal stellt Christus als
Weltenherrscher dar, mit dem Buch des Lebens in der Hand, mit der
anderen weist er den Weg zu Himmel oder Hölle. Flankiert wird Christus
vermutlich links und rechts von dem Stifterehepaar, Gräfin Wilbirgis
und Graf Heinrich Dewin-Hardegg. Weiters zu sehen sind ostwärts der
Frauengestalt ein Pelikan, als Sinnbild der Eucharistie (der Vogel der
seine Brust aufreißt und mit seinem Blut seine Jungen ernährt), und
zwei Steinmetze bei ihrem Handwerk. Der eine fleißig, der andere sieht
nach Süden in Richtung des Steinbruches, aus dem das Baumaterial für
die Kapelle gebrochen wurde. An der Westseite sieht man ein
vierblättriges Kleeblatt und eine Lilie, möglicherweise die Wappen der
Stifter. An der Spitze des mit Holzschindeln gedeckten Daches befindet
sich ein „Jerusalemkreuz" aus Stein; charakteristisch sind die vier
kurzen Querbalken, die wieder vier Kreuze bilden. Beim imposanten
Stufenportal an der Nordseite, mit Zackenfries und doppelten Säulen,
sind die Kapitelle mit Trauben und Blumen verziert.

Die Filialkirche Pulkau steht
im nördlichen Bereich des Rathausplatzes in der Stadtgemeinde Pulkau im
Bezirk Hollabrunn in Niederösterreich. Die auf das Patrozinium Blut
Christi geweihte römisch-katholische Filialkirche gehört zum Dekanat
Retz-Pulkautal der Diözese St. Pölten.
Anlass für den Bau des Kirchengebäudes war eine Wallfahrt wegen eines
Hostienwunders, es wurde angeblich eine Hostie durch einen Juden
geschändet, infolgedessen brachen die Pulkauer Verfolgungen von 1338
aus. 1339 wurde eine „capella“ gestiftet. Urkundlich war die Kirche
1396 im Bau, in der ersten Hälfte des 15. Jahrhunderts wurde der
Kirchenbau unvollendet abgeschlossen. Die Kirche beinhaltet den
bedeutenden spätgotischen Pulkauer Flügelaltar, entstanden um
1515/1525, mit Skulpturen und Tafelmalerei, ein Hauptwerk der
österreichischen Donauschule.

Die erste Besiedelung mit fränkischen Siedlern erfolgte unter Kaiser
Karl dem Großen zwischen 791 und 796 n. Chr., die Grundherrschaft lag
1055 in den Händen der Grafen von Hardegg.
1080 wird die Pfarre das erste Mal urkundlich erwähnt und seit 1216 ist der Weinbau amtlich bestätigt.
In den Jahren dazwischen war der Baubeginn der St. Michaelskirche
(1155). Zu dieser Zeit erhielt auch das Schottenstift in Wien das
Patronatsrecht über die Pfarre.
1308 erhielt Pulkau das Marktrecht. 1437 verlieh Herzog Albrecht V. das
Marktsiegel und das Wappen. Seit diesem Jahr bis 1790 finden sich hier
ein Richter und ein Marktrat.
Ein christlicher Mesner half 1338 angeblich Juden bei der Schändung
einer Hostie. Daraufhin brach in weitem Umkreis von Pulkau eine
Judenverfolgung aus.
Die gotische Filialkirche Pulkau Heiligblut wurde in den Jahren 1400
bis 1422 erbaut. 1425 wurde Pulkau – so wie Schrattenthal und Retz –
von den Hussiten verwüstet.
1486 besetzten die Truppen von Matthias Corvinus – im Gegensatz zum benachbarten Schrattenthal – Pulkau.

Von aufständischen Bauern wurde Pulkau 1597 besetzt und auch während
des Dreißigjährigen Krieges wurde der Markt immer wieder besetzt. Unter
den Schweden 1645 ging Pulkau in Flammen auf.
In Pulkau und Umgebung brach die Pest aus. Die Pfarrchronik
verzeichnete am 13. Dezember 1680 600 Tote. Um eine Ausbreitung der
Seuche zu verhindern, wurde der Markt gesperrt.
Am 25. Jänner 1712 wurde Kaiser Karl VI. auf seiner Krönungsreise nach
Prag hier von den niederösterreichischen Ständen empfangen (eine
weitere Station war Langau im Bezirk Horn).
1724 ließ Abt Karl Fetzer die steinerne Bründlkapelle errichten, die
heute noch steht. Dreißig Jahre später (1742) besetzten im 2.
Schlesischen Krieg die Preußen Pulkau. 1805 und 1809 folgten ihnen die
Franzosen.
Weitaus friedlicher verlief der Besuch in Pulkau durch Kaiser Franz I.
und seine Gemahlin Karoline Auguste am 8. Oktober 1833. Im Jahr 1845
waren Kaiser Ferdinand I. und der Thronfolger Franz Joseph zu Gast.
1850 wurde auch aus Pulkau eine von der Grundherrschaft befreite Gemeinde.

Zeittafel
1080 Erste urkundliche Erwähnung der Pfarre Pulkau
1100-1150 Erste Bauphase Michaelskirche
1158 Inkorporation der Pfarre Pulkau an die Wiener Schottenabtei
1255 Baubeginn des Karners - Vollendung um 1300
1338/1339 Sogenanntes Hostienwunder - in Folge Judenpogrom
1397 Bulle Papst Bonifaz IX. - Konsens zur Erbauung der Blutkirche
1425 Differenzen mit dem Schottenstift und beginnender Hussitenkrieg führen zum Baustop der Blutkirche
1515-1525 Errichtung des gotischen Flügelaltars in der Blutkirche
1645 Schweden setzen Kirchen, Pfarrhof und andere Gebäude in Pulkau in Brand
bis 1668 Nach dem Brand befindet sich die Michaelskirche in einem ruinösen Zustand
1679 Neue Weihe der Michaelskirche
1724 Bau der Bründlkapelle
1762-1765 Jesswagner Orgel wird in der Michaelskirche errichtet
1936 Renovierung der Michaelskirche - Reromanisierung des Innenraums
1995 Pulkau wurde eine Pfarre der Erzdiözese Wien.
2009 Beginn der Außenrenovierungarbeiten an der Michaelskirche
10.12.2017 Abschluss der Renovierungsarbeiten in der Michaelskirche, Altarweihe durch Christoph Kardinal Schönborn

Seit dem Ende der 1960er-Jahre wird viel für ein neues, moderneres
Pulkau getan (Waldbad, neue Hauptschule, Trinkwasserversorgung und
Kanalisation mit Kläranlage). Am 22. Februar 1985 wurde Pulkau das
Stadtrecht verliehen.
Im Jahre 1985 organisierte Hermann Maurer im Auftrage der Gesellschaft
für Vor- und Frühgeschichte in grenzüberschreitender Zusammenarbeit mit
der Universität Prag eine Niederösterreichtagung in Pulkau. Dazu
erschienen als wissenschaftliche Veröffentlichungen der Ergebnisse zwei
Tagungsbände.
Das Kulturzentrum Pöltingerhof wurde eröffnet, Hauptplatz und
Rathausplatz neu gestaltet, der neue Kindergarten und die Volksschule
folgten. 2000 folgte die Eröffnung des Europahauses im Pfarrhof, für
das sich der aus Radio und Fernsehen bekannte Kaplan August Paterno
sehr engagierte.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: