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Ravenna ist eine Stadt in Italien mit über 150.000
Einwohnern und liegt in der Region Emilia-Romagna. Von 402 bis 476 war
die Stadt Hauptresidenz der weströmischen Kaiser. In den folgenden
Jahrzehnten residierten hier auch Odoaker, Theoderich der Große und
dessen Nachfolger. Die Stadt ist berühmt für ihre frühchristlichen
Kirchen, Taufkapellen, Mausoleen sowie Mosaiken und deshalb ein
wichtiges Zentrum für den Kulturtourismus in Italien.
* * *
Basilica di Sant'Apollinare in Classe
ist eine imposante frühchristliche Kirche mit Innenbereich aus Marmor
und mit aufwendigen, farbenfrohen Mosaiken. Die Außenmauern der Kirche
sind schlicht und bestehen aus einer Anordnung von schmalen roten
Ziegelsteinen (48 × 4 cm) auf weißem Kalkbett (4 cm), was die Kirche je
nach Lichtverhältnissen heller oder dunkler erscheinen lässt. Der in
Lombardischen Stilformen über einem runden Grundriss konstruierte
mehrgeschossige Glockenturm mit zwei- und dreibogigen Fenster- und
Schallöffnungen stammt aus dem 11. oder 12. Jahrhundert. Etwas südlich
vom Stadtzentrum gelegen ist die Basilika einfach mit Buslinie 4 um EUR
1,20 erreichbar.

Sant’Apollinare in Classe gilt mit ihren drei Schiffen ohne Matronea
als die imposanteste Basilika der frühchristlichen Zeit. Sie wurde über
dem Grab des heiligen Apollinaris, Märtyrers, Schutzpatrons und
„Vaters“ des christlichen Ravenna, errichtet und im Jahr 549 n. Chr.
geweiht. Die Ikonographie der Dekoration ist innovativ und originell:
Erstmals ersetzt die Darstellung Christi in Majestät die Repräsentation
des Heiligen, dem die Kirche geweiht ist. Erzbischof Maximianus wollte
diese Kirche erhaben gestalten, da sie die Gebeine des Stadtpatrons
barg. Darüber hinaus wird die göttliche Natur Christi im Thema der
Verklärung betont, dargestellt in der Apsismuschel mit der Hand Gottes,
die zwischen den Wolken erscheint, den Figuren von Mose und Elias sowie
drei Schafen, die die Apostel Petrus, Jakobus und Johannes
symbolisieren. Im Zentrum der Apsis blickt ein mit Edelsteinen
besetztes Kreuz auf das Kirchenschiff. Im unteren Teil der Apsis ist
Apollinaris mit seinen Anhängern – den zwölf Lämmern – in einer
Landschaft mit Felsen, Blumen und Bäumen dargestellt. Die Mosaiken im
Triumphbogen sind, der typisch byzantinischen Bauweise entsprechend, in
fünf Abschnitte unterteilt und stammen, mit verschiedenen Anpassungen,
aus dem 6. bis 12. Jahrhundert.

Sant’Apollinare in Classe ist eine dem hl. Apollinaris geweihte Kirche
in Classe, einer südlich des Hauptortes gelegenen Fraktion von Ravenna.
Die Kirche aus dem zweiten Viertel des 6. Jahrhunderts, am Übergang von
der Spätantike zur Vorromanik, folgt dem Beispiel der in der Zeit der
Völkerwanderung noch zahlreich vorhandenen dreischiffigen Basiliken
(deutsch ‚Königshallen‘) der römischen Architektur, einer Bauform, die
in der Antike aber nicht nur für manche Aula regia (Audienzhalle eines
Herrschers) im engeren Sinn, sondern oft auch für Gerichts- oder
Markthallen Verwendung gefunden hatte. Berühmt ist sie vor allem – wie
die anderen byzantinischen Kirchen Ravennas – durch die Wandmosaike in
ihrem Innern. Die erhaltenen Mosaiken Ravennas zeugen vom Einfluss der
zeitgleichen frühen byzantinischen Architektur, während der Baukörper
etwa der römischen Basilika Santa Sabina ähnelt, die ein Jahrhundert
zuvor errichtet wurde.

Der Bau der Kirche wurde unter Bischof Ursicinus (533–536 amtierend)
begonnen; am 9. Mai 549 wurde sie von Bischof Maximian geweiht. Der
reiche Bankier Iulianus argentarius finanzierte den Bau. Die
Bezeichnung in Classe rührt von der antiken römischen Stadt Civitas
Classis am damaligen (später versandeten) Hafen von Ravenna her, der
unter Kaiser Augustus zur Verteidigung der gesamten Adria zum
zweitgrößten Kriegshafen des Römischen Reichs ausgebaut worden war. Die
Stadt wies eine heterogene Bevölkerung mit vielen Zuwanderern aus den
östlichen Provinzen des römischen Reiches auf. So kam auch der hl.
Apollinaris aus Antiochia gegen Ende des 1. oder Anfang des 2.
Jahrhunderts hierher. Er rief die erste christliche Gemeinde in Ravenna
ins Leben und wurde ihr erster Bischof. Die Basilika wurde über seinem
Grab errichtet. In der Mitte des 9. Jahrhunderts wurden seine Gebeine
in die Kirche Sant’Apollinare Nuovo überführt, da diese zentral in
Ravenna und nicht in der abgelegeneren Hafengegend lag und so vor
Plünderungen leichter zu schützen war.

Die geostete Apsis ist durch eine breite Treppe zu erreichen; im oder
unter dem Altar befand sich ursprünglich das Grab des hl. Apollinaris.
Das Mosaik der Apsis zeigt eine Darstellung der Verklärung; es ist die
erste Verklärungsdarstellung, in der Christus durch ein Kreuz
symbolisiert wird. Die drei Lämmer auf grüner Wiese symbolisieren
möglicherweise Petrus und die Apostelbrüder Jakobus und Johannes. Unter
dem Kreuz ist eine saftig grüne, blumenübersäte Landschaft mit Schafen
und dem Hl. Apollinaris in der Mitte zu sehen. Der Bischof ist mit
einem Messgewand und dem Bischofspallium bekleidet; er erhebt im Gebet
die Arme in Orantenhaltung zum Himmel. Ihn umgeben zwölf Lämmer, die
die Gläubigen darstellen, die ihrem Hirten folgen.

Die Krypta ist halbkreisförmig und haftet der Apsismauer an. Die zwei
Eingänge sind jeweils mit Gittern versehen. Eine Mittelzelle unter dem
Hauptaltar birgt einen Sarkophag aus griechischem Marmor, der die
Gebeine des hl. Apollinaris enthielt, die jetzt jedoch im Hauptaltar
der Basilika Sant’Apollinare Nuovo in Ravenna ruhen. Leider war der
Zugang nur bis zur Seitenkapelle möglich.

Das Innere (55,58 × 30,30 m) besteht aus drei Schiffen, die durch zwei
Reihen von jeweils zwölf Säulen aus gestreiftem griechischem Marmor mit
byzantinischen Kapitellen voneinander getrennt sind. Die langgestreckte
Kirche ist – wie in der Spätantike üblich – nicht gewölbt, sondern mit
hölzernen Dachstühlen gedeckt; die ursprüngliche Kassettendecke ist
nicht mehr erhalten. Vom ehemals mosaikgeschmückten Fußboden haben nur
Reste überdauert.

Die Stadt lag ursprünglich unmittelbar an der Adria. Infolge von
Verlandung beträgt die Entfernung des Stadtkerns von der Küste heute
etwa neun Kilometer. Der Stadthafen (Darsena di città) ist durch den
Canale Candiano mit der Küste und dem Seebad Marina di Ravenna
verbunden.
Die Il Moro di Venezia III ist
eine der legendärsten Yachten im italienischen Segelsport und spielte
eine Hauptrolle beim 28. America’s Cup 1992 in San Diego, Kalifornien.
Im Auftrag des Unternehmers Raul Gardini und des Schiffsarchitekten
Germán Frers, gebaut von der Werft Tencara in Montedison und unter
Skipper Paul Cayard, startete sie gemeinsam mit der Compagnia della
Vela aus Venedig zum America’s Cup.
Die Il Moro ist eine Yacht der IACC-Klasse mit einer Länge von etwa 24
Metern und einem Gewicht von 20 Tonnen und zeichnet sich durch
modernste technische Lösungen aus. Dieses Boot markierte einen
historischen Moment für Italien, entfachte die Begeisterung der Fans
und machte den Segelsport auch jenen näher, die damit noch nicht
vertraut waren. Sie gewann das Finale des Louis Vuitton Cups gegen die
starken Neuseeländer von Black Magic und segelte im Finale des
America’s Cup gegen die US-Yacht America Cube des Unternehmers Bill
Koch. Sie ist ein Symbol für Fortschritt, Innovation und sportlichen
Stolz für ganz Italien.

Das Theoderich-Mausoleum ist
das einzige Bauwerk aus der Zeit Theoderichs, das aus riesigen,
quadratischen Blöcken istrischen Steins aus der Höhle von Aurisina
errichtet wurde. Doch nicht nur das Baumaterial macht das Mausoleum so
bemerkenswert: Seine Architektur ist in der römischen,
frühbyzantinischen und byzantinischen Geschichte einzigartig und
vereint somit auf perfekte Weise unterschiedliche Einflüsse. Das Äußere
des Mausoleums mit seinem Zentralplan ist in zwei übereinanderliegende
Zehnecksordnungen gegliedert, während das Innere aus einem
kreuzförmigen Untergeschoss und einem kreisförmigen Obergeschoss
besteht. Theoderich (493–526) ließ es als seine Grabstätte mehr als
einen Kilometer außerhalb der Stadt, in der Nähe einer gotischen
Nekropole und unweit des Meeres errichten. Nach Justinians Edikt im
Jahr 561 n. Chr. wurde der Sarkophag mit seinen sterblichen Überresten
aus dem Mausoleum entfernt, und der Ort, an dem sie ruhen, ist
unbekannt. Die Struktur des Gebäudes scheint an die architektonische
Tradition zweistöckiger Grabmäler und an die römische Kaiserzeit
anzuknüpfen, während die Dekorationsmuster auf zeitgenössische
ostgotische Kunst verweisen. Die monolithische Kalksteinkuppel wiegt
etwa 230 Tonnen, ist rund 1 Meter dick und hat einen Durchmesser von
10,76 Metern. Die Kuppel weist einen langen Spalt auf, der vermutlich
durch die Montagearbeiten entstanden ist; darunter befindet sich ein
mit einem barbarischen Muster verzierter Rahmen.

THEODORICH UND DAS MAUSOLEUM
Theoderich wurde um 454 in Pannonien als Sohn Theodemirs, des Königs
der Ostgoten, und Ereleuvas geboren und bekannte sich wie sein Vater
zum Arianismus. Sein Volk war dem Oströmischen Reich angegliedert und
hatte sich zu jener Zeit auf dem Balkan, am rechten Donauufer,
angesiedelt. Schon in jungen Jahren wurde er an den byzantinischen Hof
Kaiser Leos gesandt und blieb bis zum Tod seines Vaters in
Konstantinopel. Nach seiner Rückkehr nach Pannonien bestieg er 474 den
Thron. Einige Jahre später ermutigte ihn der byzantinische Kaiser, die
von Odoaker, dem König der Heruler, beherrschte italienische Halbinsel
zu erobern, um die Goten von den östlichen Grenzen des Reiches zu
vertreiben. Er zog mit seinem Volk über die Alpen und erreichte den
Isonzo, wo er Odoakers Heer besiegte und weitere bedeutende Siege bei
Verona und am Fluss Adda errang. 493, nach einer fast dreijährigen
Belagerung, eroberte Theoderich Ravenna und tötete wenige Tage später
Odoaker. Er übernahm die Herrschaft über die Goten und Römer und wählte
Ravenna zu seiner Hauptstadt. Später erkannte der byzantinische Kaiser
Anastasius seine Herrschaft offiziell an.
Theoderichs Regierungszeit dauerte 33 Jahre und war eine Zeit des
Friedens und des Wohlstands. Er ließ große öffentliche Bauwerke
errichten und förderte Kunst und Kultur. In Ravenna gab er zahlreiche
bedeutende bürgerliche und sakrale Gebäude in Auftrag. Neben seinem
eigenen imposanten Mausoleum ließ er den Königspalast umbauen und
erweitern, die arianische Kathedrale mit Baptisterium, die Pfalzkirche
(heute St. Apollinare Nuovo) und eine Reihe weiterer arianischer
Gotteshäuser erbauen.
Theoderichs Herrschaft wurde von Historikern und Schriftstellern wie
Kassiodor, Ennodius und Jordanes gepriesen. Seine letzten Jahre waren
jedoch von einem Hauch des Geheimnisvollen geprägt, was den legendären
Charakter italischer und regionaler Mythen sowie einiger deutscher und
nordischer Epen mitprägte. Laut Berichten im Anonymus Valesianus (erste
Hälfte des 6. Jahrhunderts) und bei Prokopios, einem Historiker am Hofe
Kaiser Justinians, starb der König einen mysteriösen und qualvollen
Tod. Theoderich schloss Bündnisse mit den wichtigsten germanischen
Völkern und geriet wegen eines Edikts Kaiser Justins gegen häretische
Kulte, darunter den Arianismus (523), in Konflikt mit Konstantinopel.
Nachdem er Albinus, Symmachus und Boethius zum Tode verurteilt hatte,
ließ er 526 sogar Papst Johannes I. gefangen nehmen, weil dieser es
versäumt hatte, das Edikt gegen den Arianismus am Kaiserhof aufzuheben.
Wenige Monate später, im August desselben Jahres, starb Theoderich, nun
misstrauisch gegenüber der Loyalität der Latiner, und hinterließ seinem
Volk ein gewaltiges Erbe. Sein Grabmal, erbaut um das Jahr 520, befand
sich in einem Gebiet, das bereits in römischer Zeit als Begräbnisstätte
genutzt worden war, nordöstlich der Stadt zwischen der Lagune und den
Mauern aus der Spätantike. Diese Lage war für die Stabilität des
Bauwerks nicht besonders förderlich, doch die Wahl dieses Standorts
erwies sich als vorteilhaft.
Das imposante Mausoleum aus Aurisina-Stein besteht aus zwei
übereinanderliegenden Kammern und war vermutlich ursprünglich von
Säulen und Balustraden umgeben. Das Mausoleum ist 15,82 Meter hoch und
liegt heute 3,5 Meter unter dem natürlichen Geländeniveau. Die Mauern
sind in Opus-quadratum-Technik errichtet; die Steinblöcke sind trocken
verlegt und innen mit Metallklammern verbunden. Die untere Kammer ist
5,85 Meter hoch und hat einen zehneckigen Grundriss. Die Eingangstür
befindet sich an der Westseite, wo die Öffnungen für die Scharniere
noch sichtbar sind. Die übrigen neun Seiten weisen Nischen mit
viereckigem Grundriss auf, die von Rundbögen aus ineinandergreifenden
Segmentsteinen bekrönt werden. Ein markantes Gesims umgibt die Bögen.
Die Rückwände der Nischen im Norden, Osten und Süden besitzen kleine
Schießscharten. Im Inneren ist die untere Kammer kreuzförmig angelegt,
eine in der Antike verbreitete Form, die bereits in Ravenna für das
Mausoleum der Galla Placidia und die Kapelle des Heiligen Andreas
verwendet wurde. Ein elegantes Gesims verläuft auf Kämpferhöhe des
Gewölbes, sowohl außen als auch innen. Unterhalb des inneren Gesimses
befinden sich an den Ost- und Westflügeln jeweils vier vorspringende
Blöcke, die möglicherweise als Lampenfüße dienten. Die beiden Blöcke an
der Ostwand sind mit einem Muschelrelief verziert, während die
gegenüberliegenden Blöcke unfertig sind. Die Steinblöcke der unteren
Ebene sind mit einer Anathyrose versehen, einer umlaufenden Vertiefung,
die sowohl ästhetischen Zwecken diente als auch das Verlegen
erleichterte.

Im Zentrum der Kammer befindet sich ein rotes, wannenförmiges
Porphyrgefäß aus der späten Kaiserzeit, das vermutlich als Sarkophag
für die Gebeine Theoderichs diente und 1913 nach mehreren Umbettungen
hierher überführt wurde. Nach der byzantinischen Besetzung Ravennas im
Jahr 540 wurde das Mausoleum geschändet. Es ist nicht bekannt, ob der
Leichnam des Königs aus dem Grab entfernt oder vorsichtig an einem
anderen Ort beigesetzt wurde. Das Gebäude wurde später für verschiedene
Zwecke genutzt. Im 9. Jahrhundert erwähnt Andrea Agnello ein Kloster
und eine Kirche namens Santa Maria al Mausoleo di Teodorico oder ad
Farum.

Die Rocca Brancaleone ist eine spätmittelalterliche Festung in der
Stadt Ravenna, wurde im 15. Jahrhundert von der Republik Venedig
errichtet und beherbergt heute einen der Parks der Stadt. Die Festung
wurde an der Nordostecke der Stadtmauer von Ravenna errichtet, in der
Nähe des Flusses Montone, der damals am nördlichen Stadtrand entlang
floss. Im 19. Jahrhundert, während des Baus des Bahnhofs, wurde ein
guter Teil der östlichen Stadtmauer abgerissen, um Platz für die Gleise
zu schaffen, die so neben der Festung zu liegen kamen.

Porta della Cittadella
Dieses Tor war der einzige Zugang zur Zitadelle und verfügte über
sowohl einen Eingang für Kutschen als auch einen für Fußgänger, jeweils
mit einer eigenen Zugbrücke über den Burggraben. Das nach Südwesten zur
Stadt ausgerichtete Tor war ursprünglich höher und mit vorspringenden
Zinnen mit Kragsteinen und Abflüssen versehen. Hier konnte man den
Feind mit festen oder flüssigen Geschossen und durch Beschuss von oben
angreifen. Doppeltore an jeder Seite und ein schweres Fallgitter aus
Metall zur Zitadelle hin gewährleisteten ihre Undurchdringlichkeit vor
Angriffen nicht nur von außen, sondern auch von innen. Ein kleines,
eigenständiges befestigtes Gebäude, das Ravelin genannt wurde, befand
sich in der Mitte des Grabens und vor der Zitadelle, wo sich heute die
Holzbrücke befindet. Das Ravelin diente der Verteidigung des Zugangs
zum Tor und war durch Zugbrücken mit dem Außenbereich verbunden. Zwei
weitere Zugbrücken sicherten die Haupteingänge der Festung von
außerhalb der Mauern und der Zitadelle.

SÜD-WESTFRONT
Um dem Artilleriebeschuss zu widerstehen, wurden die Türme und Mauern
dieser und der anderen Seiten, mit Ausnahme der Ostfront, mit einem
Steilhang versehen. Die Festung von Ravenna gilt als Beispiel einer
Festung im Übergang, d. h. sie entstand zwischen dem späten 15. und dem
frühen 16. Jahrhundert, als sich der Einsatz von Belagerungswaffen
zunehmend verbreitete. Die Notwendigkeit neuer Lösungen zur Anpassung
der Militärarchitektur an die wachsende Feuerkraft der Artillerie war
ein zentrales Thema. Die Mauern wurden niedriger und dicker, Wälle
wurden errichtet und Rundtürme gebaut, da diese die Einschläge der
Kugeln besser streuten als Türme mit scharfen, flachen Oberflächen. Vom
Fort, dem sogenannten Arx, ist der Torre della Munizione über eine
einst aus Wehrgängen und Zinnen auf vorspringenden Gesimsen bestehende
Kurtine mit der Porta della Cittadella verbunden. Der Weg führt weiter
in Richtung Torrione di Mezzo und hinauf zum Torre dell'Orto, dem
imposantesten Turm der gesamten Festung und dem am stärksten der Stadt
ausgesetzten. Sechs Bombardierungsstände außerhalb der Zitadellenmauern
und fünf Geschützstände ermöglichten es der Artillerie, den Feind zu
beschießen.

Monumento a Indipendenza an der Piazza Anita Garibaldi
Der Platz verdankt seinen Namen dem Denkmal, das am 10. September 1888
in Anwesenheit von König Umberto I. eingeweiht wurde. Es ist Anita
Ribeira de’ Silva di Merinos gewidmet, „Ehefrau und Gefährtin in Ruhm
und Leid von Giuseppe Garibaldi“ sowie „den Einwohnern Ravennas, die am
Galgen, im Gefängnis, im Krieg und im Exil starben“. Die Ausführung des
Werkes wurde dem Florentiner Cesare Zocchi anvertraut. Die vier Löwen
des Denkmals symbolisieren die entscheidenden Jahre des Risorgimento:
1831, 1848, 1859 und 1870. Die weibliche Figur, in Gestalt der Göttin
Athene, die einem gefallenen Soldaten einen Lorbeerkranz überreicht,
repräsentiert die Stadt Ravenna. Die bronzenen Basreliefs stellen
stattdessen zwei Momente in Anitas Leben dar: die Furt des Flusses
Canavas und ihren Tod durch Malaria, der sich am 4. August 1848 auf der
Farm Guiccioli nördlich von Ravenna ereignete.

Baptisterium der Arianer
(Battistero degli Ariani)
Vom ostgotischen Herrscher Theoderich in Auftrag gegebenes 8-eckiges
Bauwerk, heute 2 m unter dem Bodenniveau. Die Eintrittsgebühr von EUR
3,- (nicht im Kombiticket inkludiert!) sind am Automaten (rechts im
Bild) zu bezahlen. Ob bar oder mit Karte ist egal, denn beides
funktioniert mehr ganz schlecht als schlecht - Karte wird abgelehnt,
Bargeld kommt retour - und zuvor ist bereits das UI zur Kaufauswahl
derart schwachsinnig gestaltet, dass es ohne Hilfe der Mitarbeiterin
vor Ort (offenbar ohne Kassiererlaubnis) gar nicht schaffbar ist.

Aus der Spätantike ist kein anderes Baptisterium erhalten geblieben,
das dem arianischen Glauben gewidmet war und dessen Mosaiken die
Unterschiede zum orthodoxen Glauben so deutlich zum Ausdruck bringen.
Es war vermutlich das erste religiöse Bauwerk, das Theoderich nach der
Eroberung Ravennas im Jahr 493 n. Chr. errichten ließ, und stammt
wahrscheinlich aus dem späten 5. oder frühen 6. Jahrhundert. Das
Baptisterium bezeugt Theoderichs Willen, arianische Kultstätten für
sich und sein Volk zu schaffen. Das achteckige Backsteingebäude mit
vier kleinen äußeren Apsiden ist etwa 2,5 Meter tief in den Boden
eingesunken. Im Inneren umschließt die scheinbar schlichte und
schmucklose Fassade ein Mosaik mit der Taufe Christi in der Kuppel. Das
zentrale Medaillon ist von einem Ring umgeben, der den Auszug der zwölf
weiß gekleideten Apostel und den Thron mit dem juwelenbesetzten Kreuz
im Wechsel mit Palmenzweigen darstellt. Zu beiden Seiten des Thrones
führen die Heiligen Petrus und Paulus die Prozession an, einen
Schlüssel und die Pergamentrolle mit dem Wort Gottes haltend; die
übrigen zehn Apostel halten eine Krone. Die einstigen Marmor-, Stuck-
oder Mosaikverzierungen, die heute vollständig verloren sind, sollten
sich, wie im älteren orthodoxen Baptisterium, das als ursprüngliche
Inspirationsquelle für den Bau diente, entlang der Wände fortsetzen.

Monumento a Giuseppe Garibaldi
am Piazza Giuseppe Garibaldi
Eingebettet im Herzen von Ravenna, Italien, steht das Monumento A
Giuseppe Garibaldi als stolzes Symbol der italienischen Einigung und
der unverzichtbaren Rolle der Stadt bei der Schaffung der modernen
Nation. Giuseppe Garibaldi (1807–1882), verehrt als Held des
Risorgimento – der Bewegung des 19. Jahrhunderts, die Italien einte –
hinterließ ein tiefgreifendes Erbe, das von Mut, Opferbereitschaft und
unerschütterlichem Engagement für die Freiheit geprägt war. Seine
dramatische Flucht durch Ravenna im Sommer 1849, bekannt als die
„Trafila Garibaldina“, ist eine Schlüsselphase, die die Stadt
untrennbar mit seiner Geschichte und der breiteren Erzählung von der
italienischen Einigung verbindet. Heute können Besucher des Monumento A
Giuseppe Garibaldi nicht nur ein bemerkenswertes Werk der italienischen
Skulptur des späten 19. Jahrhunderts erleben, sondern auch einen tief
symbolischen Ort, der die Kämpfe und Triumphe einer Nation im Entstehen
gedenkt.
Der aufwendig aus leuchtendem Carrara-Marmor gefertigte und von einer
imposanten Statue von Giulio Franchi im Jahr 1892 gekrönte Monument
zeigt komplizierte Flachreliefs, die entscheidende Momente aus
Garibaldis militärischem und persönlichem Leben darstellen. Das
Monument befindet sich auf der Piazza Giuseppe Garibaldi, neben dem
historischen Teatro Alighieri, und ist für die Öffentlichkeit rund um
die Uhr kostenlos zugänglich, und lädt sowohl Gelegenheitsbesucher als
auch Geschichtsfans ein, sich in einem öffentlichen städtischen Umfeld
mit Italiens Vergangenheit zu beschäftigen. Die Umgebung ist reich an
kulturellen Wahrzeichen, darunter das Museum des Risorgimento und
andere historische Stätten, die mit Garibaldis Durchreise durch Ravenna
verbunden sind, was es zu einem Brennpunkt für die Erforschung der
italienischen nationalen Identität und des Erbes macht.

Das traditionelle Theater Dante Alighieri (Teatro Dante Alighieri) ist
das bedeutendste Theater in Ravenna. Es befindet sich in der Altstadt,
in der Via Mariani 2.

Dies ist der Säulenganggarten 'Giardino Rinaldo da Concorezzo', benannt
nach Rinaldo da Concorezzo, der Anfang der 1930er Jahre angelegt wurde
und mit der nahegelegenen Casa Oriani (ehemals Casa Rizzetti), der
heutigen Bibliothek Oriani, verbunden ist. Im Garten befinden sich
mehrere originale römische und frühchristliche Sarkophage, die die
Feierlichkeit und Bedeutung dieses städtischen Raumes unterstreichen.
Der Garten ist bei Touristen und Einheimischen gleichermaßen beliebt,
da er sich im Zentrum der „Dante-Zone“, besser bekannt als Zone der
Stille, befindet – zwischen der Kirche San Francesco, dem Quadrarco di
Braccioforte, der Bibliothek Oriani, der Piazza San Francesco und dem
nahegelegenen Haus und Grab Dantes.

Das Dante-Grabmal (Tomba di
Dante) ist eine Gedenkstätte in der architektonischen Gestalt eines
Tempelchens, das den Sarkophag mit den Überresten der mutmaßlichen
Gebeine des Dichters Dante Alighieri enthält. Es steht an der
Außenmauer des Kreuzgangs der ehemaligen Klosterkirche San Francesco in
der Stadt Ravenna in Italien. Wenige Jahre vor seinem Tod war Dante
nach Ravenna geflohen, wo er von Guido Novello da Polenta aufgenommen
worden war. In seinem ravennatischen Asyl vollendete der Dichter seine
Göttliche Komödie (ital. Divina Commedia), bevor er dort am 13.
September 1321 verstarb.
Dantes Grabmal wurde 1780 vom Architekten Camillo Morigia aus Ravenna
im Auftrag des Kardinalslegats Luigi Valenti Gonzaga erbaut, dessen
Wappen sich über dem Eingang befindet. Im Inneren befindet sich ein
Sarkophag mit Dantes Gebeinen. Die lateinische Inschrift an der
Vorderseite wurde 1327 von dem Dichter Bernardo Canaccio verfasst. Das
Flachrelief von Dante über dem Sarkophag wurde 1483 von Pietro Lombardo
geschaffen. 1519, als Papst Leo X. die Überführung der Gebeine des
Dichters nach Florenz genehmigte, entwendeten die Mönche des
nahegelegenen Franziskanerklosters diese und hielten sie
jahrhundertelang versteckt. Sie wurden 1865 zufällig wiederentdeckt und
in den Sarkophag gelegt, wo sie sich noch heute befinden. Der bronzene
und silberne Kranz am Fuß des Sarkophags wurde 1921 zum Gedenken an den
600. Todestag des Dichters gestiftet; rechts davon befindet sich die
kunstvoll gestaltete Votivampulle des Triestiner Bildhauers Giovanni
Mayer, die 1908 von der Stadt Triest gestiftet wurde. Die Lampe, die
von der Gewölbedecke hängt, brennt mit Olivenöl aus den toskanischen
Hügeln, das jedes Jahr im September von der Stadt Florenz gespendet
wird.

Die zwischen dem 9. und 10. Jahrhundert errichtete Basilica di San Francesco
steht an der Stelle eines älteren Sakralbaus aus dem 5. Jahrhundert,
der auf Wunsch des Bischofs Neone (Basilica Apostolorum) erbaut wurde.
Seit 1261 ist sie dem Heiligen Franz von Assisi geweiht. 1321 fand hier
die Beisetzung Dante Alighieris statt, und noch heute gehört sie zum
sogenannten „dantesken Viertel“ der Stadt. Die Kirche wurde mehrmals
innen und außen restauriert, zuletzt 1793 unter der Leitung von Pietro
Zumaglini. Die unterirdische Krypta ist das, was von der
mittelalterlichen Basilika erhalten geblieben ist.

Die Basilika hl. Franz von Assisi
Im 5. Jh. von Bischof Neon erbaut. Ursprünglich dem Apostel Petrus
geweiht, hat sie nach 1261 den Namen S. Francesco angenommen, als sie
dem Orden der Franziskaner-Konventualen anvertraut wurde. Dem Gebäude,
das mehrmals, und zwar im 10., 11., 16. und 18. Jahrhundert,
restauriert wurde, war das ursprüngliche Aussehen 1921 wierdergegeben.
anläßlich des 600-jährigen Todesjahres von Dante Alighieri, der hier am
15. September 1321 begraben wurde. Der dreischiffige Innenraum wird
durch 2 Reihen von je 12 Säulen aus griechischem Marmor unterteilt. Der
ursprüngliche Fußboden befindet sich ca. 4 m unter dem jetzigen,
aufgrund der natürlichen Bodenabsenkung. In der Krypta unter dem
Hauptaltar kann man Spuren davon sehen. Bereits im 11. Jh. - aufgrund
der Senkung - wurde das Gebäude ununterbrochen vom Grundwasser
überflutet. Es wurde fast ganz wieder aufgebaut, und zwar 2 m höher als
ursprünglich. Auch in den folgenden Jahrhunderten wiederholte sich
dieses Phänomen kontinuierlich, so daß gegen Ende des 15. Jh. sowohl
der Fußboden als auch die Säulenbasen (außer den letzten beiden an der
Apsis) um 1,70 m angehoben wurden und so die heutige Höhe erreichten.
Dieser letzte Eingriff hat jedoch einen negativen Einfluß auf die
Proportionen, auch wenn er dazu beigetragen hat, das Problem der
Senkung wenigstens zeitweise zu lösen.

Unter dem Fußboden des Presbyteriums ist die Grabstätte des Bischofs
Neon entdeckt worden. Während der Ausgrabungsarbeiten im Jahr 1879
wurde die alte Chorpartie mit dem ursprünglichen Mosaikfußboden
freigelegt, dessen Niveau mehr als 3,50 Meter tief und damit unterhalb
des Grundwasserpegels liegt. Wie alle anderen antiken Gebäude Ravennas
war auch das ursprüngliche Kirchengebäude im Laufe der Jahrhunderte im
relativ weichen Untergrund abgesunken. Das freigelegte, von Säulen
getragene Gewölbe der Chorpartie, in dem das Grundwasser steht, kann
auf Knopfdruck innen beleuchtet und dann von außen durch Maueröffnungen
hindurch besichtigt werden.

Kapelle 'dell'Immacolata' (der
Unbefleckten Jungfrau Maria)
1525 erbaut. Der Frontbogen, die Säulen, die Kapitelle und die Friese -
aus istrischem Gestein - sind Werke des Venezianers Tullio Lombardo
(1455-1532), des Schöpfers der Statue des Guidarello, die ursprünglich
in dieser Kapelle ihren Platz fand, 1650 dann ins Quadrarco di
Braccioforte überführt wurde und schließlici 1827 in die neu gegründete
Kunstakademie kam. Der Altar und das Antependium - aus polychromen
Marmorgesteinen sind Werke des Ravennaten Domenico Toschini, der sie am
10. Mai 1754 vollendete. Die Statue der Unbefleckten Jungfrau Maria, am
16. Juli 1788 festlich geweiht, ist ein Werk des Bildhauers Antonio
Trentanove (Rimini 1739 - Ferrara 1812).
Im Jahr 2018 wurde im Seitenaltar eine lebensgroße, betont realistisch
gestaltete Statue des heiliggesprochenen Franziskaner-Paters Maximilian
Kolbe († 1941 in Auschwitz) aufgestellt.

Kapelle des S. Rocco
1532 erbaut. Der Giebel - aus istrischem Gestein - ist ein Werk des
Bernardino Saluteri von Como, nach einer Zeichnung des Mailänders
Filippo Mariani. Die Kuppel- und, Wandfresken von denen nur einige
Spuren übriggeblieben sind, sind Werke des Ravennaten Andrea Barbiani,
175 ausgeführt. Das Gemälde im Zentrum (Öl auf Leinwand), ein Werk des
Gaspare da Imola aus dem Jahr 1531, stellt die Madonna mit dem
Jesuskind dar, mit S. Francesco d'Assisi, S. Rocco, S. Sebastiano und
mit der Stifterin Camilla del Corno, im Profil zu sehen. Der Altar,
hierhin aus der 1921 abgerissenen Kapelle Fantuzzi überführt, geht auf
die erste Hälfte des 17. Jh. zurück.

Bei den Ausgrabungsarbeiten wurden ein Marmorsarkophag und wertvoller
antiker Goldschmuck gefunden. Der Goldschmuck, der anschließend im
Nationalmuseum von Ravenna ausgestellt worden war, wurde dort zusammen
mit dem goldverzierten sogenannten „Panzer Theoderichs“, der bei
Ausgrabungen im Umfeld des Grabmals Theoderichs gefunden war, entwendet
und ist seither verschwunden. Es gilt als sicher, dass in der Basilika
San Francesco die Begräbnisfeierlichkeiten für Dante Alighieri
stattgefunden haben, dessen Grabmal sich in unmittelbarer Nachbarschaft
befindet.

Die Kirche San Romualdo (1629-1637) in lateinischer Kreuzform mit drei
Kapellen pro Seite wurde nach den Plänen von Luca Danesi (1658–1672)
für das nahegelegene Kloster der Kamaldulenser-Mönche aus Classe
erbaut. Sie entstand anstelle der Kirche San Bartolomeo in Turricola
und wurde dem Heiligen Romualdo, dem Gründer der Einsiedelei von
Camaldoli, geweiht. Aufgrund der napoleonischen Requisitionen wurde sie
nicht mehr für religiöse Zwecke genutzt. Heute dient sie den Orchestern
der Stadt als Probenort.

Kirche San Romualdo (1632)
Nach der Schlacht von Ravenna zogen die Kamaldulenser-Mönche von der
Basilika Sant’Apollinare in Classe in die Stadt, wo eine neue Abtei und
eine kleine Kirche zu Ehren des Heiligen Romualdo, dem Gründer des
Ordens, errichtet wurden. Der Grundstein wurde um 1630 gelegt; der
Entwurf stammte vom Ravennaer Architekten Luca Danesi. In der Kirche
waren Werke von Künstlern wie Guercino und Giorgio Vasari ausgestellt,
von denen viele heute in der Kunstgalerie der Stadt aufbewahrt werden.
Nach Napoleons Requisitionen wurde die Kirche ihrer Einrichtung beraubt
und in ein Museum umgewandelt, das später als Gedenkstätte für die im
Krieg und in Gefangenschaft Gefallenen diente. Nach weiteren
Restaurierungen und einer langen Zeit als Museum des Risorgimento ist
sie heute ein Konzertsaal für die Orchester der Stadt.

Die einschiffige Kirche beherbergt einen kunstvollen Altar, der zur
Aufbewahrung der Opfergaben des Heiligen Severus errichtet wurde. Er
wurde von Camillo Morigia entworfen, die Marmorarbeiten stammen von
Giuseppe Toschini und Giuseppe Baroni. Man kann auch Fresken von Giovan
Battista Barbiani bewundern, darunter „Die Verzückung des Heiligen
Romualdo“ in der Chorlünette und „Die Unbefleckte Empfängnis mit den
vier Evangelisten“.

Die Bibliothek von Ravenna (Biblioteca
Classense)
hat das handschriftliche und gedruckte Erbe der Stadt zusammengetragen.
Nachdem Napoleon 1798 die Ordensgemeinschaften und deren Vermögen
aufgelöst hatte, wurde die Classense einige Jahre später zur
Stadtbibliothek. Sie übernahm ihren Namen von der Bibliothek der
Kamaldulenser-Mönche, die aus der Abtei Classe hierher gebracht worden
waren, und bezog auch die Bibliotheksbestände der anderen bedeutenden
Ordensgemeinschaften. Zu den wichtigsten Sammlungen gehörten und
gehören Kodizes, Inkunabeln, wertvolle Druckausgaben, Autographen,
Musikhandschriften, Korrespondenz, Zeichnungen, Holzschnitte,
Kupferstiche und Lithografien.
Zu den später erworbenen Sonderbeständen zählen die Sammlung des
Architekten Camillo Morigia aus dem 18. Jahrhundert, des Erbauers von
Dantes Grabmal, und die „Raccolta Dantesca“, die von dem bibliophilen
Verleger Leo Olschki zusammengetragen wurde – die umfassendste Sammlung
seltener Ausgaben zu Dantes Werk.

Vorhalle (1580): Sie wurde von den Kamaldulensermönchen als monumentale
Vorhalle für den Speisesaal errichtet. Ein Portal an der Innenwand
hinter dem Eingang ist schlicht mit Karyatiden, Quasten und Girlanden
aus Früchten und Blumen verziert. Gegenüber befindet sich der imposante
Eingang zum Speisesaal mit zwei Becken aus rotem Veroneser Marmor, über
denen sich zwei Nischen mit Statuen des Heiligen Benedikt und des
Heiligen Romuald, des in Ravenna geborenen Heiligen und Gründers des
Kamaldulenserordens, befinden. Die reich mit komplexer religiöser
Symbolik verzierten Becken dienten den Mönchen zur rituellen Waschung.
Das Portal im spätmanieristischen Stil mit toskanischem Einfluss
zeichnet sich durch die imposanten, es tragenden Telamonen aus. Darüber
prangt das Wappen der Kamaldulenser mit zwei Tauben, die aus dem
eucharistischen Kelch trinken, bekrönt von einem Stern. Direkt darunter
befindet sich das Wappen von Pietro Bagnoli (16. Jahrhundert), Abt und
Patron des Klosters.
Die Holztür wurde von dem Florentiner Meister Giovanni Vincenzo und dem
aus Ancona stammenden Mario Peruzzi gefertigt. Über der linken Tür
prangt ein weiteres Emblem der Kamaldulenser; auf der rechten Tür das
CLS-Monogramm. Am unteren Rand beider Türen zeigen zwei Tafeln die
biblische Geschichte des Propheten Daniel in der Löwengrube.

Dante-Saal (1580): Der Saal, ursprünglich als Refektorium für die
Mönche erbaut, in dem sie gemeinsam aßen und andere wichtige Momente
ihres Gemeinschaftslebens begingen, beherbergt hölzerne Stühle von
Marco Peruzzi (1580), vor denen die Speisetische standen. Am Eingang
diente eine imposante Kanzel aus dem 18. Jahrhundert als Lektorenpult.
An der gegenüberliegenden Wand hängt Luca Longhis „Die Hochzeit zu
Kana“, an der Decke „Der Traum des Heiligen Romuald“ von Luca und
Francesco Longhi. Beide Werke stammen aus dem Jahr 1580. Der Saal
diente bis 1798 als Refektorium. Nach verschiedenen Nutzungen
etablierte er sich im 20. Jahrhundert als Ort für öffentliche Lesungen
der Göttlichen Komödie und Vorträge über den Dichter. Den offiziellen
Namen „Dante-Saal“ erhielt er 1920, als Benedetto Croce, damals
Bildungsminister, die nationalen Feierlichkeiten zum 600. Todestag
Dantes eröffnete. Seitdem ist der Saal von Dante, oder kurz Dante-Saal,
regelmäßig Schauplatz der Eröffnungsvorlesung des jährlichen
Dante-Festivals (jeweils am zweiten Sonntag im September), der
Classensi-Lesungen, renommierter Dante-Konferenzen und zahlreicher
weiterer kultureller Veranstaltungen. Er dient außerdem als
Repräsentationsbüro der Stadt Ravenna.
Marco Peruzzi, Chorgestühl (um 1580), Holzschnitzerei
Die Wände sind mit Holzchorgestühlen geschmückt, die mit
anthropomorphen Figuren verziert sind. Sie stammen aus dem späten 16.
Jahrhundert und werden Marco Peruzzi zugeschrieben, wurden aber im 20.
Jahrhundert teilweise renoviert.

Luca Longhi, Die Hochzeit zu Kana (1580), Öl auf Aluminiumplatte, 804 x
520 cm
Das Gemälde wurde von Abt Pietro Bagnoli da Bagnacavallo in Auftrag
gegeben, wie die Inschrift unter dem Hals einer der Amphoren im unteren
Bereich belegt. Ursprünglich war es in Öl auf eine Wand gemalt, wurde
jedoch aus konservatorischen Gründen in den 1970er Jahren abgenommen
und auf eine Aluminiumplatte neu montiert. Das Werk erregte bei
Zeitgenossen Bewunderung für die Vielfalt der Posen, die
Charakterisierung der Figuren und die Komposition der Szene. Es zeigt
die Evangeliumsepisode der Verwandlung von Wasser in Wein und bietet
zugleich eine Momentaufnahme der damaligen Gesellschaft mit ihren
Charakteren, Zeremonien, Bräuchen und Traditionen. Kritiker haben
einige Figuren als Porträts von Abt Pietro (dem zweiten sitzenden
Apostel in der Gruppe rechts, beginnend mit Christus), dem Historiker
Girolamo Rossi (rechts stehend, mit weißer Halskrause und schwarzem
Gewand), dem Adligen Pomponio Spreti (dem vierten Apostel rechts), Luca
Longhi selbst (der sitzenden Figur mit dem Hut) und seinen Kindern
Barbara (der Frau im Vordergrund, die sich dem Betrachter zuwendet) und
Francesco (dem dritten Apostel rechts) identifiziert.

Luca und Francesco Longhi, Der Traum des Heiligen Romuald (1580), Fresko
Zwischen Cherubim, Grotesken und Wappen sticht der Traum des Heiligen
Romuald, des Gründervaters des Kamaldulenserordens, im Zentrum hervor.
Er ist schlafend nahe Camaldoli dargestellt, wo er der Überlieferung
nach den ersten Kern des neuen Mönchsordens gegründet haben soll. Der
Überlieferung nach träumte Romuald von einer Himmelsleiter, über der
reinblütige Mönche den Himmel erreichten – ein Vorzeichen für das
heilige Leben der Kamaldulenser und den ihnen zuteilgewordenen
göttlichen Schutz.

Die alte Klosterbibliothek, heute Aula
Magna genannt, wurde von Giuseppe Antonio Soratini entworfen und
zwischen 1707 und 1714 im Auftrag von Abt Pietro Canneti erbaut.
Das elegante Vestibül stammt aus den Jahren 1714–1717 und wurde
zwischen 1777 und 1778 von Camillo Morigia umgestaltet. In der Aula
Magna befinden sich zwei große Globen, ein Erd- und ein Himmelsglobus
(1690–1692), ein Werk von Vincenzo Coronelli. Zwischen 1764 und 1782
entwarf Morigia den Saal der Wissenschaften, den Saal der Künste und
den Saal der Heiligen Väter. Die letzte Bauphase mit dem Anbau von acht
Räumen wurde 1797 abgeschlossen.
Der Zugang erfolgt über eine prachtvolle, barocke Doppeltreppe mit
Stuck, Inschriften, Porträts und Statuen. Sie wurde von Canneti in
Auftrag gegeben und zwischen 1777 und 1778 von dem in Ravenna geborenen
Architekten Camillo Morigia überarbeitet, kurz bevor dieser sich Dantes
Grabmal und der Fassade von Santa Maria in Porto widmete. Über dem
Portal prangt die Inschrift „In studium non in spectaculum“ (Im Studium
nicht im Spektakel).
Dies ist ein gelehrtes Zitat aus Senecas „De tranquilitate animi“ (Über
die Seele). Der Dichter und Philosoph prägte den Ausspruch „non in
studium sed in spectaculum“ (Nicht im Studium, nicht im Spektakel) in
Anspielung auf die Bibliothek von Alexandria, die eher ein Ort der
Prachtentfaltung als des Wissens zu sein schien. Die
Kamaldulenser-Mönche kehrten die Bedeutung um: Der Raum war zum
Studieren da, nicht zur Schau.

Die Sammlungen und Bibliotheken der Classense-Bibliothek bieten eine
große Auswahl an Bänden zu den Naturwissenschaften und der Darstellung
der Landschaft. Diese Auswahl zielt darauf ab, die wissenschaftlichen
und ikonografischen Aspekte zu vereinen und die zentrale Bedeutung des
Bildes hervorzuheben, das zu einem der prägenden Elemente der
Entstehung der modernen Naturwissenschaften wurde. Ab Mitte des 15.
Jahrhunderts zirkulierten dank der Entdeckungen der Humanisten und der
Entwicklung des Buchdrucks botanische Werke von Klassikern wie
Theophrast, Dioskurides und Plinius dem Älteren sowie
landwirtschaftliche Abhandlungen der „Scriptores rei rusticae“ und
zahlreiche Kräuterbücher – botanische Texte mit Illustrationen. Die
Entwicklung der Botanik im 16. Jahrhundert, geprägt durch
Feldbeobachtung, ist in den Werken von Leonhart Fuchs, Pietro Andrea
Mattioli und Ulisse Adrovandi dokumentiert. Landwirtschaftliche
Abhandlungen und die Literatur über das Leben auf dem Land werden durch
die Werke von Pietro de’ Crescenzi, Marco Bussato und Bernardino
Carroli bis hin zu denen von Filippo Re, dem „Fürsten der Agronomen“,
repräsentiert, der den Übergang von der empirischen Praxis zum
wissenschaftlichen Experiment markierte.

Über den beiden Ebenen der Holzregale, über der Galerie, befinden sich
Werke von Antonio Martinetti. Wände und Decken sind mit weißem Stuck
verziert: Sie rahmen die Porträts berühmter Äbte und Mönche ein und
umschließen die Symbole der Akademien vor dem Hintergrund festlicher,
flatternder Cherubim. An den vier Enden, an den Ecken der hölzernen
Galerie, befinden sich die Statuen der vier wichtigsten
Kamaldulenser-Heiligen.
Die Fresken von Francesco Mancini, einem Schüler Carlo Cignanis, wurden
zwischen 1711 und 1713 von Abt Canneti in Auftrag gegeben. Das
Eingangsportal zeigt die Vereinigung der griechischen und lateinischen
Kirche in Anwesenheit von Ambrogio Traversari. Der Kamaldulensermönch,
Nachkomme der Familie Traversari, unterstützte die doktrinäre und
hierarchische Vereinigung der beiden Kirchen auf dem Konzil von Florenz
und fungierte sogar als Dolmetscher, da er Griechisch sprach. Auf der
gegenüberliegenden Seite überreicht der Kamaldulensermönch Gratian
unter den Augen von Papst Gregor IX. das von ihm neu geordnete
Kanonische Buch der Rechtschaffenheit. Schließlich vollendete Mancini
1714 das Deckenfresko: den Triumph der göttlichen Weisheit.
Die Weisheit, vom göttlichen Licht erleuchtet und auf einer von zwei
Cherubim getragenen Wolke schwebend, gebietet Theologie, Philosophie
und den anderen Wissenschaften, die Mächte des Bösen zu besiegen. Die
Ketzerei wird als hässliche alte Frau dargestellt, die ein Buch hält,
aus dem Schlangen entspringen; das Schisma als bestienhafter Mann, der
sich den Kopf aufzureißen scheint; die Unwissenheit ist blind und trägt
eine Augenbinde. Die Mönche waren von diesem Werk begeistert: Sie
stellten Mancini nicht nur Essen und alle benötigten Materialien zur
Verfügung, sondern zahlten ihm auch 100 Scudi mehr als die vertraglich
vereinbarten 500 Scudi. Dies geschah „zur größeren Ehre des heiligen
Franziskus“ und „für sein tugendhaftes Werk“.

Im Frühjahr 2025 öffnete die Aula Magna der Bibliothek von Classe nach
einer langen und sorgfältigen Restaurierung wieder ihre Pforten. Sie
wurde Anfang des 18. Jahrhunderts von Abt Pietro Canneti in Auftrag
gegeben und ist ein erhabenes Denkmal, das dem Wissen und dem
Kamaldulenserorden gewidmet ist und sich der Kultur und ihrer
Verbreitung verschrieben hat. Giambattista Canneti (1659–1730), aus
Cremones, schlug eine kirchliche Laufbahn ein und nahm den Namen Pietro
an. Er wählte das weiße Kamaldulenserhabit. Ab 1704 war er etwa zehn
Jahre lang Abt des Klosters Classe. Er erwarb seltene und kostbare
Handschriften (darunter den Aristophanes aus dem 10. Jahrhundert),
Inkunabeln und eine schier unendliche Anzahl von Werken aus allen
Kulturbereichen. Um all diesen Reichtum unterzubringen, gab er den Bau
der Bibliothek in Auftrag und beauftragte die talentiertesten Künstler,
sowohl Mönche als auch Laien.

Dom von Ravenna (Cattedrale della Risurrezione di Nostro Signore Gesù
Cristo)

Der Dom von Ravenna oder die
Kathedrale der Auferstehung Unseres Herrn Jesus Christus (italienisch
Cattedrale della Resurrezione di Nostro Signore Gesù) ist eine
römisch-katholische Kirche im westlichen Teil der Altstadt von Ravenna
in der Emilia-Romagna, Italien. Die Kathedrale des Erzbistums
Ravenna-Cervia dient auch als Pfarrkirche und trägt den Titel einer
Basilica minor. Der Vorgängerbau des heutigen Doms, die vom Anfang des
5. Jahrhunderts stammende Basilica Ursiana, wurde im 18. Jahrhundert
abgerissen und im barocken und klassizistischen Stil neu errichtet. Der
Dom ist seit der Antike Teil des kirchlichen Komplexes mit
erzbischöflichem Palast, erzbischöflichem Museum, dem Baptisterium der
Kathedrale aus dem 5. Jahrhundert und dem im 10. Jahrhundert
begonnenen, runden Campanile.

Die Metropolitanbasilika in Ravenna wurde 1732 vom Architekten
Buonamici an der Stelle der ehemaligen Basilica Ursiana (5.
Jahrhundert) erbaut und 1744 von Erzbischof Guiccioli geweiht. Die
Basilika hat die Form eines lateinischen Kreuzes. Rechts befindet sich
die Kanzel des Heiligen Agnello (6. Jahrhundert). Der Hauptaltar wurde
1760 errichtet. Die vier Gemälde an den Chorwänden stammen aus dem 19.
Jahrhundert. Von links nach rechts zeigen sie den Heiligen Severus
(Serrangeli), den Heiligen Apollinare (Colignoni), den Heiligen Pier
Crisologo (Benvenuti) und den Heiligen Orso (Camuccini). Die Kuppel
wurde vom Architekten Buonamici erbaut und später vom Architekten
Pistocchi umgestaltet. Der Glockenturm stammt aus dem 9. Jahrhundert.

Die dreischiffige Basilika wurde auf dem Grundriss eines lateinischen
Kreuzes entworfen, ihr Boden wurde gegenüber dem der antiken Basilika
um 3,50 Meter angehoben. Das Mittelschiff ist mit einem Tonnengewölbe
mit Lünetten bedeckt, das auf ein hohes, auf korinthischen Pilastern
ruhendes Gesims aufgesetzt ist, das sich auch im Querschiff und in der
Apsis fortsetzt.
Zentral erhebt sich die klassizistische Vierungskuppel, die durch die
acht Fenster des Tambours und die Laterne beleuchtet wird, die an ihrer
Spitze eine Höhe von 47,40 Metern erreicht. Von einem elliptischen
Grundriss ausgehend ist das Werk Giuseppe Pistocchis mit sechseckigen
Kassetten verziert und durch doppelte Rippen in acht Sektoren
unterteilt.

Die Seitenschiffe sind stattdessen in drei quadratische, mit kleinen
Kuppeln bedeckte Joche unterteilt, die sich mit fünf rechteckigen, mit
Tonnengewölben bedeckten Jochen abwechseln. In das zentrale
Tonnengewölbe des Mittelschiffs sind hohe Stichkappen für die Fenster
hineingeschnitten. Die drei Rundbögen der Säulenreihe zu den
Seitenschiffen ruhen seit der Renovierung 1772 bis 1774 auf je zwei
kostbaren Marmorsäulen aus der antiken Basilica Ursiana. Auf der
Außenseite korrespondieren dazu die Seitenkapellen, die sich mit
ebensolchen Bögen öffnen.

In der tiefen, reich mit Stuckkassetten verzierten Chorapsis erhebt
sich mittig der Hochaltar, den Erzbischof Guiccioli 1760 erbauen ließ.
Er besteht aus kostbaren polychromen Steinen wie antikem grünem
Porphyr, Carraramarmor, orientalischem schwarzem Marmor und
Quittenalabaster und ist mit vergoldeten Bronzen von Bartolomeo Borroni
verziert; in ihm befinden sich die Reliquien der ersten neun Bischöfe
von Ravenna. Das silberne Ziborium von 1512 wurde von den Franzosen
geraubt.
In der Kathedrale befindet sich die 1936 gebaute Orgel von Mascioni
opus 487. Das 1995 von Michelotto restaurierte Instrument ist
elektrisch übertragen und verfügt über 51 Register. Der Klangkörper ist
in zwei einander gegenüberliegende Prospektteile gegliedert, die
jeweils auf den seitlichen Emporen des Chors innerhalb symmetrischer
Kästen stehen; jeder von ihnen hat eine klassizistische
Reliefdekoration und eine Schauseite, die aus 21 Hauptpfeifen mit
horizontal ausgerichteten Schildmündungen besteht. Der unabhängige
Spieltisch befindet sich auf dem Boden rechts neben dem Hochaltar und
verfügt über drei Manuale mit je 61 Tönen und ein konkav-radiales Pedal
mit 32 Tönen; die Register, Verbindungen, Koppeln und Annullierungen
werden durch schwenkbare Platten bedient, die seitlich und oberhalb der
Klaviaturen angebracht sind.

Cappella di San Giuseppe
(Kapelle St. Josef)
Aufsatzbild – Porträt des Heiligen Gregor des Großen, 1600–1649, Öl auf
Leinwand
Altarbild – Madonna mit Kind und den Heiligen Orso und Rinaldo,
1590–1599, Öl auf Leinwand
Vorsatzbild – Der Heilige Josef, 1600–1649, Öl auf Leinwand
links – Bronzekreuz
rechts – Bronzener Tabernakel, Werke des Bildhauers Mario Toffetti, zum
Gedenken an Kardinal Ersilio Tonini
Hölzerner Chor, 1852–1860

Cappella del Santissimo Sacramento
(Kapelle des Allerheiligsten Sakraments)
Guido Reni (Bologna, 1575-1642), Moses sammelte Manna unter den Juden,
Öl auf Leinwand, 310 x 203 cm
Die Ikonographie dieses Altarbildes, das für die Kapelle des
Allerheiligsten Sakraments entworfen wurde, interpretiert die Episode
des Manna in einem christologischen Schlüssel. Im Buch Exodus (16,
1-36) lesen wir: Das Manna, das das Volk Israel in der Wüste ernährte,
war die Gestalt Jesu, das wahre Brot, das vom Himmel herabkam. Es
erinnert an den eucharistischen Hymnus des heiligen Thomas von Aquin,
dessen letzte Verse so bekannt sind: Panis angelicus fit panis hominum;
dat panis caelicus figuris terminum; O res mirabilis: manducat
Dominumpauper, servus et humilis; Das Engelsbrot wird zum Menschenbrot;
Das himmlische Brot beendet alle Vorzeichen. Was für ein Wunder! Der
Herr wird von einem armen und demütigen Knecht gegessen!

Cappella del Santissimo Sacramento
(Kapelle des Allerheiligsten Sakraments)

Filippo Pasquali (Forlì, 1651–1697), Öl auf Leinwand, 295 × 185 cm
Der heilige Petrus sendet den heiligen Apollinaris nach Ravenna, um die
Stadt zum Christentum zu bekehren
Dieses Altarbild zeigt den heiligen Petrus, wie er den heiligen
Apollinaris nach Ravenna sendet. Die Episode ist von der Passio Sancti
Apollenaris inspiriert, in der der Apostelfürst den ersten Bischof von
Ravenna mit folgenden Worten anspricht: „Steh auf und empfange den
Heiligen Geist und das Pontifikat und besuche die Stadt Ravenna, die
eine große Bevölkerung hat. Predige ihnen den Namen Jesu und fürchte
dich nicht. Denn du weißt genau, wer der Sohn Gottes ist, der die Toten
zum Leben erweckt und den Kranken Heilmittel gegeben hat.“

Fragment einer gedrehten Säule aus grünem Serpentinmarmor, an einer
Kette befestigt. Sie wird Santo Sassolo von Sant’Apollinare genannt.
Einer alten Überlieferung zufolge, die mit der Passio Sancti
Apollinaris (6.–7. Jahrhundert n. Chr.) in Verbindung steht, soll sie
mit Blut befleckt sein, da sie zum Schlagen von Sant’Apollinare, dem
ersten Bischof und Schutzpatron von Ravenna (2.–3. Jahrhundert n.
Chr.), verwendet wurde. Santo Sassolo wurde in Ravenna und in der
gesamten Romagna als wundertätiges Objekt verehrt. Die Kette diente
dazu, sie Anfang Mai auf einem Seitenaltar der Kathedrale auszustellen.
Die Reliquie stammt aus der zerstörten Kirche San Pietro in Armentario.

Jean-Baptiste Wicar (Lille, 1762 – Rom, 1834), Öl auf Leinwand, 290 ×
170 cm
Die Herrlichkeit Christi und die Heiligen Antonius von Padua und
Jakobus der Ältere
Das Altarbild, ein Geschenk von Antonio Codronchi aus Imola, Bischof
von Ravenna von 1785 bis 1826, zeigt die Herrlichkeit Christi zwischen
den Heiligen Jakobus dem Älteren und Antonius von Padua. Letzterer
befindet sich rechts und ist leicht an seinem Franziskanerhabit zu
erkennen.

Antonio Rossi (Bologna, 1700–1753), Der heilige Christophorus, Öl auf
Leinwand, 235 × 160 cm
Das Thema dieses Altarbildes ist der heilige Christophorus, dessen
Ikonographie von der in der Legenda aurea überlieferten Tradition
inspiriert ist. Christophorus – dessen Name „Christusträger“ bedeutet –
war Fährmann, als ihn eines Nachts ein Kind bat, ihn über den Fluss zu
tragen. Als sie das andere Ufer erreichten, sagte das Kind, das während
der Überfahrt immer schwerer geworden war, zu Christophorus, er sei
Jesus: „Sei nicht überrascht, Christophorus, denn du hast die ganze
Welt und ihren Schöpfer auf deinen Schultern getragen.“

Giuseppe Milani (Fontanellato, 1716? - Cesena, 1798)
Die Heiligen Petrus Chrysologus, Romuald und Petrus Damianus, Öl auf
Leinwand, 300 x 183 cm
Dieses Ölgemälde auf Leinwand zeigt ein heiliges Gespräch zwischen drei
Heiligen der Kirche von Ravenna. Im Hintergrund ist der heilige Petrus
Chrysologus, Bischof von Ravenna (426–450) und Kirchenlehrer, dem der
Altar geweiht ist, in feierlicher liturgischer Kleidung mit Mitra,
Pallium und Bischofsstab, den bischöflichen Insignien, dargestellt.
Links kniet der heilige Romuald, Gründer des Kamaldulenserordens, zu
seinen Füßen, während rechts der heilige Petrus Damianus, ein
Kamaldulensermönch, der wie Romuald aus Ravenna stammt, zu sehen ist.

Cappella della Madonna del Sudore

Unbekannter Künstler, 14. Jahrhundert, Bemalte Tafel, 35 x 23 cm
Unsere Liebe Frau vom Schweiß
Diese kleine bemalte Tafel, die die gekrönte Jungfrau mit dem Jesuskind
im Arm zeigt, wird in der Kirche von Ravenna hoch verehrt. Ihr zu Ehren
wurde 1630 beschlossen, in der Kathedrale eine ihr geweihte Kapelle zu
errichten. Der Name dieser Ikone geht auf eine sakrilegische
Begebenheit zurück. Als ein Soldat eine Taverne verließ, sah er das
Bild der Jungfrau Maria und schlug verächtlich mit einem Messer darauf
ein. Bei dieser Gelegenheit soll das heilige Bild Blut geschwitzt haben.


Cesare Pronti (Cattolica, 1626 – Ravenna, 1708), Das Martyrium des Hl.
Ursicinus, Öl auf Leinwand, 250 x 105 cm
Die Hagiographie des Hl. Ursicinus ist eng mit der des Märtyrers Vitale
verwandt. Ursicinus, der Überlieferung nach ein ligurischer Arzt, soll
in Ravenna gefoltert und vor seiner Enthauptung vom Hl. Vitale
getröstet worden sein. Er wird seit Jahrhunderten innig verehrt, und
seine Reliquien werden im Hauptaltar der Kathedrale aufbewahrt.
In der Basilika San Apollinare Nuovo ist er sowohl in der
Heiligenfolge, der Vitale, Gervasius und Protasius vorangehen, als auch
auf einem der bemalten Medaillons im Mittelschiff dargestellt.

Giuseppe Collignon (Castelnuovo Berardenga – Siena, 1778 – Florenz,
1863)
Der heilige Apollinaris lässt den Apollontempel einstürzen, Öl auf
Leinwand, ca. 450 × 300 cm
Der heilige Apollinaris war der erste Bischof von Ravenna und lebte im
2. Jahrhundert n. Chr. Sein Martyrium wird auf das Jahr 180 datiert.
Das Altarbild zeigt den Heiligen, wie er unter Gebet die Apollonstatue
zerstört. In der Passio Sancti Apollenaris lesen wir, dass der heilige
Apollinaris, als er zum Tempel kam und die Statue des Apollon sah, die
Anwesenden fragte: „Ist dies die Gottheit, an die ihr euch für
Weissagungen wendet?“ Sie antworteten: „Ja, er ist der erste der Götter
und der Beschützer der Stadt.“ Der heilige Apollinaris sagte: „Möge er
niemals eine richtige Prophezeiung einlösen! Vielmehr wird, sobald er
zerstört ist, der Herr Jesus Christus, der wahre Gott ist, der
Beschützer der Christen sein, die an diesem Ort leben.“

Chiesa di Santa Maria del Suffragio und Banca Nazionale Del Lavoro an
der Piazza del Popolo

Chiesa di Santa Maria del Suffragio (Heilige Maria vom Leiden),
1701–1714
Die Kirche wurde Anfang des 18. Jahrhunderts für die Bruderschaft der
Beata Vergine dei Suffragi erbaut. Sie ist ein Werk von Francesco
Fontana (1668–1708), dem Sohn Carlo Fontanas, und im reinen Barockstil
gehalten. Der achteckige Grundriss zeugt von der Schönheit der
Frauenbewegung, und an jeder Seite befinden sich Kapellen. Die
zweigeteilte Fassade ist mit Statuen und Basreliefs der Ravennatier
Bildhauer Celio und Giovanni Toschini (17.–18. Jahrhundert) verziert.
Im Inneren befinden sich wertvolle Gemälde von Andrea Barbiani
(1708–1779).

Santa Maria del Suffragio ist eine spätbarocke, römisch-katholische
Kirche in der Via Serafino Ferruzzi in Ravenna, Emilia-Romagna,
Italien. Die Kirche wurde von Francesco Fontana, dem Sohn Carlo
Fontanas, entworfen und zwischen 1701 und 1728 erbaut. Auftraggeber war
die Bruderschaft der Suffragi (Beata Vergine dei Suffragi). Der
Grundriss ist achteckig. Die acht Stuckstatuen im Inneren stammen von
Antonio Martinetti. Der Hauptaltar wurde von Andrea Barbiani
geschaffen. Die Statuen und Basreliefs der Fassade wurden von Celio und
Giovanni Toschini gestaltet.

Die Basilica di San Giovanni Evangelista in der italienischen Stadt
Ravenna an der Adria ist eine Basilika aus dem 5. Jahrhundert mit einem
viereckigen, 42 Meter hohen Westturm aus dem 10. Jahrhundert. Die
Kirche befindet sich in der Nähe des Bahnhofs. Vor dem Gebäude befindet
sich ein viereckiger Vorplatz mit einem Marmorportal aus dem 14.
Jahrhundert, dessen Lünette die Erscheinung des Heiligen Johannes vor
Galla Placidia darstellt.

Der Eingang erfolgt durch ein gotisches Marmorportal aus dem 14.
Jahrhundert, das in ein rekonstruiertes Backstein-Atrium führt. Die
Westfassade ziert eine sehr hohe, gewölbte Vorhalle, die nach dem
Zweiten Weltkrieg vollständig wiederaufgebaut wurde. Der quadratische
Glockenturm (10. bis 14. Jahrhundert) ist 42 Meter hoch und beherbergt
zwei Glocken aus dem Jahr 1208.
Der geräumige, helle Innenraum besteht aus einem Mittelschiff,
Seitenschiffen und einer Apsis im Osten. Der Großteil des Gebäudes
wurde nach den Bombenschäden von 1994 rekonstruiert, doch viele der
Säulen und ihre byzantinischen Kapitelle sind original erhalten. Der
Fußboden liegt heute etwa 1,5 Meter über seinem ursprünglichen Niveau;
er wurde im Laufe der Jahrhunderte immer wieder angehoben, um ihn vor
dem steigenden Wasser des sumpfigen Geländes zu schützen.
Die Apsis ist innen rund und außen polygonal und mit einer
ungewöhnlichen Reihe von sieben Fenstern versehen. Drei weitere
Öffnungen unterhalb der Fenster sind heute verschlossen; die Forschung
ist sich über den Zeitpunkt uneins, einige vermuten jedoch, dass dies
bereits im 5. Jahrhundert geschah. Leider sind einige sehr wertvolle
Mosaiken, die einst die Apsis schmückten, im Zuge von „Renovierungen“
im 16. Jahrhundert vollständig verloren gegangen. Darunter befanden
sich Porträts der meisten Mitglieder der kaiserlichen Familie
Theodosius’ sowie zwei Darstellungen des Evangelisten Johannes, der
Galla Placidia vor dem Sturm auf See rettet.

In einer Kapelle im linken Seitenschiff sind noch Fragmente
wunderschöner Fresken aus dem 14. Jahrhundert im Gewölbe erhalten, die
die Evangelisten mit ihren Symbolen und vier Kirchenlehrer (Hieronymus,
Ambrosius, Augustinus und Gregor) darstellen. Einige Gelehrte haben die
Fresken Giotto zugeschrieben, dessen Stil sie zweifellos widerspiegeln,
doch wahrscheinlicher ist, dass sie von Giovanni Baronzio da Rimini
gemalt wurden.

Die stillende Madonna. Ikone der venezianisch-slawischen Schule. Zweite
Hälfte des 15. Jahrhunderts.

Die dreischiffige Basilika ist innen 49 Meter mal 22 Meter groß. Die
beiden Seitenschiffe sind vom Hauptschiff durch zwei aus jeweils zwölf
Säulen bestehende Säulenreihen abgegrenzt. Die Säulen liegen im Bereich
des Chors bedeutend tiefer, wodurch das ursprüngliche Niveau des
Fußbodens deutlich wird, der tiefer lag. Weil der ursprüngliche
Fußboden sich auf einem tieferen Niveau befand, hat man sich den
Originalbau der Basilika – wie auch bei den übrigen alten Bauwerken
Ravennas – etwas höher und schlanker vorzustellen, als er heute
erscheint. Die Säulen aus grauem Marmor (Bigio antico) haben römische
Kapitelle, denen die Original-Natursteinquader lagern, die als die
ältesten Ravennas gelten.

CAPPELLA DEL SANTISSIMO SACRAMENTO (KAPELLE DES HEILIGEN SAKRAMENTS)

Eine beträchtliche Anzahl von Mosaiken aus der Kirche ist jedoch
erhalten geblieben, und zwar aus dem 1213 unter Abt Guglielmo
hinzugefügten Bodenbelag. Die naiven Mosaiken, die heute in Segmenten
gerahmt und an den Seitenwänden angebracht sind, zeigen eine Reihe
faszinierender Motive, darunter Fabelwesen, Szenen aus
mittelalterlichen Romanen (wie etwa die Beerdigung eines Fuchses) und
vor allem Szenen aus dem Vierten Kreuzzug (1204), darunter die
Eroberung von Zara und Konstantinopel.

Die Basilika Santa Maria in Porto (Basilica di Santa Maria in Porto)
war eine bedeutende Kirche in Ravenna, unweit der Porta Nuova an der
Via Roma, der Nord-Süd-Hauptstraße durch die historische Altstadt. Sie
beherbergt die griechische Madonna.
Das Gebäude, dem eine 1783 fertiggestellte Treppe vorgelagert ist,
überblickt einen großen, rechteckigen, mit Blumenbeeten geschmückten
Platz und bietet von der Via Cerchio aus einen der faszinierendsten
Ausblicke auf die Stadt.

Die Basilika Santa Maria in Porto, erbaut zwischen 1554 und 1557 nach
einem Entwurf von Bernardino Tavella als neuer Standort der Kirche
Santa Maria in Porto Fuori, befindet sich im ersten Abschnitt der Via
di Roma, nur wenige Schritte vom MAR – Kunstmuseum Ravenna entfernt.
Die Basilika wurde teilweise aus dem Material der zerstörten Kirche San
Lorenzo in Cesarea errichtet und um 1780 von Camillo Morigia
(1743–1795) fertiggestellt, der der vorherigen Barockfassade eine
neoklassizistische hinzufügte. Der feierliche und prachtvolle Innenraum
hat einen lateinischen Kreuzgrundriss und ist durch Säulen aus
istrischem Stein in drei Schiffe unterteilt.

Im Zentrum der Apsis, zwischen zwei großen rechteckigen Fenstern,
können Sie den Verkündigungsaltar von Giovanni Laurentini aus Rimini
bewundern.

An den Seitenwänden befinden sich zwölf symmetrische Kapellen – sechs
auf jeder Seite –, die mit Marmor und kostbaren Ornamenten verziert
sind und eine wahre Kunstgalerie mit Gemälden aus dem späten 16. und
dem 17. Jahrhundert beherbergen. Es gibt Werke von Ippolito Scarsella,
Cesare Corte, Palma il Giovane, Francesco Longhi, Giovanni Barbiani,
Giovanni Battista Barbiani sowie ein Werk von Andrea Barbiani aus dem
18. Jahrhundert.

Nahe dem Altar befindet sich das Querschiff, bestehend aus einem
quadratischen Seitenschiff mit einer hohen Kuppel und einer halbrunden
Apsis, die von einer Marmorbalustrade begrenzt wird. Der Altar, aus dem
Jahr 1710, ist aus Marmor gefertigt und beherbergt einen prächtigen
Ziborium aus polychromem Marmor, dessen Bau 1633 von Giuseppe Vivoli
begonnen und in den folgenden Jahren von Ascanio Mula vollendet wurde.
Am unteren Ende des Querschiffs, auf der linken Seite, befindet sich
die griechische Jungfrau, ein Marmor-Basrelief aus dem 9. Jahrhundert,
das aus dem Osten stammt und eine betende Jungfrau Maria in einem
Mantel darstellt.

Die Basilika wurde im 16. Jahrhundert nach den Plänen Bernardino
Tavellas für die Lateran-Chorherren erbaut. Die Fassade aus istrischem
Stein wurde in der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts nach den Plänen
Camillo Morigias (1743–1795) im neoklassizistischen Stil umgestaltet.
Das Innere ist in drei Schiffe mit einem Querschiff unterteilt, das von
einer hohen Kuppel bekrönt wird. Die „Griechische Madonna“, ein
Marmorrelief aus dem 11. und 12. Jahrhundert, das eine betende Jungfrau
Maria darstellt, wird verehrt. Der Legende nach gelangte sie im Jahr
1100 auf wundersame Weise von Konstantinopel nach Ravenna.

Der heilige Johannes Paul II.
Karol Józef Wojtyła wurde am 18. Mai 1920 in Wadowice (Polen) geboren.
Am 16. Oktober 1978 wurde er unter dem Namen Johannes Paul II. zum
Papst gewählt und war der 264. Papst der katholischen Kirche. Die
Stärke seines Glaubens und sein diplomatisches Engagement trugen
maßgeblich zum Zusammenbruch des Kommunismus in Osteuropa bei. Er
verfasste 14 Enzykliken, mehrere Hirtenbriefe und zahlreiche Bücher,
darunter den „Katechismus der Katholischen Kirche“, und unternahm 104
Apostolische Reisen in alle Welt. Er stiftete den Weltjugendtag, das
Fest der Göttlichen Barmherzigkeit und die leuchtenden Geheimnisse des
Heiligen Rosenkranzes. Er setzte sich leidenschaftlich für die Familie
und das Leben von der Empfängnis bis zum natürlichen Tod ein. Am 13.
Mai 1981 wurde Papst Johannes Paul II. auf dem Petersplatz angeschossen
und verletzt. Anschließend traf er sich mit seinem Angreifer und
begnadigte ihn. Papst Johannes Paul II. starb am 2. April 2005 und
wurde am 27. April 2014 heiliggesprochen. Sein Gedenktag ist der 22.
Oktober, der Jahrestag seiner Amtseinführung im Jahr 1978.

Die Porta Nuova gilt als eines
der schönsten Stadttore Ravennas. Sie befindet sich im Süden der Stadt,
am Ende der Via di Roma und am Anfang der Straße nach Rimini, der
heutigen Via Cesarea. Sie wurde 1580, anlässlich der Einweihung einer
neuen Holzbrücke über den Fluss Ronco erbaut, der parallel zur
Stadtmauer verlief.
Das Tor ist mit kostbarem Marmor verziert, und der Torbogen wird von
zwei Säulen aus grauem Granit mit korinthischen Kapitellen eingefasst,
die ein Marmorgesims tragen. Über dem Attikageschoss, flankiert von
zwei Füllhörnern, befindet sich das Wappen von Papst Innozenz X. mit
einer Taube, die einen Olivenzweig im Schnabel trägt – dem Symbol des
Friedens. Auf der Taube sind drei Lilien abgebildet, die von Balken
gekreuzt werden.

Porta Sisi: Einst hieß sie Ursicina oder Sisina, benannt nach einem
frühen Märtyrer, und diente zusammen mit der Porta Adriana als
mahnender Eingang für Pilger und Bischöfe. 1568 erhob man sie neu, mit
zwei Granitsäulen in dorischem Stil und einem schmiedeeisernen Gitter
mit dem Reiter San Vitale obendrauf

Das Stadttor Porta San Mamante (oder San Mama) liegt südlich der Stadt
zwischen der Via Baccarini, der Via Bastioni und der Via San Mama, in
der Nähe des benachbarten Stadttors Porta Sisi. Ursprünglich waren
diese beiden Stadteingänge nur durch den Fluss Padenna getrennt, der
vom Stadtzentrum durch diesen Abschnitt der Stadtmauer floss. Obwohl
einige Quellen bestätigen, dass es eines der ältesten Tore Ravennas
ist, wurde es höchstwahrscheinlich um das 11. Jahrhundert erbaut, da es
im Nationalstatut als „neu“ erwähnt wird.
Das heutige Aussehen des Tores geht auf ein Projekt zurück, das 1613
von Kardinallegat Domenico Rivarola initiiert wurde. Dies belegt die
Inschrift auf der Gedenktafel im Dachgeschoss über dem Bogen, die von
zwei aufgerichteten Löwen getragen wird: „S. P. Q. RAV. Portam hanc
Prisca potentiae monumentum temporis iniuria collapsam hostiumque
incursionibus devastam erigi aperiri MDCXIII.“ Das heutige Bauwerk aus
Ziegeln und istrischem Stein besteht aus zwei Säulen mit toskanischen
Kapitellen auf einem Sockel, der einen massiven Architrav trägt.

Osteria dalla Zabariona in der Via Giuliano Argentario

Porta Adriana: Bekanntes Stadttor mit Bogenöffnung, das seine Ursprünge
im Mittelalter hat und im 16. Jahrhundert erneuert und ausgebaut wurde.
Die Porta Adriana, auch bekannt als Porta Aurea Nova (oder Porta
Cavour, wie sie von den Einwohnern Ravennas genannt wird), liegt in
unmittelbarer Nähe der Altstadt, zwischen der Via Cavour und der Via
Maggiore.
Sie wurde vermutlich im 10. Jahrhundert n. Chr. am rechten Ufer des
Montone, einem Nebenfluss der Padenna, erbaut, als dieser noch nahe an
der Altstadt vorbeifloss. 1545 wurde das monumentale Stadttor aus
militärischen Gründen vom Kardinallegaten Capoferro verlegt und neu
errichtet. Einige Jahrzehnte später (1583) gestaltete Kardinallegat
Guido Ferreri sie um und verzierte sie mit Marmor und Paterae der Porta
Aurea, die Kaiser Claudius 42 n. Chr. erbauen und im selben Jahr
abgerissen hatte. Daher rührt der Name Porta Aurea Nova, der noch heute
auf dem Giebel zu sehen ist.
Zwei Flachreliefs mit Darstellungen von Pinien, dem Symbol der Stadt,
wurden an den Sockeln der Seitensäulen angebracht. Die beiden Löwen
wurden ebenfalls restauriert, und beidseitig des Torbogens, zwischen
den Säulenbasen, wurden zwei Gänge angelegt. Beidseitig des Tores ist
noch immer ein Teil der gemauerten Stadtmauer mit einem dekorativen
Bord aus weißem und rotem Veroneser Kalkstein zu sehen. 1904 wurden
alle Gesimse und Seitensäulen in Zement neu errichtet, und die Paterae
wurden entfernt.

Piazza del Popolo - Lebhafter, von historischen Gebäuden gesäumter
Platz mit Cafés und Steinsäulen aus dem 15. Jahrhundert. Mit einer
Turmuhr ausgestattet ist der Palazzo della Torre dell’Orologio
(wörtlich: Palast des Uhrturms), der ehemalige Hauptsitz der Banca
Nazionale del Lavoro, entworfen vom Architekten Camillo Morigia und
durch einen großen Bogen mit der Präfektur verbunden
Die Piazza del Popolo ist das pulsierende Herz Ravennas. Seit über
sieben Jahrhunderten beherbergt sie die Machtzentren (das Rathaus und
das Präfekturgebäude, einst Sitz der päpstlichen Gesandtschaft) und ist
ein beliebter Treffpunkt für alle Bürger. Die Ursprünge des Platzes
reichen bis in die zweite Hälfte des 13. Jahrhunderts zurück, als die
Familie Da Polenta die Stadt beherrschte. Die heutigen Abmessungen des
Platzes wurden in den Jahren 1470/80 mit der Herrschaft der Venezianer
über Ravenna festgelegt. Was ursprünglich eine einfache Verbreiterung
entlang des Ufers der Padenna war, wurde erweitert und gab dem Platz so
sein heutiges Aussehen.

Prefettura di Ravenna im Palazzo Apostolico - Das alte Rathaus von
Bernardino da Polenta wurde anlässlich der Ankunft des ersten
venezianischen Podestà, Vittore Delfino, wiederaufgebaut und später mit
Wappen, einem steinernen Balkon und Terrakotta-Zierelementen in den
Bögen verziert.

Monumento a Giuseppe Garibaldi
Giuseppe Garibaldi (* 4. Juli 1807 in Nizza; † 2. Juni 1882 auf
Caprera) war ein italienischer Freiheitskämpfer und einer der
populärsten Protagonisten des Risorgimento, der italienischen
Einigungsbewegung zwischen 1820 und 1870.

Das Dante-Grabmal ist eine Gedenkstätte in der architektonischen
Gestalt eines Tempelchens, das den Sarkophag mit den Überresten der
mutmaßlichen Gebeine des Dichters Dante Alighieri enthält. Es steht an
der Außenmauer des Kreuzgangs der ehemaligen Klosterkirche San
Francesco in der Stadt Ravenna in Italien.

Es wurde vollständig an der Stelle eines Vorgängerbaus errichtet, der
sich auf dem überdachten Flussbett der Padenna befand, wo einst die
„Loggia dei mercanti“ (Kaufmannsloggia) stand. Der Baumeister war
Pietro Grossi, weitere Arbeiten wurden jedoch 1765 von Dionigi
Monaldini und 1857/58 von Elbino Riccardi ausgeführt, dem wir die
Fensterdekorationen und Zinnen verdanken. Im Inneren befinden sich
Werke von Giacomo Bellabarba, Giulio Garavini und Gaetano Savini.
Letzterer schuf auch die Fresken des äußeren Bogengangs.

Palazzo del Comune di Ravenna, 1681
Das Rathaus von Ravenna besteht aus zwei über Eck miteinander
verbundenen Gebäudeteilen, dem Palazzetto Veneziano und dem Palazzo del
Comune (auch als Palazzo Merlato bekannt). Der erste Palast wurde von
den Venezianern wenige Jahre nach Eroberung der Stadt als Sitz ihrer
Gouverneure erbaut. Nachdem ein damals noch dort vorbeiführender Fluss
(Padenna) versiegte, wurde zwischen dem 17. und 18. Jahrhundert der
zweite Gebäudeteil errichtet. Das Rathaus und das gegenüber stehende
Bankgebäude sind die prominentesten Bauten an der zentralen Piazza del
Popolo.
Sankt Apollinaris (links) und Sankt Vitalis auf venezianischen Säulen,
auf der Piazza del Popolo

Öffentliche Uhr, 1783
Die beiden miteinander verbundenen Kirchen San Sebastiano und San Marco
wurden im 15. Jahrhundert von den Venezianern zu einem einzigen Gebäude
zusammengelegt, das gleichzeitig als öffentliche Uhr dienen sollte.
Zwischen 1783 und 1785 renovierte Camillo Morigia (1743–1795) die
Fassade und brachte die Uhr an der dem Platz zugewandten Seite des
Turms an. 1789 wurden Uhrwerk und Zifferblatt von Cristino Fornacini
aus Bologna erneuert. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts erfuhr das Gebäude
weitere Veränderungen.

Mercato Coperto, 1919-1922 - Meeresfrüchte- und -Fleischgerichte sowie
Craftbier in einem Restaurant mit entspannter Atmosphäre in einer
stilvollen Markthalle.

Das Gebäude steht an einem Ort, der seit dem 5. Jahrhundert als
Handelszentrum bekannt ist; hier befand sich auch eine der ältesten
Fischergesellschaften, die im 10. Jahrhundert gegründete „Schola
Piscatorum“. Der heutige Bau entstand nach den Plänen von Eugenio
Baroncelli und Tobia Gordini, nachdem 1915 die sogenannte „Esedra
Vignuzzi“ abgerissen worden war. Die Architektur ist klassisch
gehalten, die Fassade besteht aus Sichtziegeln, der Innenraum ist
vierachsig, und das Dach mit seinen großen Oberlichtern wird von einer
Metallfachwerkkonstruktion getragen, die von imposanten gusseisernen
Säulen gestützt wird. Es wurde von 1981 bis 1983 von der
Stadtverwaltung restauriert.

Chiesa di Santa Maria Maggiore,
6. Jahrhundert, Rekonstruktion von 1671
Die heutige Kirche wurde 1671 nach einem Entwurf von Pietro Grossi auf
den Überresten eines frühchristlichen Bauwerks, das von Ecclesius,
Bischof von Ravenna (522–533), in Auftrag gegeben worden war,
vollständig neu errichtet. Das alte Gebäude besaß drei Schiffe, die von
sechzehn Marmorsäulen getragen wurden; der Neubau behält den
basilikaartigen Grundriss mit wiederverwendeten Originalsäulen und
Kapitellen bei. In der Antike war die Apsis mit Mosaiken geschmückt;
die heutige ist im Barockstil gehalten. Der zylindrische Glockenturm
stammt aus dem 9./10. Jahrhundert. Im Inneren befinden sich wertvolle
Gemälde und Skulpturen der Spätrenaissance sowie das Grabmal des
Ravennaer Architekten Camillo Morigia (1743–1795).

Das Innere der Kirche ist durch zwei Reihen von Rundbögen in drei
Schiffe unterteilt. Diese werden von Säulen getragen, die von
korinthischen Säulen der ursprünglichen frühchristlichen Kirche
flankiert werden. Die Säulen wurden 1671 von Architekt Pietro Grossi
renoviert.

Die Apsis ist noch die ursprüngliche, obwohl sie ihre ursprünglichen
Merkmale, darunter das Mosaik mit der sitzenden Madonna mit Kind,
vollständig verloren hat. Unter dem Apsisbogen befindet sich der
polychrome Marmorhochaltar mit einer weißen Marmorstatue der Madonna
mit Kind aus dem 17. Jahrhundert.

Die Kirche ist auch unter dem Namen „Santa Maria dei Tumori“ (Heilige
Maria von Tumoren) bekannt, da ihr ein Altar gewidmet ist.
Unsere Liebe Frau von den Tumoren oder „der Schwellungen“
In der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde die alte Basilika
Santa Maria Maggiore wiederaufgebaut, und das Fresko, das sich zuvor an
der Südwand nahe dem Haupteingang befand, wurde auf diesem Seitenaltar
angebracht. Das Bild wurde jahrhundertelang unter dem Namen „Sancta
Maria a tumoribus“, Unsere Liebe Frau von den Tumoren, verehrt. Ein
weiterer Name war „Unsere Liebe Frau der Schwellungen“, der sich auf
die Schwellungen im Gesicht oder an anderen Körperteilen bezog, die
häufig bei unheilbaren Krankheiten auftreten.

Mausoleo di Galla Placidia (Mausoleum der Galla Placidia) - Kapelle aus
dem 5. Jahrhundert in Form eines lateinischen Kreuzes mit bunten
römischen Mosaiken.
Berühmt ist es vor allem – wie die anderen byzantinischen Kirchen und
Bauten Ravennas – durch die Wandmosaiken im Innern. Sie sind
ausgezeichnet erhalten und stellen die ältesten Mosaiken Ravennas dar.
Mit den anderen byzantinischen Bauten in Ravenna gehört das Mausoleum
der Galla Placidia seit 1996 zum UNESCO-Welterbe.
Mosaik rechter Hand bei Betreten

Galla Placidia ließ das Gebäude als ihren persönlichen Schrein
errichten, doch da sie in Rom starb, fanden ihre sterblichen Überreste
vermutlich nie ihre letzte Ruhestätte in Ravenna. Das Mausoleum gilt
dank seiner beeindruckenden Verbindung von Mosaikdekoration und
Architektur als eines der außergewöhnlichsten Denkmäler der Spätantike.
Die Schlichtheit und Strenge der Außenfassaden stehen in starkem
Kontrast zum Reichtum des Inneren. Die Mosaikdekoration wurde zwischen
425 und 450 n. Chr. fertiggestellt, und das Mausoleum zeichnet sich
unter den Monumenten Ravennas durch seine feierliche Symbolik und seine
höchste künstlerische Qualität aus. Die Dekoration bedeckt
ununterbrochen den oberen Teil des Gebäudes mit Gewölben, Bögen,
Kuppeln und Lünetten und offenbart die enge Verbindung zwischen
Architektur und Mosaik.
Mosaik mit dem Hl. Laurentius gegenüber bei Betreten

Der Tradition gemäß wurde das Mausoleum als Grabstätte der Kaiserin
Galla Placidia, der Tochter von Kaiser Theodosius dem Großen von dieser
selbst zwischen den Jahren 425 und 430 erbaut. Die Kaiserin starb im
Jahre 450 in Rom und es ist eher unwahrscheinlich, dass sie in dem
Mausoleum beigesetzt wurde.
In der Kuppel ist ein goldenes, von Sternen
umgebenes Kreuz auf blauem Grund dargestellt; an den vier Ecken sind
die Symbole der vier lebenden Wesen der Apokalypse abgebildet, während
in den darunter liegenden Lünetten zwei Apostel und zwei Tauben, die
aus einer Schale trinken, zu sehen sind. Entlang der Wände sind
trinkende Hirsche und Weinreben dargestellt. Weitere bemerkenswerte
Mosaiken sind die blaue Wiese mit stilisierten Blumen im Gewölbe am
Eingang und der Gute Hirte mit einer Darstellung des bartlosen Christus
in einer Lünette. Die Ikonographie symbolisiert, dass das Heil – erhöht
im Kreuz, dem Symbol Christi – durch Christus und durch Opfer (das
Martyrium des Heiligen Laurentius und das Wirken der Apostel) erlangt
werden kann.

Die Decke stellt ein tiefblaues Himmelsgewölbe geziert mit
weiß-goldenen Sternen dar. Die Sterne in den Tonnengewölben gelten
aufgrund ihrer besonderen Gestaltung als die schönsten
Sternendarstellungen der Spätantike. Zu sehen sind ferner die Symbole
der vier Evangelisten, acht in der Literatur in der Regel als Apostel
angesprochene Figuren (darunter Petrus und Paulus), sowie ein
jugendlicher bartloser Jesus in der Eingangslünette, der als guter Hirt
seine Schafe weidet und eines liebevoll streichelt, während er
gleichzeitig ein goldenes Kreuz hält, als Zeichen der Hoffnung und
Symbol für die Überwindung des Todes. Christus wird in dieser
Darstellung in der Literatur als „thronender Imperator“ beschrieben (er
hält das Kreuz wie ein Zepter; sein Pallium ist purpurn, was die Farbe
der Kaiser war). Tauben und Hirsche laben sich an frischem Wasser, die
Farben der Darstellung reichen von Blautönen über Gelb und Ocker zu
Dunkel- und Hellgrün. Auffallend ist die Flächigkeit der Darstellung:
die Schafe sind quasi „gestapelt“, es gibt keine Überschneidungen.
Mosaik in der Eingangslünette. Der Gute Hirte. Zwischen 424 und 450
entstanden.

Basilica di San Vitale - Für ihre kunstvollen, farbenfrohen
byzantinischen Mosaiken bekannte Kirche in oktogonalem Gebäude mit
Kuppel.
Karl der Große ließ sich von der Basilika San Vitale inspirieren, als
er beschloss, die Pfalzkapelle in Aachen zu errichten, ein Symbol der
Macht des Heiligen Römischen Reiches. San Vitale, erbaut zwischen 525
und 547 n. Chr., ist ein außergewöhnliches Bauwerk, das mit dem
traditionellen dreischiffigen Grundriss der Ravennaer Basilika bricht
und ein Meisterwerk byzantinischer Architektur darstellt. Hier
verschmelzen Elemente östlicher Kunst mit westlicher Erfahrung, und
Architektur und Mosaikdekoration gehen untrennbar miteinander ein. Das
achteckige Bauwerk wird von einer aufsteigenden Kuppel bekrönt, die auf
acht Pilastern mit Exedren ruht. Östliche Einflüsse finden sich in den
Matronea, Pastroforia, Säulen, Kapitellen und Kämpferkapitellen,
westliche Einflüsse im zangenförmigen Narthex, den Treppentürmen, dem
Tambour und der Bautechnik der Kuppel, die in Tonröhren ausgeführt ist.
Der Innenraum zeichnet sich durch eine ausgeprägte Vertikalität und
einen Mosaikschmuck aus, der den Raum durch das einfallende Licht
optisch vergrößert. Die ikonografische Darstellung konzentriert sich
auf zwei Hauptthemen: die Heilige Kommunion mit der Darstellung des
Mystischen Lammes, Szenen aus dem Alten Testament und Opfergaben sowie
die Erlösung des Menschen mit den Figuren der Propheten, Apostel und
Evangelisten. Auch die beiden Kaiserbilder mit Theodora und Justinian
und ihrem Hofstaat gehören zum ikonografischen Ensemble.

Die Basilika San Vitale, die seit 1996 zum UNESCO-Weltkulturerbe
gehört, ist eines der größten Meisterwerke der frühchristlichen und
byzantinischen Kunst in Italien. Wir befinden uns im Herzen von
Ravenna, nur wenige Meter vom Mausoleum von Galla Placidia mit seinen
Mosaiken zu Ehren der Schwester des römischen Kaisers Flavius Honorius
entfernt.
Die Basilika, die in nur wenigen Jahren zwischen 532 und 547 auf
Veranlassung von Bischof Ecclesius erbaut wurde, besticht schon von
weitem durch ihre besondere geometrische Form und die perfekte Mischung
aus römischen Architekturelementen, wie der Kuppel und den beiden
Türmen, und byzantinischen Elementen, wie den eleganten Kapitellen und
dem Sichtmauerwerk.
Es ist jedoch das Innere mit den prachtvollen Mosaiken der Apsis und
dem imposanten zentralen Gewölbe mit seinen Fresken aus dem 17.
Jahrhundert, das die Besucher vor allem begeistert. Auf dem Boden vor
dem Altar, im Bereich des Presbyteriums, sticht hingegen ein
kreisförmiges, in Marmor gestaltetes Labyrinth hervor, das in einer
Muschelform seinen Anfang nimmt und die Pilgerfahrt der Seelen ins
Heilige Land symbolisiert.

Die Basilica San Vitale in Ravenna zählt zu den bedeutendsten
Kirchenbauten der spätantik-frühbyzantinischen Zeit. In ihr verbinden
sich Architekturformen aus dem Oströmischen Reich mit für das damalige
Italien typischen Bautechniken.
Die Basilika entstand in einer Zeit des Umbruchs, als der oströmische
Kaiser Justinian I. Krieg gegen das ostgotische Königreich in Italien
führte. Berühmt ist die als Zentralbau errichtete Kirche vor allem für
ihre Mosaikausstattung im Innern, insbesondere die Porträts von
Justinian und seiner Frau Theodora. Mit den anderen frühen
Kirchenbauten in Ravenna gehört San Vitale seit 1996 zum
UNESCO-Welterbe. 1960 erhielt sie durch Papst Johannes XXIII. den
Ehrentitel Basilica minor.

Bekannt ist San Vitale, wie viele der spätantiken Monumente Ravennas,
für seine reiche Mosaikausstattung. Diese teilt sich in Wand- und
Bodenmosaiken auf. Letztere breiteten sich ursprünglich als
verschiedenartige ornamentale und florale Muster über den gesamten
Kirchenraum aus und sind eher in matten Erdtönen gehalten.
Die Apsis wird dominiert durch den in der Apsiskalotte auf einer
Himmelskugel thronenden, bartlosen Christus. Die Darstellung auf der
“Himmelskugel”, mit der das gesamte Weltall gemeint ist, ist eine
künstlerische Umsetzung des Ehrennamens “Kosmokrator”
(Weltenherrscher). Ihm werden von zwei Engeln der Titelheilige Vitalis,
dem Christus eine Märtyrerkrone überreicht, und der als Stifter der
Kirche dargestellte Bischof Ecclesius zugeführt. Die berühmtesten
Mosaiken von San Vitale dürften allerdings die im Apsisgewände
befindlichen Porträts von Justinian und Theodora in Begleitung ihres
Hofstaates sein.

Der Kern des Zentralraums wird durch acht Pfeiler, welche die Kuppel
tragen, ebenfalls als Oktogon definiert. Den Raum zwischen den Pfeilern
füllen durch zweisäulige Arkaden gegliederte, halbrunde Nischen, welche
sich auch in den Emporen fortsetzen. Die Kuppel, mit einem Durchmesser
von 15,70 m, ruht auf einem achteckigen, durchfensterten Tambour,
wurde in der für Italien typischen Leichtbauweise aus Ringen von
Tonröhren, den sogenannten tubi fittili, errichtet und nach außen
mit Pyramidendach überdeckt. Die Dekoration der Kuppel stammt aus dem
späten 18. Jahrhundert. Dieser zentrale Raumteil ist von einem etwas
niedrigeren, doppelgeschossigen Umgang umgeben.
Während die Ausgestaltung des Altar- und Apsisbereichs noch auf die
Entstehungszeit San Vitales zurückgeht, entstand der heute zu sehende
Bildschmuck des zentralen Kuppelraums erst in der Neuzeit. Gegen Ende
des 18. Jahrhunderts beauftragten die Benediktiner-Mönche den Künstler
Serafino Barozzi mit der Ausschmückung der ihnen anvertrauten Kirche.
Diesem schloss sich bald darauf Jacopo Guarana an. Vollendet wurde das
Werk von Ubaldo Gandolfo, der bereits zuvor mit Barozzi
zusammengearbeitet hatte. Bei den Fresken handelt es sich um
zeittypische illusionistische Malerei. Im Kuppelscheitel werden der
Heilige Vitalis und der Heilige Benedikt im Himmel gezeigt.

Bereits der Triumphbogen, der zum Altarraum überleitet, weist in seiner
Laibung fünfzehn farbenprächtige Medaillons auf. Sie alle sind von
Blumen überfangen und werden von leuchtend grünen Delphinen mit
überkreuzten Schwänzen gehalten. Den Scheitelpunkt nimmt ein bärtiger,
langhaariger Christus ein. Er ist in purpurne Kleider gehüllt und trägt
in seiner Rechten das prophetische Buch mit den sieben Siegeln aus den
Offenbarungen des Johannes. Dessen schwer zu deutender Inhalt war im
frühen Christentum ein viel diskutiertes und beliebtes Motiv, weshalb
es als Buch oder Pergamentrolle auch mehrfach im Presbyterium
auftaucht. Rechts und links von Christus sind jeweils sechs seiner
namentlich genannten Apostel zu sehen sowie Gervasius und Protasius,
die dem Vitalis zugeschriebenen Söhne. Sie wurden durch die im 5. Jh.
erschienene Hagiographie dieses ursprünglich mailändischen Märtyrers
bekannt. Als Mailand unter Kaiser Theodosius aufgegeben und Ravenna
neue Hauptstadt des weströmischen Reiches wurde, ernannte man Vitalis
zu dessen Schutzpatron. Seine Vita, in der auch seine Familie Erwähnung
fand, sollte der Bevölkerung sowohl ihn als auch die neue, wichtige
Rolle Ravennas nahe bringen.

Die Bibel erzählt außerdem, dass Abraham wenige Jahre später von Gott
auf die Probe gestellt und angewiesen wurde, ihm diesen Sohn, «deinen
einzigen, den du liebst», zu opfern (Gen 22,2–8). So zeigt das Mosaik
auf der rechten Seite, wie Abraham gerade mit seinem Schwert ausholt,
um den auf dem Altar gebundenen Sohn zu töten. Er wird jedoch von Gott,
der seinen absoluten Gehorsam erkennt, im letzten Moment daran
gehindert. In der neueren Forschung wird diese Bibelstelle daher nicht
mehr als Opfer, sondern als Bindung Isaaks bezeichnet. Abraham bricht
erleichtert ab und entdeckt, als er sich umschaut, einen Widder, den er
Gott anstelle seines Sohnes darbringen kann. Die linke Szene der
Lünette thematisiert hier somit die Erscheinung Gottes, veranschaulicht
durch die drei Engeln und die dextera dei, die rechte Hand Gottes, die
schräg über Abraham aus den Wolken ragt. Zum anderen versinnlicht sie
mit dem geschlachteten Kalb das Blut- und mit dem Brot das
eucharistische Messopfer. Die Opferung Isaaks auf der rechten Seite
wird hingegen als symbolisches Vorbild für das Opfer Christi gewertet,
wobei der Widder für dessen am Kreuz vergossenes Blut steht. Diese
Szene gehört zu den beliebtesten Themen der frühchristlichen Kunst.
Matthäus und Lukas, die Opfer des Abel und Melchisedek, Moses und Jesaia

Die Szene auf der linken Seite des Mosaiks stammt aus der Genesis
18,1-15 und erzählt, wie Gott dem 90-jährigen und kinderlosen Ehepaar
Abraham und Sara einen Besuch abstattet.
Das Gastmahl Abrahams und das Opfer Isaacs, Jeremias und Moses

Baptisterium der Kathedrale - Battistero Neoniano (o degli Ortodossi):
Achteckiges Baptisterium, zum großen Teil aus dem 5. Jahrhundert, mit
berühmten byzantinischen Mosaiken.
Das Baptisterium der Kathedrale von Ravenna (auch Baptisterium der
Orthodoxen oder Neonische Taufkapelle genannt) ist im späten 4. oder
frühen 5. Jahrhundert errichtet worden und damit bezogen auf den
Baubeginn das älteste erhaltene Bauwerk der Stadt. Die aufwändige Wand-
und Gewölbedekoration entstand in der zweiten Hälfte des 5.
Jahrhunderts. Mit weiteren frühchristlichen Kirchenbauten in Ravenna
gehört die Taufkapelle zum UNESCO-Welterbe.
BATTISTERO DEGLI ORTODOSSI: Das neonische oder orthodoxe Baptisterium
ist das älteste Bauwerk Ravennas und wurde in den ersten Jahrzehnten
des 5. Jahrhunderts errichtet. Es ist ein einzigartiges Beispiel
frühchristlicher Kunst, da seine Architektur und Innenausstattung
bemerkenswert gut erhalten sind. Das Backsteingebäude in traditioneller
achteckiger Form ist etwa 3 Meter in den Boden eingesunken und hat
dadurch sein ursprüngliches Aussehen verändert. Zwischen 451 und 468 n.
Chr. ordnete Bischof Neon die dreistufige Innenausstattung an: Die
unteren Bögen mit Arabeskenmosaiken, die Propheten darstellen; die
Fensterebene mit Stuckarbeiten; die Kuppel mit einem zentralen
Medaillon, das die Taufe Christi zeigt; und zwei Ringe. Der erste Ring
zeigt den Einzug der Apostel, der zweite ist mit einer Reihe von
architektonischen Paneelen verziert, die durch Kandelaber getrennt
sind; im Zentrum wechseln sich Throne mit dem juwelenbesetzten Kreuz
mit Altären mit den Evangelien ab, dem Symbol für das Kommen Christi.
Der blaue Hintergrund bricht mit der Tradition der goldenen Mosaiken
des Ostens. Im Zentrum der Kuppel zeigt ein Mosaik auf goldenem Grund
Johannes den Täufer, dargestellt als alter, bärtiger Mann, der Christus
im Jordan tauft. Die Taube des Heiligen Geistes steigt von oben herab.

In der Mitte der Raums steht ein achteckiger Taufbrunnen aus dem 13.
Jahrhundert aus anscheinend bereits zweitverwendetem griechischem
Marmor und Porphyrstücken. Im 16. Jahrhundert wurde das Becken unter
Verwendung der älteren Teile neu errichtet. Der Ambo, von dem aus der
Priester die Taufzeremonie leitete, stammt noch aus dem 5. Jahrhundert.
Er ist aus einem einzigen Marmorstück gehauen.
Die Wände zwischen den Apsiden sind mit Inkrustationen aus rotem
ägyptischen Porphyr, so genanntem grünem Porphyr aus dem griechischen
Lakonien (Krokeischer Stein) und Marmor geschmückt. Darüber schließt
sich eine Fensterzone mit Arkade an, deren Bögen von marmornen Säulen
mit ionischen Kapitellen gestützt werden. Zwischen den Bögen befinden
sich große Reliefs aus Gipsstuck, die ursprünglich farbig gefasst
waren. Sie zeigen sechzehn Propheten des Alten und Neuen Testaments in
Scheinnischen.

Die Kuppel ist mit Mosaiken versehen. Die Kuppelmitte nimmt ein großes
Medaillon mit der Taufe Christi ein. Jesus Christus steht in der Mitte
des Flusses Jordan, Johannes der Täufer, mit einem Fell bekleidet, hält
ein Kreuz und schüttet mit der anderen Hand Wasser über das Haupt Jesu.
Die hellen Partien (u. a. die Köpfe von Christus und Johannes sowie das
Ausgießen des Taufwassers aus der Schale) wurden bei Restaurierungen
Mitte des 19. Jh. teilweise ergänzt: Ursprünglich war Christus bartlos,
die Taufe wurde durch Auflegen der Hand auf das Haupt Christi vollzogen.
Das Medaillon der Kuppel umgeben zwei konzentrische Friese. Der innere
zeigt die zwölf Apostel, die von Petrus und Paulus angeführt werden. Im
äußeren Ring sind acht Nischenarchitekturen dargestellt: vier Altäre
mit den Büchern der Evangelien und dazwischen jeweils vier Hetoimasien.
Wahrscheinlich handelt es sich um eine symbolische Darstellung des
Himmlischen Jerusalem, wo Christus als Richter auf seinem Thron sitzt
und die Erwählten mit einem Platz in der Nähe des Wortes Gottes belohnt
werden.
Baptisterium der Kathedrale (Battistero Neoniano), Ravenna, Inneres,
Kuppel mit Deckenmosaik

Chiesa di Sant' Eufemia, 1742-1747
Diese zentrale Kirche wurde im 18. Jahrhundert nach den Plänen von
Gianfrancesco Buonamici (1692–1759) auf den Fundamenten eines alten
frühchristlichen Gotteshauses errichtet. Der Legende nach entstand hier
das erste Gotteshaus Ravennas, gegründet vom heiligen Apollinaire,
einem Jünger des heiligen Petrus, der hier die Reliquien der heiligen
Eufemia di Aquileia aufbewahrte. Im Inneren befinden sich Gemälde von
Antonio Burrini (1656–1727) und Andrea Barbiani (1708–1779) sowie
Dekorationen von Domenico Barbiani (1714–1777).
Dieses profanierte Kirchengebäude dient als Eingang zur Domus dei
Tappeti di Pietra (Haus der Steinfliesen). Dort kann man Mosaiken in
einem byzantinischen Palast aus dem 6. Jahrhundert bewundern, dessen
Boden heute drei Meter unter dem Straßenniveau liegt. Der Zugang
erfolgt durch diese Kirche.

Domus dei Tappeti di Pietra:
Archäologische Stätte mit Mosaiken mit Hirtenmotiven aus der
byzantinischen Ära unter einer Kirche von 1747.
Originales Bodenmosaik „Tanz der Dschinns der vier Jahreszeiten“, 6.
Jahrhundert n. Chr.
Eine Kopie befindet sich in der Mitte des Raumes.

Die Domus dei Tappeti di Pietra (Haus der Steinteppiche) in der
oberitalienischen Stadt Ravenna ist eine frühbyzantinische Villa des 6.
Jahrhunderts n. Chr. mit Mosaikfußböden. Die Mosaikfußböden befinden
sich im Erdgeschoss der byzantinischen Villa, deren Niveau sich heute 3
Meter unterhalb des Straßenniveaus befindet. Der Zutritt zu dem großen
archäologischen Museumsraum erfolgt über die Kirche Santa Eufemia in
der Via Barbiani, etwa 100 Meter von der Basilika San Vitale entfernt.
In dem Ausstellungsraum werden großflächige Mosaikfußböden gezeigt, die
mit geometrischen Elementen und pflanzlichen Motiven verziert sind. Auf
einem der Mosaiken ist der „Tanz der Jahreszeiten-Genien“ abgebildet,
eine seltene Darstellungsform im Kreise tanzender Jahreszeiten. Ein
anderes dargestelltes Motiv ist das eines Schafträgers
Mosaik des „Guten Hirten“, 4. Jahrhundert n. Chr., Kopie nach dem
Original

Dieser Wohnbereich wurde zwischen dem Ende des 5. und dem 6.
Jahrhundert n. Chr. mehrfach restauriert. Der südliche Teil diente
weiterhin als Wohnstätte: Der rekonstruierte Grundriss zeigt Räume, die
auf einen weiten Innenhof hinausgingen, in dessen Mitte sich ein
achteckiger Brunnen befand. Dieser offene Raum verband alle Räume des
Hauses. Ein Empfangssaal, höchstwahrscheinlich ein Triclinium, weist
hochwertige Mosaiken mit feiner Ikonographie auf. Das Emblem zeigt den
Tanz der vier Jahreszeiten, begleitet von einem Panflötenspieler. Der
Frühling trägt eine kurze rote Tunika und sein Haar ist mit Blättern
und Blüten geschmückt; der Herbst trägt eine weiße Tunika; der Winter,
in einen grünen Mantel gehüllt, trägt seinen Hut mit einem Kranz aus
Sumpfgras; der Sommer ist nicht mehr da. Der barhäuptige
Panflötenspieler im Hintergrund trägt Kleidung wie der Herbst. Die
Darstellung des Kreislaufs der Zeit ist in der spätantiken
Mosaiktradition einzigartig, da sie ein Thema aufgreift, das in den
Speisesälen der Römerzeit üblich war. In dieser Zeit erlangte der
nördliche Bereich des Geländes im Zusammenhang mit dem Bau der Kirche
St. Euphemia eine religiöse Bedeutung. Ein Raum mit Mosaikboden, der
von der Straße durch eine Vorhalle zugänglich war, diente als wahrhaft
monumentaler Eingang zu einem Sakralbau.
RAUM 1: Dieser Raum diente der Begrüßung externer Besucher, bevor diese
vom Hausbesitzer in den öffentlich zugänglichen Empfangsräumen
empfangen wurden. Spätes 5. – frühes 6. Jahrhundert n. Chr.

PORTA TEGURIENSE - EIN ANTIKES STADTTOR
Die Porta Teguriense verdankt ihren Namen dem Fluss Tegurio, der in der
Nähe dieses Mauerabschnitts floss und den Hauptzugang zum monumentalen
Stadtkern markierte. Als Ravenna zur Hauptstadt des Weströmischen
Reiches wurde, ließ Kaiser Honorius die erste Stadtmauer erweitern und
veränderte damit den Großteil der römisch-republikanischen
Stadtstruktur aus dem 3. Jahrhundert v. Chr. grundlegend. Die Porta
Teguriense ist somit Teil der außergewöhnlichen Bautätigkeit der
Spätantike, der die Stadt die von der UNESCO in die Liste des
Weltkulturerbes aufgenommenen Denkmäler verdankt.
Von der ältesten Bauphase – dem 5. Jahrhundert – sind heute nur noch
Spuren des äußeren Bogens (zum Garten der Teresa Gamba hin) erhalten.
Außerdem sind noch Überreste des Turms zu sehen, der im frühen
Mittelalter erbaut und während der venezianischen Herrschaft renoviert
wurde. Er diente dem Schutz der Stadt vor äußeren Gefahren und vor den
Überschwemmungen der Flüsse Ronco und Montone. Von den einst 5 km
langen Stadtmauern aus der Zeit ihrer größten Ausdehnung sind heute nur
noch 2700 Meter sichtbar und werden durch Schutz- und
Sanierungsmaßnahmen bewahrt. Die Restaurierungsarbeiten am ältesten
Stadttor sowie die Instandsetzung und Stabilisierung des angrenzenden
Mauerabschnitts ermöglichen es den Besuchern, die vielschichtige
Geschichte dieser Stadt von großer historischer, künstlerischer und
kultureller Bedeutung besser zu verstehen.

Basilica di Sant'Apollinare Nuovo - Von Theoderich dem Großen erbaute,
palastartige Kapelle mit Sakralkunst, Teil des UNESCO-Weltkulturerbes.
Der Fassade ist heute ein einfacher Säulengang aus Marmor aus dem 16.
Jahrhundert vorgestellt. Die Außenwände der Seitenschiffe sind durch
Rundbogenfenster, fensterlose Blenden sowie kräftige Lisenen
gegliedert. Ein Gesims, das aus einem dreistufigen Ziegelband besteht,
verbindet die Fensterbögen mit den Lisenen, ein Element, das vermehrt
bei Bauten in Nordsyrien verwendet wird. Am zylindrischen 38 Meter
hohen Campanile finden sich in den unteren Stockwerken einbogige
Fenster, in den Stockwerken darüber zweibogige und in den oberen
Stockwerken dreibogige romanisch-ottonische Fenster. Dies lässt den
Turm schmaler erscheinen. Die Form des Turms stammt ursprünglich aus
der römischen Militärarchitektur; dort waren solche Türme vor allem in
Stadtmauerbefestigungen integriert.
Westfront der Kirche mit Narthex und Campanile

Die Basilika Sant’Apollinare Nuovo gilt als das bemerkenswerteste
Bauwerk unter den von Theoderich direkt in Auftrag gegebenen Gebäuden.
Sie wurde im späten 5. und frühen 6. Jahrhundert als arianische
Pfalzkirche zu Ehren Christi errichtet und später, nach dem Edikt
Justinians im Jahr 561 n. Chr., von Erzbischof Agnellus orthodox
geweiht. Ihre Mosaiken stellen eine harmonische Verschmelzung
westlicher und östlicher Elemente dar, sowohl in Bezug auf Dekoration
als auch Architektur, wobei letztere ein charakteristisches Merkmal der
Kunst Ravennas ist. Die Basilika ist in drei Schiffe unterteilt, und
die Mosaiken erstrecken sich entlang des Mittelschiffs. Sie stammen aus
der Zeit Theoderichs, mit Ausnahme der Prozession der Märtyrer und
Jungfrauen sowie einiger von Justinian vorgenommener Verfeinerungen.
Im oberen Teil des Mittelschiffs befindet sich der älteste monumentale
Zyklus aus den Evangelien, der das Leben und die Wunder Jesu darstellt;
darunter sind feierliche Figuren auf goldenem Grund zu sehen. Im
unteren Teil verdeutlicht die Prozession der Märtyrer und Jungfrauen
eine weitere Abgrenzung von der römischen Welt und dem Naturalismus
jener Zeit. Sie stellt den höchsten Ausdruck byzantinischer Orthodoxie
und feierlicher Kunst dar. Die Mosaikdekorationen aus der Zeit
Theoderichs und Justinians spiegeln die stilistische Entwicklung der
Mosaiken von Ravenna wider.

Das Mittelschiff, doppelt so breit wie die Seitenschiffe, mündete in
eine Apsis – innen halbkreisförmig, außen polygonal. Diese Apsis wurde
im 16. Jahrhundert umgebaut und im 18. Jahrhundert neu gestaltet,
wodurch sie ihr heutiges Aussehen erhielt. Das kürzlich restaurierte
Bauwerk bewahrt jedoch den Grundriss der Apsis aus dem 6. Jahrhundert.
Die Apsis wurde 1950 erneuert. Sie war höchstwahrscheinlich mit
Mosaiken geschmückt, die bei einem Erdbeben im 7. Jahrhundert zerstört
worden waren.

CAPPELLA DEL SANTISSIMO SACRAMENTO - KAPELLE DES HEILIGEN SAKRAMENTS


Der Innenbereich ist 35 Meter lang und 21 Meter breit und besteht aus
einem erhöhten Mittelschiff und zwei niedrigeren Seitenschiffen, die
durch je eine Säulenreihe getrennt werden. Die Säulen bestehen aus
Marmor, der aus Konstantinopel importiert wurde und haben ein Leier-
oder auch Lederblattkapitell. Dabei handelt es sich um eine einfache
Form des korinthischen Kapitells: die Akanthusblätter sind weniger
ausgearbeitet und weisen eine grobe Ornamentik auf. Die Säulen sind
durch Bögen verbunden, die kassettiert sind. Darüber befindet sich die
Mittelschiffwand, die ein reich gestaltetes Mosaikfeld hat. Vor dem 16.
Jahrhundert befand sich zwischen der Arkadenzone und den Mosaiken noch
ein weiterer 1,5 Meter breiter Wandstreifen, der bei der Erhöhung des
Bodenniveaus von 1611 durch die Franziskaner entfernt wurde. Der
Obergaden besteht aus je elf Fenstern, deren Zwischenraum mit weiteren
Mosaikdarstellungen geschmückt ist. Die jetzige Kassettendecke stammt
aus dem 16. Jahrhundert. Sie ersetzt die ursprüngliche Decke, die man
wegen ihrer prachtvollen Mosaiken „hl. Martin im Goldhimmel“ genannt
hatte.
Der gesamte Innenraum war einst mit Mosaiken verziert. Heute sind nur
noch die Mosaike im Mittelschiff vorhanden. Sie stammen vornehmlich aus
der Zeit Theoderichs. Auf der südlichen Mittelschiffswand wird ein Zug
von 26 männlichen Heiligen dargestellt, deren Prozession vom hl. Martin
angeführt wird. Die nimbierten Heiligen tragen einfache weiße Tuniken,
allerdings trägt der hl. Martin ein purpurnes Obergewand, und der hl.
Laurentius erhielt ein goldenes Gewand, da er in Ravenna sehr verehrt
wurde. In ihren verhüllten Händen tragen die Märtyrer Kränze und die
Märtyrerpalme. Die Inschrift oberhalb ihrer Häupter identifiziert sie.
Sie ziehen von Westen – einem Palast – nach Osten, zum thronenden
Christus, der von zwei Engeln flankiert wird.

Theoderich, der kultivierte König der Ostgoten, ließ die Basilika
zwischen 493 und 526 als Palastkirche für den arianischen Kult erbauen
und weihte sie Christus dem Erlöser. Der Herrscher gab einen
Mosaikzyklus in Auftrag, der seine Herrschaft zu Land und zu Wasser,
seinen Hof und die Gestalt Christi verherrlichen sollte. Der Arianismus
galt der orthodoxen Kirche als Häresie: Er leugnete das göttliche Wesen
Christi, verehrte ihn aber als Vorbild für das ewige Heil. Nach dem
Ende der Ostgotenherrschaft mit der byzantinischen Eroberung der Stadt
wurde die Kirche im Jahr 561 n. Chr. dem Heiligen Martin neu geweiht
und es wurden neue Mosaiken von ausgezeichneter Qualität geschaffen.

Das gegen Ende des 5. oder Anfang des 6. Jahrhunderts Christus, dem
Erlöser geweihte Gebäude wurde auf Veranlassung Theoderichs des Großen
(451/56–526) errichtet. Eine Bauinschrift ist zwar erhalten (sie wird
unter anderem von dem Chronisten Agnellus in seinem Liber Pontificalis
Ravennatis wiedergegeben); diese erlaubt aber keine nähere Datierung.
Es ist lediglich nachvollziehbar, dass die Kirche unter Theoderich a
fundamentis, also von den Grundmauern auf, errichtet wurde. Sie diente
dem Ostgotenkönig als Palastkirche. Vermutlich gab es bereits einen
Vorgängerbau, denn auf dem hinter der Kirche gelegenen Areal befand
sich zuvor der Palast der Regentin Galla Placidia. Der an dessen Stelle
errichtete Palast Theoderichs ist auf einem Mosaik in der Kirche
abgebildet; von dem nicht mehr vorhandenen Gebäude wurden nur die
Grundmauern und einige Fragmente von Mosaikfußböden ergraben.

Das Gebäude folgt dem Beispiel der in der Zeit der Völkerwanderung noch
zahlreich vorhandenen dreischiffigen Basiliken (deutsch ‚Königshallen‘)
der römischen Architektur, die in der Antike aber nicht nur für manche
Aula regia (Audienzhalle eines Herrschers) im engeren Sinn, sondern oft
auch für Gerichts- oder Markthallen Verwendung gefunden hatte. Zeitlich
steht der Bau am Übergang von der Spätantike zur Vorromanik, die
besonders in Ravenna auch Parallelen zur zeitgleichen frühen
byzantinischen Architektur aufweist (hier besonders die Mosaiken).
Theoderich war am Hof des oströmischen Kaisers Leo I. in Konstantinopel
aufgewachsen, hatte als hoher Offizier in der oströmischen Armee
gedient und besiegte 490/491 Odoaker in Italien als rex des
Gotenverbandes und magister militum im Auftrag von Kaiser Zenon.

Nach 540, als die Byzantiner die Stadt in ihren Herrschaftsbereich
eingliederten und der Arianismus zur Irrlehre erklärt wurde, wurde die
Basilika zwischen 556 und 565 dem Patrozinium des hl. Martin
unterstellt. Dies geschah unter dem damaligen Erzbischof Ravennas,
Agnellus. Gegen Mitte des 9. Jahrhunderts, als die Reliquien des hl.
Apollinaris, des ersten Bischofs von Ravenna, von der Kirche
Sant’Apollinare in Classe in die Martinskirche innerhalb der
Stadtmauern überführt wurden, wurde die Kirche dessen Patrozinium
geweiht. Die Basilika Sant’Apollinare in Classe lag außerhalb und war
Plünderern leichter zugänglich. Der Zusatz nuovo wurde dem Namen
deshalb gegeben, um sie von Sant’Apollinare in Veclo zu unterscheiden.

La Cappella della Pace e della Vittoria - Die Kapelle des Friedens und
des Sieges
Die Funktion des Oratoriums: Am 30. November 1919 wurde die Kapelle des
Friedens und des Sieges geweiht. Dieses Oratorium, das sich im linken
Seitenschiff der Basilika Sant’Apollinare Nuovo befindet, wurde von
Rektor Don Andrea de Stefani als Zeichen der Anerkennung und zum
Gedenken an den ersten Luftangriff auf Ravenna am 12. Februar 1916
während des Ersten Weltkriegs in Auftrag gegeben. Bei dieser
Gelegenheit wurde die Basilika Sant’Apollinare Nuovo durch eine Bombe,
die von einem österreichischen Wasserflugzeug abgeworfen wurde, schwer
getroffen. Die Kapelle diente auch dem Gedenken an den Wiederaufbau der
Basilika und der Schaffung eines Ortes der andächtigen Andacht für die
Gefallenen aus ganz Italien, auch für die Unbekannten, und für die
Tragödien und das Leid, das auch die alliierten Nationen im Krieg
erlitten hatten.
Der Maler Carlo Donati: Das Gesamtkonzept der Kapelle und ihrer
Dekoration wurde dem Maler Carlo Donati (Verona 1874–1949) anvertraut,
einem Künstler mit tiefem religiösem Empfinden, der auch die
dazugehörige Ausstattung entwarf.
Der sakrale Raum ist ein kleiner quadratischer Raum, dessen Decke von
einem mit Arabesken verzierten Oberlicht unterbrochen wird. Der
schmiedeeiserne Kronleuchter erhellt den weißen Marmoraltar-Sarkophag,
der durch ein Altarbildnis ergänzt wird, ebenfalls aus Schmiedeeisen –
mit Kerzenleuchtern, Altarkreuz mit Kartaglorien und Blumenvasen. Die
Namen der Verstorbenen und der Wohltäter, die das Oratorium
finanzierten, sind in den Sockel der Kapelle eingraviert. Das
figürliche Programm wird durch zwölf Ölgemälde illustriert, die eine
Art großes Polyptychon bilden, das durch einen geschnitzten Rahmen und
die jeweilige Bildunterschrift ergänzt wird. Fünf Hauptthemen dieses
reichen und vielschichtigen Bildzyklus lassen sich zusammenfassen.

Gemäldezyklus: Im Zeichen des Schmerzes, die Flamme der Nächstenliebe
Auf dem Bildfeld links vom Eingang ist ein sterbender Soldat
dargestellt, gestützt von zwei Rotkreuzschwestern – eine davon ist
Armanda Ravuzzi aus Ravenna –, die seine Wunden mit der italienischen
Flagge trocknen. Neben ihnen sind zwei Militärgeistliche abgebildet,
die Chrysanthemen bzw. einen Kelch tragen. Hinter dieser Gruppe sind
zwei Gefallene des Ersten Weltkriegs verewigt: die Leutnants Anselmo
Calvetti aus Ravenna und Ermenigildo Monti. Die dritte
Rotkreuzschwester, kniend und mit Verbandsmaterial in der Hand, ist
Herzogin Elena von Aosta: Sie war von 1911 bis 1921 Generalinspektorin
des Italienischen Roten Kreuzes. Auf dem Seitenbildfeld hält ein
französischer Soldat einen Eichenzweig, Symbol des Sieges, während er
mit dem anderen eine von Bomben beschädigte Kirche segnet.
Cor lesu, pax et reconciliatio nostra
Im zentralen Altarbild wird das intensive Licht des Herzens Christi
hervorgehoben: der Dreh- und Angelpunkt des gesamten Figurenkomplexes.
Der Maler Carlo Donati stellt außerdem die Jungfrau vom Rosenkranz, den
heiligen Josef und vier Engel dar. Am Fuße des heiligen Gesprächs
kniend sind Papst Benedikt XV. zu erkennen, der ein großzügiges
Darlehen für die Restaurierung der Basilika Sant’Apollinare Nuovo
unterzeichnete, sowie der Erzbischof von Ravenna, Pasquale Morganti,
der den Rektor Don Andrea de Stefani begleitet. Dieser empfängt einen
Olivenzweig von Christus und bietet dem Erlöser selbst das durch die
Bombenangriffe beschädigte Modell der Basilika von Ravenna zum Schutz
an. In dieser jüngsten Ikonenmalerei ließ sich der Maler Carlo Donati
von dem berühmten Bild des Bischofs Ecclesio inspirieren, der die
Basilika San Vitale dem Christus Kosmokrator in den Mosaiken von San
Vitale in Ravenna darbringt.
Die Siege Grappas
Neben dem Hauptaltarbild mit dem Herzen Christi wird des Majors
Francesco Baracca gedacht, des berühmten Fliegers aus Lugo, der
zusammen mit anderen Kriegstoten die Madonna del Grappa stiftete.
Der große Gott segne Italien.
Auf diesem Bildfeld gleich am Eingang, wo sich auch Carlo Donatis
feines Gespür für Porträtkunst zeigt, segnet Monsignore Angelo
Bartolomasi, Bischof von Castrense und Primas der Militärgeistlichen,
die Modelle einiger berühmter religiöser Denkmäler des unerlösten
Italiens und der alliierten Nationen: wahre Trophäen, die von den
Gefallenen des Ersten Weltkriegs mitgebracht wurden. In dieser Gruppe
erkennen wir König Viktor Emanuel III. von Italien und einige andere
hochdekorierte Männer aus der Romagna, von denen einige im Kampf
gefallen sind: Der kniende Soldat ist der Flieger Luigi Ridolfi aus
Forlì, der stehende Soldat hinter dem König ist Leutnant Luigi
Spinelli, während auf der gegenüberliegenden Seite, rechts im Bild, die
Leutnants Mario Fantozzi aus Ravenna und Decio Raggi aus Forlì zu sehen
sind. Auf dem Seitenbildfeld sticht die Personifizierung
Großbritanniens hervor: Drei britische Soldaten opfern das Heilige Grab
von Jerusalem.
Die Unschuldigen
Über dem Eingang der Kapelle, auf einem spitzbogigen Tisch, ist
schließlich das Opfer der Unschuldigen symbolisch dargestellt: Ein
Mädchen in Todesangst empfängt die Heilige Eucharistie vor dem düsteren
Hintergrund einer Nacht, die von den Silhouetten der die Stadt
bombardierenden Flugzeuge erhellt wird. Bewegte Familienmitglieder
versammeln sich um das junge Opfer. Die vom unschuldigen Maler gewählte
Ikonographie erinnert an mittelalterliche Trauer. Weitere gefallene
Soldaten sind im oberen Bereich der Kapelle abgebildet. In den Ecken
wurden Waffentrophäen gemalt.

Auf der gegenüberliegenden Wand ist eine Prozession von 22
jungfräulichen Märtyrerinnen dargestellt, die sich von Classe zu der
von vier Engeln flankierten, thronenden Muttergottes mit dem Kind
bewegt. Die Jungfrauen tragen goldbestickte Tuniken und weiße Schleier
und wie die männlichen Märtyrer den Siegeskranz in der verhüllten Hand.
An der Spitze der heiligen Jungfrauen ziehen die Weisen aus dem
Morgenland.

Im Obergaden sind zwischen den Fenstern 32 Darstellungen von Aposteln
und Propheten zu sehen. Darüber befinden sich in rechteckigen Feldern
abwechselnd Darstellungen der Wunder und der Passion Christi sowie
Baldachine. Dabei sind die Darstellungen nicht nach der Chronologie der
Bibel, sondern nach der liturgischen Leseordnung angeordnet.

Sogenannter Palast Theoderichs (Palazzo di Teodorico), SAN SALVATORE AD
CALCHI, 7.-8. Jahrhundert
Das Gebäude steht auf dem Gelände des ehemaligen Palastkomplexes des
Gotenkönigs Theoderich (454–526). Ursprünglich diente es vermutlich als
Wachgebäude (6.–8. Jahrhundert) und wurde später in eine Vorhalle
(Narthex) vor der Kirche San Salvatore ad Calchi umgewandelt, die
Anfang des 16. Jahrhunderts zerstört wurde. Die Backsteinfassade weist
einen zentralen Bogen mit einer darüberliegenden, geräumigen Nische
auf; seitlich befinden sich von Marmorsäulen getragene Sprossenfenster.
Im Inneren sind interessante Fragmente von Bodenmosaiken zu sehen, die
im Bereich des Kaiserpalastes von Theoderich gefunden wurden.

Erzbischöfliches Museum (Museo
Arcivescovile di Ravenna) - Religiöse Kunst und Objekte aus der
Region sowie eine byzantinische Kapelle mit aufwendigen Mosaiken.
Das Erzbischöfliche Museum von Ravenna (Museo arcivescovile di Ravenna)
befindet sich im Erzbischöflichen Palais in unmittelbarer Nähe des
Domes und des Baptisteriums der Kathedrale und geht auf die erste
Hälfte des 18. Jahrhunderts zurück: Im Zuge des Um- bzw. Neubaus des
Domes von Ravenna unter Erzbischof Niccolò Farsetti wurden die dort
befindlichen Inschriften, Mosaikfragmente und Steindenkmäler (ab dem 6.
Jahrhundert) in einem eigenen Lapidarium aufgestellt. Zu Beginn des 20.
Jahrhunderts wurde das Museum umgebaut und um Objekte aus Kirchen der
Diözese ergänzt. Es folgten Ausgrabungsfunde aus der zweiten Hälfte des
20. Jahrhunderts.
Der Erzbischöfliche Palast von Ravenna stammt aus dem späten 4. und
frühen 5. Jahrhundert n. Chr. und geht auf den Auftrag von Bischof
Ursus oder Orso zurück. Der Bischofskomplex umfasste die ursprüngliche
Kathedrale, die laut Quellen Basilica Ursiana genannt wird, das
Baptisterium und die Residenz des Prälaten. Wir befinden uns im
Südosten der Stadt. Einige Jahre später, im Jahr 402, wurde die
Hauptstadt des Weströmischen Reiches von Mailand nach Ravenna verlegt.

Das Farsetti-Lapidarium
1734 beschloss die Mensa Arcivescovile von Ravenna, die Basilica
Ursiana, die Kathedrale der Stadt, zu renovieren. Das damals genutzte
Gebäude war ursprünglich im späten 4. oder frühen 5. Jahrhundert
erbaut, im Hochmittelalter weitgehend umgebaut und im 16. Jahrhundert
erneut erweitert worden. Der Architekt Buonamici, der den Neubau
entwarf, beabsichtigte ursprünglich, das Presbyterium der alten
Kathedrale mit den beiden Kapellen aus dem 17. Jahrhundert zu erhalten
und nur den Hauptteil zu ersetzen. Während der Arbeiten stürzte jedoch
die Apsis ein, die damals noch ein kostbares mittelalterliches Mosaik
enthielt.
Daher wurde beschlossen, das gesamte Gebäude bis auf die beiden
Kapellen neu zu errichten.
Beim Abriss stellte man fest, dass ein Großteil der weißen, geäderten
Marmorplatten des Fußbodens aus dem 16. Jahrhundert in Wirklichkeit
alte, wiederverwendete und falsch herum verlegte Inschriften waren.
Erzbischof Maffeo Niccolò Farsetti (1727–1741), ein Liebhaber antiker
Fundstücke und bestrebt, den Bischofspalast mit Spuren der ruhmreichen
Vergangenheit des Erzbistums Ravenna zu bereichern, beschloss, alle
gefundenen Wertgegenstände aufzubewahren und ließ im kleinen Atrium der
Andreaskapelle einen kleinen Steinmetzraum einrichten. Farsettis
Steinmetzraum gilt daher als Vorläufer des heutigen Erzbischöflichen
Museums. In diesem ersten Museum wurden 85 Stücke an den Wänden
ausgestellt, deren ursprüngliche Anordnung durch Zeichnungen von
Buonamici belegt ist. Die frühe Sammlung umfasste die in den
Bodenplatten gefundenen Inschriftenplatten sowie weitere Fundstücke aus
dem Abriss der Kathedrale und – vorsorglich – einige Stücke aus
Sakralbauten der Stadt und der Umgebung.
Von Farsettis Lapidarium bis zum
Erzbischöflichen Museum
In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde der Lapidarraum am
selben Ort unter Verwendung der bereits im 18. Jahrhundert genutzten
vier Wände neu organisiert. Diese zweite Präsentation ist uns auch
durch einige Zeichnungen aus dieser Zeit bekannt. Ein Vergleich der
Zeichnungen zeigt, dass im 19. Jahrhundert erneut 85 Stücke ausgestellt
wurden, von denen jedoch nur 73 zweifelsfrei als Objekte des ersten
Lapidarraums identifiziert werden können. Im 20. Jahrhundert wurde die
Sammlung in zwei neuen Ausstellungen präsentiert. Die erste entstand
nach der Restaurierung der erzbischöflichen Kapelle und des ältesten
Teils des Bischofsgebäudes. Sie wurde vom Leiter der Denkmalpflege von
Ravenna unter der Aufsicht von Giuseppe Gerola initiiert und 1932
eröffnet. Die frühe Sammlung wurde um zahlreiche Stücke aus dem Dom,
den Sakralbauten der Diözese sowie aus archäologischen Ausgrabungen in
der Stadt und Umgebung erweitert.
In der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts wurde das Museum dank der
Initiative von Monsignore Mario Mazzotti, dem Leiter des
erzbischöflichen Archivs und Museums, im Zuge einer umfassenden
Restaurierung der verschiedenen Nebengebäude des Doms zwischen 1955 und
1969 durch die Hinzunahme neuer Exponate erweitert. Dabei erreichte die
Sammlung ihren heutigen Umfang. Die neuen Ausstellungsstücke umfassten
weiterhin die ursprüngliche Sammlung Farsettis, die in den beiden
Eingangshallen des Museums konzentriert war. Die Anordnung der Exponate
orientiert sich jedoch an der chronologischen Abfolge der Zeiträume. In
diesem Raum befinden sich die Stücke aus Farsettis Lapidar, die beim
Abriss des Doms geborgen wurden, ergänzt durch die Ende des 19.
Jahrhunderts aus dem Domboden geborgenen Transennae. Die Exponate
decken einen Zeitraum von der Antike bis zum mittleren Mittelalter ab.

Ein Sarkophag aus der Kathedrale
Das Erzbischöfliche Museum von Ravenna bewahrt diesen kostbaren
Sarkophag aus prokonnesischem Marmor auf. Er stammt aus dem 6.
Jahrhundert n. Chr. und gelangte 1961 auf Wunsch des damaligen
Direktors, Monsignore Mario Mazzotti, in die Sammlung des Museums.
Dieses Artefakt zeichnet sich durch zwei bedeutende Merkmale aus. Zum
einen durch seine Provenienz: 1761 wurde der Sarkophag in den Altarraum
der Kathedrale von Ravenna aus dem 18. Jahrhundert eingesetzt. Die
beiden lateinischen Inschriften auf dem erneuerten Deckel, die auf
Wunsch des Erzbischofs von Ravenna, Ferdinando Romualdo Guiccioli,
eingraviert wurden, erinnern an dieses feierliche Ereignis, bei dem die
Reliquien der heiligen Erzbischöfe der Stadt in den Sarkophag überführt
wurden.
Das zweite bemerkenswerte Merkmal ist seine Verzierung. Tatsächlich ist
dieser Sarkophag in der typischen frühchristlichen Ikonographie
dargestellt, die sich durch Ädikula mit muschelförmiger Krone
auszeichnet und von einem anonymen Künstler im Flachrelief gearbeitet
wurde. An den Längsseiten sind jeweils ein Pfau, Symbol der
Unsterblichkeit, abgebildet, der aus der Quelle des wahren Lebens
trinkt (oben hervorgehoben durch das christologische Monogramm), und
zwei Lämmer, die an einer Dattelpalme fressen: das Wort Gottes, das
reiche Frucht bringt. Die Palmen und Kreuze wiederholen sich an den
Längsseiten, während an den kurzen Seiten nur die Kreuze zu sehen sind.

Farsettis Lapidar und das moderne
Museum
Dieser Raum beherbergt Objekte verschiedener Herkunft aus Farsettis
Lapidar sowie weitere Materialien, die im Laufe des 19. und 20.
Jahrhunderts in die Museumssammlungen aufgenommen wurden. Die Stücke
umfassen einen Zeitraum von der Antike bis zum mittleren Mittelalter.
Die antiken Exponate sind hauptsächlich Stelen und ausgeschnittene
Tafeln von Sarkophagfronten aus Norditalien. Diese Exponate stammen aus
der Zeit vom 1. bis zum 3. Jahrhundert n. Chr. An der Nordwand sind
Exponate aus den frühen Jahrhunderten des Mittelalters
unterschiedlicher Herkunft ausgestellt.

Der Elfenbeinthron - Thron des
Erzbischofs Maximian (6. Jh.), Elfenbein
Die Maximianskathedra ist ein Bischofsstuhl (Kathedra) aus der Mitte
des 6. Jahrhunderts, der sich im Museo arcivescovile in Ravenna
befindet. Er wird dem ravennatischen Bischof Maximianus zugeordnet und
ist komplett mit Elfenbeintafeln dekoriert, die alt- und
neutestamentliche Darstellungen zeigen.
Im Zentrum des Raumes steht ein einzigartiges Stück, für das das
Erzbischöfliche Museum weltweit bekannt ist: der Elfenbeinthron von
Erzbischof Maximian. Dieser kostbare Sitz besteht aus einem
ursprünglich aus Ebenholz gefertigten Gestell, auf dem 27 fein
gravierte, rechteckige Elfenbeintafeln angebracht sind, die durch
ebenfalls aus Elfenbein gefertigte Bänder mit Pflanzenmotiven verbunden
sind. Ursprünglich umfasste das Gestell 39 gravierte Tafeln; die heute
fehlenden wurden durch mit Pergament bespannte Holztafeln ersetzt. Der
Thron gelangte in den 1930er Jahren im Zuge von Restaurierungs- und
Sanierungsarbeiten in das Erzbischöfliche Museum. Zuvor befand er sich
an verschiedenen Orten. Ende des 18. Jahrhunderts war er nachweislich
im Cartilogio, dem Anbau des Chors der alten Kathedrale, die 1773
abgerissen wurde, um Platz für die Sakristei zu schaffen. Dort wurden,
den Quellen zufolge, die Dokumente des erzbischöflichen Archivs und
später der Bibliothek aufbewahrt. Im Zentrum der Vorderseite des Throns
befindet sich ein Monogramm, das von vielen Kritikern als Abkürzung des
Namens des Erzbischofs Maximian (546–556), des Prälaten von Ravenna zur
Zeit Justinians, interpretiert wird, der den prächtigen Thron geschenkt
bekommen hatte. Dennoch bestehen weiterhin Zweifel am Ort und
ursprünglichen Bestimmungsort des Throns. Sicher ist hingegen, dass die
Anfertigung des Throns, wo auch immer er hergestellt wurde, vier
verschiedenen Künstlern zugeschrieben wird, von denen einer die
Zierbänder schuf. Die auf dem Thron angebrachten Figurentafeln zeigen
Szenen, die von Episoden aus dem Alten und Neuen Testament inspiriert
sind. Die Tafeln sind aus Elfenbein gefertigt, und die Bilder wurden
durch Gravur in die Oberfläche eingearbeitet.
Die zu betrachtenden Reliefs des Throns befinden sich auf der
Rückseite, von vorne betrachtet. Zwischen zwei Bändern mit prächtigen
Pflanzenfriesen sind fünf Reliefs angebracht, die Johannes den Täufer
in der Mitte und die vier Evangelisten darstellen. Johannes der Täufer
hält das Lamm, Symbol des Erlösers, in einem Kreis; die Evangelisten
halten jeweils eine Papyrusrolle, die in der Antike als Grundlage für
die Schrift diente. An den Seiten der Rückseite befinden sich je fünf
Reliefs, die die Geschichte Josefs, des Juden, nach dem Alten Testament
erzählen. Auf der linken Seite zeigen die Reliefs die Episode, in der
die Brüder ihren Eltern von Josefs Tod berichten, Josef in den Brunnen
hinabgelassen wird, während das Lamm geschlachtet wird, Josef an die
Händler verkauft wird, Josef an Potifar verkauft wird und Josef zu
Unrecht angeklagt und eingekerkert wird. Auf der rechten Seite zeigen
die Reliefs Josef auf dem Thron, wie er seine Brüder empfängt, den
Trick mit den Bechern im Getreide, Josef, wie er dem Pharao seinen
Traum erklärt, Jakob, der seinen Sohn Josef umarmt, und den Traum des
Pharaos.
Die Innenseite der Rückseite bot Platz für acht Tafeln, von denen nur
noch fünf erhalten sind. Sie zeigen Szenen aus dem Leben Christi: die
Verkündigung, den Beweis der Jungfräulichkeit Marias durch das
Wasserprobe, Josefs Traum und die Reise nach Bethlehem, die Geburt
Christi und das Wunder der Hebamme mit der verdorrten Hand sowie Maria
mit dem Kind. Auf der Außenseite der Rückseite war Platz für sechzehn
Tafeln, von denen sieben erhalten sind. Sie zeigen Szenen aus dem Leben
Christi: die Taufe Christi, den Einzug in Jerusalem, die Speisung der
Fünftausend, die Vermehrung von Brot und Fisch, das Wunder bei der
Hochzeit zu Kana, die Heilung des Blindgeborenen und die Begegnung
Christi mit der Samariterin am Brunnen.

Erzbischöfliche Kapelle Sant'Andrea - Erzbischöfliche Kapelle
Sant'Andrea
Die St.-Andreas-Kapelle, auch Erzbischöfliche Kapelle genannt, wurde in
der Zeit Theoderichs zwischen 494 und 519 n. Chr. als privates
Oratorium für katholische Bischöfe errichtet. Sie ist die einzige
erhaltene erzbischöfliche Kapelle aus frühchristlicher Zeit, die bis
heute unversehrt geblieben ist. Der Eingang führt in eine rechteckige
Vorhalle, an die sich ein kleiner Schrein in Form eines griechischen
Kreuzes mit einer winzigen Apsis anschließt. Beide Bereiche sind mit
Mosaiken verziert, obwohl sie in der Vergangenheit umfangreiche
Restaurierungen erfahren haben. Das Tonnengewölbe der Vorhalle ist mit
Vögeln, Lilien und Rosen geschmückt, während auf dem Tympanon am
Eingang ein Christus, der auf Löwen und Schlange tritt, die Szene
dominiert. Es ist die Darstellung eines Christus, der die Mächte des
Bösen besiegt: Die gesamte Kapelle verkörpert angeblich einen starken
antiarianischen Geist und bekräftigt somit die Prinzipien der
katholischen Orthodoxie. An den Wänden befindet sich die berühmte
Inschrift, die die Funktion des Lichts preist, und ein Chrismon, Symbol
Jesu Christi aus den griechischen Buchstaben I und X, erstrahlt auf dem
Gewölbe des Schreins. Vier Engel, abwechselnd mit den Symbolen der vier
Evangelisten, halten den Clipeus. Die Dekoration der vier Intrados
zeigt in den ersten beiden das Antlitz Christi und die Apostel, in den
beiden letzten das Chrismon mit den Märtyrern.

Die Erzbischöfliche Kapelle (Cappella Arcivescovile) befindet sich im
ersten Stock des Erzbischöflichen Palastes von Ravenna und gehört heute
zum Erzbischöflichen Museum. Sie ist teilweise mit Mosaikarbeiten
ausgeschmückt. Sie war das private Oratorium trinitarischer Bischöfe
seit Beginn des 6. Jahrhunderts. Gewöhnlich wird sie Petrus Chrysologus
zugeschrieben, der 433–450 Erzbischof von Ravenna war, jedoch wurde sie
erst von Petrus II. erbaut, der das Amt 494–519 innehatte.
In der Bewertung der Kapelle als UNESCO-Weltkulturerbe durch das ICOMOS
heißt es: „Die Bedeutung dieses Bauwerks liegt in der Tatsache, dass es
als einziges privates frühchristliches Oratorium bis zum heutigen Tag
erhalten geblieben ist. Seine Ikonografie ist wichtig wegen ihrer stark
anti-arianischen Symbolik.“

Die Kapelle ist von kreuzförmigem Grundriss. Die Mosaike wurden schon
beim Bau oder bald danach angefertigt. Heute ist die Kapelle dem
Apostel Andreas geweiht, sie war jedoch ursprünglich Jesus Christus
gewidmet. Dies bezeugt die Lünette über der Tür zum Vestibül, auf der
Christus in der Kleidung eines römischen Feldherrn dargestellt ist, wie
er auf eine Schlange und einen Löwen tritt. Die unteren Teile der Wand
sind mit Marmorplatten verkleidet. Das übrige Innere der Kapelle war
mit reichen Mosaiken in der Art von Bildteppichen ausgekleidet, die im
Gewölbe erhalten sind, ansonsten jedoch im 16. Jahrhundert von dem
manieristischen Maler Luca Longhi durch Temperamalereien ersetzt wurden.

Der heilige Jakobus der Ältere (1770–75)
Lorenzo Petroncelli (Rom, 1724–1801) Silberguss im
Wachsausschmelzverfahren, gepresst und ziseliert; Höhe 60 cm
Der heilige Johannes der Evangelist (erste Hälfte des 18. Jahrhunderts)
Lorenzo Petroncelli (Rom, 1724–1801) Silberguss im
Wachsausschmelzverfahren, gepresst und ziseliert; Höhe 60 cm

Pastoralstab der Mailänder Heiligen
Hl. Ambrosius – Hl. Petrus Märtyrer - Hl. Karl Borromäus – Hl. Pasquale
Bajlon
Im Besitz von Monsignore Pasquale Morganti, Erzbischof von Ravenna
1904–1921
Gegossenes, vergoldetes, ziseliertes und geprägtes Silber

Der Triumph Davids
David ist auf einem Triumphwagen dargestellt, Goliaths Kopf auf seinem
Schwert aufgespießt. Das Bild zeigt den Moment unmittelbar nach dem
Kampf mit dem Philisterriesen Goliath. Der kräftige junge Mann trägt
einen Beutel an der Seite, in dem er die fünf glänzenden Kieselsteine
aus dem Fluss aufbewahrt, mit denen er Goliath getötet hat. Nach dem
Kampf nahm David Goliaths Schwert, schlug ihm den Kopf ab und brachte
ihn zu König Saul nach Jerusalem. Der Heerführer Abner geleitete ihn zu
Saul.
Das Gemälde zeigt diesen zweiten Moment. David fährt auf einem
Triumphwagen, hinter ihm sitzt eine Person mit einem levantinischen
Turban, vermutlich General Abner. Vor ihm spielen einige Frauen
verschiedene Musikinstrumente. Für diesen musikalischen Empfang gibt es
im ersten Buch Samuel (1 Sam 17), das diese Episode schildert, keinen
Beleg. Er ist jedoch typisch für die biblische Tradition, wie etwa das
Danklied, das Mirjam und andere Frauen nach dem Durchzug durch das Rote
Meer sangen.

Salomons Urteil
David wurde von Salomo beerbt. Der König wird gerufen, um die wahre
Mutter eines Kindes zu bestimmen, das von zwei Frauen beansprucht wird.
Die Episode wird im 1. Buch der Könige (1 Kön 3,16–28) erzählt. Zwei
Prostituierte werden vor ihn gebracht. Sie berichten, dass sie beide,
wenige Tage nacheinander, Kinder geboren und im selben Haus geschlafen
haben. Eines Nachts starb eines der beiden Babys, und laut Anklage
tauschte eine der Frauen ihr totes Kind gegen das lebende der anderen
aus. Nachdem Salomo den Streit der beiden Frauen mitgehört hat,
befiehlt er, das Baby in zwei Hälften zu teilen, sodass jede Frau eine
Hälfte erhält. So erfährt Salomo sofort, wer die wahre Mutter ist:
nicht diejenige, die das Urteil billigt, sondern diejenige, die Salomo
inständig bittet, das Baby der anderen Frau zu geben und es aus Liebe
zu ihrem Sohn nicht zu töten. Im Gemälde ist alles szenisch
dargestellt. Auf der einen Seite ist Salomo auf seinem Thron zu sehen,
der befiehlt, das Baby in zwei Hälften zu teilen, auf der anderen Seite
zwei Frauen, von denen die Mutter den König anfleht, während die andere
verwirrt zusieht. Beide Gemälde stammen von demselben anonymen Künstler
im venezianischen Stil und datieren aus den ersten Jahrzehnten des 18.
Jahrhunderts.

Das Kreuz, bekannt als das „Kreuz des Bischofs Agnellus“
Geprägtes Silber auf einem Sockel aus Fichtenholz; 128 × 122 cm
Das Kreuz wird mit Bischof Agnellus (557–570 n. Chr.) in Verbindung
gebracht, wie eine Notiz im Liber pontificalis von Andrea Agnello aus
der Mitte des 9. Jahrhunderts belegt. Untersuchungen der ältesten
geprägten Silberfolienfiguren des Kreuzes lassen eine Datierung ins 12.
Jahrhundert erkennen. Ein Blick auf die Art der Gewänder genügt, um den
Unterschied zu jenen zu erkennen, die viele Heilige und Bischöfe auf
den Mosaiken von Ravenna aus dem 6. Jahrhundert tragen.

Prozessionskreuz des Meisters „Andrea“
Silberfolie mit gegossenen Seitenteilen auf mit transluzenter Emaille
überzogener Silberfolie; 43 × 33 cm (Seitenteile: 9 × 9 cm)
Die Inschriften auf dem Kreuz nennen den Namen des Stifters, Anastasio
Macarava, des Domschatzmeisters, der das Kreuz 1366 stiftete, und des
Goldschmieds Andreas, der es anfertigte. Die gegossenen Silberfiguren
an den Seitenarmen im betont expressionistischen Stil erinnern an die
Kultur der Emilia-Romagna. In Bologna ist der Goldschmied Andrea di
Bartolomeo nur durch Urkunden aus der Zeit von 1355 bis 1396 belegt.

DUOMO, 1734-1745: Diese barocke Kathedrale wurde nach dem Entwurf von
Gianfrancesco Buonamici (1692–1759) nach dem Abriss der alten Basilika
von Ursiana erbaut. Der Bau wurde Anfang des 5. Jahrhunderts von
Erzbischof Orso in Auftrag gegeben. Die Kathedrale ist in Form eines
lateinischen Kreuzes mit drei Schiffen angelegt und besitzt einen
großen Bogenportikus. Die neoklassizistische Kuppel mit elliptischem
Grundriss, die die ursprüngliche Kuppel in den Jahren 1780–1782
ersetzte, stammt von Giuseppe Pistocchi (1744–1814). Im Inneren
befindet sich ein Marmorambo aus der Zeit von Bischof Agnello
(557–570). Der runde Glockenturm stammt aus dem 10. Jahrhundert.
ERZBISCHOFSPALAST, 3.-16. Jahrhundert und später
Der in der Neuzeit hinter der Kathedrale wiederaufgebaute Teil schließt
sich nahtlos an den ältesten Teil der Gebäude an, die einst als
Residenz des Bischofs Orso (3.–5. Jahrhundert) dienten. 1896, nach
einem Entwurf von Luigi Capanna, präsentiert sich der Platz heute so,
wie er heute ist. Im Inneren befinden sich die Sammlung des
Erzbischöflichen Museums und Gemälde von Girolamo Curti (1570–1631).
Durch den Portikus des Eingangs, im „Garten des Erzbischofs“, erblickt
man die Außenseite der Kapelle „Sant’Andrea“ (5. Jahrhundert), deren
Inneres mit prächtigen Mosaiken geschmückt ist, sowie den massiven
Salustra-Turm (2.–3. Jahrhundert), möglicherweise ein Überrest eines
römischen Portals und vermutlich das „Castellum aquae“ des
Trajana-Aquädukts.

Quadrarco di Braccioforte
Der Quadrarco di Braccioforte ist kein imposantes Monument, sondern
vielmehr eine stimmungsvolle, offene Oase der Geschichte. Unmittelbar
neben Dantes Grabmal (Tomba di Dante) und der Basilika San Francesco
gelegen, bildet er einen ruhigen, grünen Rückzugsort, der an einen
geheimen Garten erinnert. Er ist eine ehemalige Grabstätte, die einst
zum Franziskanerkloster gehörte, und bietet einen Ort der besinnlichen
Stille im Herzen der „Zone der Stille“ (Zona del Silenzio).
Nahe Dantes Grabmal kann man diesen prächtigen Garten bewundern. Im
Quadrarco, rechts vom Eingang, befinden sich die Sarkophage „Pignatta“
und „Traversari“. Beide stammen aus dem 5. und 6. Jahrhundert und
wurden später für die Bestattung von Mitgliedern adliger Familien aus
Ravenna wiederverwendet, von denen sie ihre Namen haben. Drei weitere,
schlichter verzierte Sarkophage stehen im angrenzenden kleinen Garten,
wo sich ein grüner Hügel erhebt, der an den Ort erinnert, an dem Dantes
Gebeine während des Zweiten Weltkriegs aufbewahrt wurden.

Basilica di San Francesco an der Piazza San Francesco
Rechts die Krypta von Rasponi und die Hängenden Gärten des
Provinzialpalastes (Die Krypta von Rasponi und die Hängenden Gärten des
Provinzialpalastes)

Der Palazzo della Provincia,
erbaut zwischen 1925 und 1928 nach den Plänen des Architekten Giulio
Ulisse Arata aus Piacenza, ist ein Beispiel neoromantischer Architektur
mit Anklängen an den byzantinischen Stil.
Der Palazzo Provincia entstand auf den Ruinen eines Gebäudes aus dem
17. Jahrhundert, das der Familie Rasponi gehörte und 1922 von einer
Gruppe Faschisten in Brand gesteckt wurde, da es damals Sitz des
Genossenschaftsverbandes war. Bis 1886 diente der Palast als
Patrizierhaus, bevor er zum bekannten Hotel Byron wurde. Von dem
ehemaligen Gebäude sind die Krypta und die Dachgärten erhalten
geblieben. Die vier asymmetrischen Baukörper des Palastes gruppieren
sich um den Innengarten, der durch eine malerische Quelle und einen
neugotischen Turm zusätzlich aufgewertet wird.
Der Palast überblickt die Piazza Caduti per la Libertà und die Piazza
San Francesco, deren monumentale Säulenhalle mit spätbyzantinischen
Elementen, die sich harmonisch in die romanische Fassade der Basilika
einfügt, zum Ehreneingang führt. Der Eingang von der Piazza San
Francesco mündet in ein Vestibül mit einer majestätischen Treppe, die
mit Galerien für Frauen und kunstvoll geschnitzten Marmorbalustraden
mit originalen Fragmenten aus dem Mittelalter verziert ist. In den
1930er Jahren, nach dem Bau der nahegelegenen Piazza Littoria (heute
Piazza Caduti), wurde der Palast umgebaut. Die Ostfassade wurde zum
neuen Haupteingang und erhielt zu diesem Anlass eine prächtige weiße
Marmorverkleidung. Der Ratssaal, dessen Sockel mit Marmorintarsien
verziert ist, besticht durch eine hölzerne Kassettendecke und Fresken
entlang des lünettenförmigen Abschlusses. Im Konferenzraum des
Präsidenten zeigen die Wandgemälde von Antonio Morocutti und Giovanni
Majoli die wichtigsten typischen Tätigkeiten in der Provinz Ravenna,
wie Landwirtschaft, Töpferei, Salzgewinnung und Bauernmarkt.

Centro storico Ravenna, Piazza del Popolo
Colonna di San Vitale (links) und Colonna di Sant'Apollinare (rechts)

Comune di Ravenna an der Piazza del Popolo

Dieses prächtige mittelalterliche Rathaus wurde Ende des 13.
Jahrhunderts (1280–1288) erbaut, kurz darauf gefolgt vom nahegelegenen
Palast des Apostolischen Legaten. In dieser Zeit begann man, die
heutige Piazza del Popolo als Zentrum der öffentlichen Macht und der
städtischen Repräsentation zu begreifen. Ihre Gestaltung wurde im 15.
Jahrhundert abgeschlossen, nachdem der Fluss Padenna zugeschüttet und
der allgemeine Stadtplan festgelegt worden war: Der Platz erhielt nun
die Proportionen des Lateinischen Forums, wie sie Leon Battista Alberti
in seiner Abhandlung „De re aedificatoria“ (um 1450) vorschrieb.

Chiesa di Santa Maria del Suffragio und Banca Nazionale Del Lavoro an
der Piazza del Popolo

Ravenna wird auch die 'Mosaikhauptstadt' genannt und so sind die
Altstadtgassen stilecht mit mosaikbesetzten Straßenschildern versehen.
Knapp 100 dieser Schilder stammen aus der Hand bzw. dem Labor von Anna
Fietta, einer ortsansässigen Künstlerin mit einem großen Team an
MosaikkünstlerInnen.

Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag,
kann sich gerne dieses Video antun: