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Die Basilika Rankweil (offizieller Name Pfarr- und Wallfahrtskirche Unsere Liebe Frau Mariä Heimsuchung und Loretokapelle, inoffiziell auch Liebfrauenbergkirche) ist eine römisch-katholische Basilika in der Marktgemeinde Rankweil im österreichischen Bundesland Vorarlberg auf dem mittig im Ort aufsteigenden Liebfrauenberg.

Sie befindet sich in einer Höhe von 502 Metern (etwa 45 m über dem
Ortskern), was ihre markante Stellung im Ortsbild bewirkt. Die zum
Bistum Feldkirch gehörende Kirche stammt aus dem 15./17. Jahrhundert
und wurde im Jahre 1985 zur Basilica minor erhoben.

Von der ehemaligen Burg der Grafen von Montfort sind keine Reste mehr
vorhanden. Ab dem Jahre 1470 wurde eine bereits vorhandene Wehrkirche
erneuert und vergrößert. Vorgelagert im Osten ist ein Kirchhof mit
Wehrmauern mit überdachten Wehrgängen mit Schießfenstern und
Schießschartenreihe auf der Mauerkrone mit über die Mauerflucht
vorstehendem Torturm.

Wehrgang mit Aussicht

Aussicht von der Basilika Rankweil

Aussicht von der Basilika Rankweil

Aussicht von der Basilika Rankweil

Beinahe alle Stilepochen haben Spuren in der Architektur hinterlassen
und zum markanten Erscheinungsbild geführt. Die letzte Restaurierung
fand von 1980 bis 1986 statt. Im Zentrum der Wallfahrt stand
ursprünglich das Silberne oder Wundertätige Kreuz. Es ist ein
romanischer Holzkern, von einem unbekannten Künstler im 12. Jh. aus
Pisa/Italien geschaffen und 1233 hierher gebracht. Im Innern des
Holzkreuzes befindet sich ein Partikel des Kreuzes Christi. Im
18. Jh. bekam das Kreuz eine Silberhülle, auf der die Reliefs des
Holzkreuzes barock gestaltet und in Silber getrieben zu sehen sind. Die
Botschaft des Kreuzes wird durch den Engelkranz verstärkt. Flankiert
wird das Kreuz von den barocken Figuren des Priesters Zacharias
(rechts) und des Königs David (links). Unter dem Kreuz befindet sich in
einer Nische das Vesperbild „Die Sieben Schmerzen Mariens“ (1600).

Der Künstler aus Leudersdorf/Eifel gestaltete Tabernakel, Ambo, Altar
und Engelkranz (1984-1986). Der Tabernakel stellt den Brennenden
Dornbusch dar. Am Ambo wird an die Rettung Israels und an die Geburt
Jesu erinnert. An den vier Seiten des Altars werden Geschichten
erzählt, in denen Jesus Menschen begegnet: „Jesus und die Kinder“, „Der
Auferstandene und Thomas“, „Heilung einer kranken Frau“ und „Der
Auferstandene am See“.

Die Orgel der Liebfrauenkirche von Alois Schönach aus dem Jahre 1873
wurde im Jahre 1961 umgebaut. Die jetzige Orgel von 1985 stammt aus der
Werkstatt von Martin Pflüger (Feldkirch/Gisingen). 2007 wurde eine
Überholung durchgeführt. Das Instrument hat 24 Register und zwei
Vorabzüge auf zwei Manualwerken und Pedal.

Die zeitgenössische Gestaltung der drei großen Kirchenfenster verdanken
wir dem US-amerikanischen Künstler David Reed (2017). Die einfach
wirkenden Farben erzählen gemeinsam mit dem Marienfenster vor der
Gnadenkapelle in abstrakter Weise von der über 1200-jährigen
Kirchengeschichte der Basilika.

In den Jahren 1657 bis 1658 wurde durch Baumeister Michael Beer eine
Loretokapelle (auch Gnadenkapelle und Beichtkapelle) als Seitenschiff
errichtet. Die Gnadenkapelle wurde im Jahre 1757 umgebaut. Das
Gnadenbild, eine geschnitzte Figur der Maria mit Kind, ist vom
Bildhauer Johannes Rueland aus dem Jahre 1470 und seit dem Umbau der
Kapelle 1757 von einem vergoldeten Rokokoaltar umgeben.

Die Gnadenkapelle: Das Seitenschiff wurde als Erweiterungsbau 1657 von
dem bekannten Bregenzerwälder Barockbaumeister Michael Beer an die
Nordseite angefügt. Als Vorbild diente das Heilige Haus in Loreto bei
Ancona/Italien. Im Mittelpunkt des Altares steht das Gnadenbild Unserer
Lieben Frau. Es ist ein Frühwerk des spätgotischen Bildhauers Hans
Rueland aus dem Allgäu (ca.1460). Der Rokokoaltar (1757) des Rankweiler
Bildhauers Josef Spalt zeigt links Maria als Kind mit ihren Eltern
Joachim und Anna und rechts die Vermählung Mariens mit Josef. Die Wände
sind mit Mosaiken geschmückt (1947). Vor der Gnadenkapelle hängt das
Kümmerniskreuz (12. Jh.). Links davon sind verschiedene Votivtafeln von
Pilgern (17. bis 19. Jh.) zu sehen.

Ein Schmiedeeisengitter ist vom Kunstschlosser Franz Martin Huber aus dem Jahre 1776 und wurde 1778 eingebaut.

Die Orgel wurde 1985 von Martin Pflüger aus Feldkirch/Gisingen gebaut. Die Stuckatur an den Decken stammt aus dem Jahre 1678.

Die Fridolinszelle beherbergt den Stein, auf dem der Heilige nach
seinem ersten Auftritt vor dem Gaugericht in Rankweil im 6. Jh. gekniet
und gebetet haben soll. Nach einer Legende zeigen die Vertiefungen
seine Arm- und Knieabdrücke. 2012 fand die letzte Renovierung statt.
Fridolin-Stein-Kapelle: Beim ostseitigen Kirchenaufgang wurde in einem
gewölbten Raum unter der Sakristei im Jahre 1690 eine Kapelle
errichtet, mit einer Figur Hl. Fridolin aus dem 20. Jahrhundert. Die
Kapelle beinhaltet einen Quarzmarmorstein, in welchen angeblich der Hl.
Fridolin bei einem Gebet mit seinen Knien eingesunken ist, und dabei
eine Eindruckstelle entstanden sein soll. Der Stein zeigt auch
Gebrauchsspuren, weil durch die Jahrhunderte dort viele Gläubige im
Gebet knieten.


Rankweil und seine Basilika: Für den 50 Meter hoch aufragenden
Liebfrauenberg sind die ersten Spuren einer Besiedelung etwa 1800 Jahre
v. Chr. nachgewiesen. Rankweil hat als Wallfahrtsort eine besondere
Ausstrahlung. Zunächst stand die Verehrung des Silbernen oder
Wundertätigen Kreuzes im Mittelpunkt. Im 14. Jh. wandelte sich die
Basilika mehr zu einem Marienwallfahrtsort. Zwölf Pfarrkirchen der
Umgebung nennen diese Kirche ihre Mutterkirche.

Die Wehrkirche: Am 31. Jänner 1445 zogen 4000 Krieger aus der Schweiz
über den Rhein, plünderten und verbrannten Altenstadt und Rankweil, so
auch die Kirche auf dem Liebfrauenberg. Mit dem runden Festungsturm und
dem Wehrgang und Torturm wurde die neue Kirche zu einer Wehrkirche. Der
kleine Innenhof diente als Zufluchtsort für die Bevölkerung. Das kleine
Fenster über dem Tor gehört zur ehemaligen Nachtwächterstube, die bis
1970 besetzt war. Das Wappen von Papst Johannes Paul II. über dem
Torturm erinnert an die Basilikaerhebung im Jahre 1985.

Basilika Rankweil bei Nacht
