Schwarzenau

im Waldviertel, November 2023

Schwarzenau ist eine Marktgemeinde mit knapp 1500 Einwohnern im Bezirk Zwettl im Waldviertel in Niederösterreich und wird von der Deutschen Thaya durchflossen.Ein Renaissanceschloss mitten im Ortsgebiet ist das Wahrzeichen von Schwarzenau.

 Schwarzenau, November 2023

Schwarzenau wurde 1150 erstmals urkundlich erwähnt. Im 12. Jahrhundert war der Ort Hoheitsgebiet der Kuenringer. 1197 errichtete Pilgrim de Swarcenave eine Wasserburg zum Schutz des Fernweges Wien-Gmünd nach Böhmen. 1592 Schloss- und Kapellenbau unter den Herren von Streun. 1891 fand das 3-Kaiser-Kaiser-Treffen statt: Franz-Joseph I von Österreich, Wilhelm II von Preußen und Albert I von Sachsen

 Schwarzenau, November 2023

Das Schloss Schwarzenau ist ein Renaissanceschloss, umgeben von einem Park, inmitten der Gemeinde Schwarzenau in Niederösterreich. Die ursprünglich an dieser Stelle stehende Burg Swarcenawe wird 1150 das erste Mal urkundlich erwähnt. Als Erbauer gilt der 1197 erwähnte Pilgrim von Schwarzenau, ein Gefolgsmann von Hadmar II. von Kuenring. Seine Burg war eine viertürmige Wasserburg zum Schutz der alten Straße Horn – Schrems – Gmünd.

Nach verschiedenen Lehnsherren wie den Grafen von Plain-Hardegg und den Grafen von Görz-Tirol wurde die Herrschaft 1500 landesfürstlich. Um 1580 und 1592 wurde die Burg unter Verwendung vorhandener Teile zu einem Renaissance-Wasserschloss ausgebaut. Bauherr wird Reichard Streun, ein Nachkomme von Pilgrim, gewesen sein. Reichard hatte in Padua studiert und wirkte später als Diplomat und Geschichtsschreiber am Hof von Matthias Corvinus. Der Stil erinnert an die Villen, die er in Italien kennenlernte.

 Schwarzenau, November 2023

Von 1261 bis 1636 blieb das Schloss im Besitz der Familie derer von Strein (auch Streun), die zu den Apostelgeschlechtern gehören und zu der auch Reichard Streun von Schwarzenau (1538–1600) auf Schloss Freydegg gehörte. In diesem Jahr wurde es aufgrund der finanziellen Lage an Karl Ulrici von Gänghofen verkauft. Bereits 1663 war das Schloss aufgrund seiner Wehrhaftigkeit als Zufluchtsstätte vor den herannahenden Türken bestimmt worden. 1664 kaufte Georg Friedrich von Lindenspür die Herrschaft. Seine Tochter lebte dort mit ihrem Mann Jakob Leopold Freiherr Thavonat von Thavon. Ihre Erbtochter wiederum heiratete Franz Adam Graf von Pollheim (Polheim). Nach einem Brand im Jahr 1835 wurde der Osttrakt neu errichtet. Der schwer beschädigte Südtrakt wurde ebenfalls restauriert. Die wertvollen Stuckarbeiten aus dem 18. Jahrhundert in den Repräsentationsräumen verdankt das Schloss Franz Adam Graf von Polheim.

Während des Zweiten Weltkriegs wurde es als Flüchtlingsheim genutzt, danach wurde es von der sowjetischen Besatzungsmacht übernommen. Sowohl in deutschem als auch in sowjetischem Besitz wurde es stark in Mitleidenschaft gezogen und das Inventar an andere Orte verbracht. So wurden Teile des Dachstuhles verheizt und Zwischenwände herausgerissen.

 Schwarzenau, November 2023

Nach dem Staatsvertrag kam das Schloss in private Hände und wurde restauriert. Ab 1991 war es wieder für Ausstellungen öffentlich zugängig. 2019 wurde die Schlossanlage von der bulgarischen Monbat-Gruppe erworben, die noch im selben Jahr mit Sanierungsarbeiten begann.

Bemerkenswert an diesem Schloss ist die zweigeschossige Schlosskapelle, die zwar in der Besatzungszeit stark beschädigt wurde, heute aber oft durch ihr Ambiente für Hochzeiten genutzt wird. Die Stuckarbeiten wurden von dem Italiener Giovanni Battista d’Allio in den Jahren 1720 bis 1732 geschaffen. Auch die Prunkräume in den Türmen und im Westtrakt wurden mit reichen Stuckverzierungen durch ihn ausgestattet, wie das sogenannte Spielzimmer im Nordturm oder der Marmorsaal. Aber auch Nebengebäude wie die heutige Schlosstaverne, in der früher das hohe Gericht tagte, sind mit Stuckornamenten verziert.

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Ende des 19. Jh. fand ein wirtschaftlicher Aufschwung durch den Bau der Franz-Josef-Bahn, sowie der abzweigenden Zwettler- und Waidhofner-Bahn statt. 1903 Errichtung der neugotischen Pfarrkirche in Schwarzenau. 1934 selbstständige Pfarre (vorher eine Pfarre mit Großhaselbach, diese besteht bereits seit dem 14. Jh.). 1972 Gemeindezusammenlegung mit Großhaselbach, Hausbach und Stögersbach.

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Die römisch-katholische Pfarrkirche Schwarzenau steht in der Ortsmitte der Marktgemeinde Schwarzenau im Bezirk Zwettl in Niederösterreich. Die dem Patrozinium Herz Mariä unterstellte Pfarrkirche gehört zum Dekanat Waidhofen an der Thaya in der Diözese St. Pölten. Die Kirche steht unter Denkmalschutz.

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Der neogotische Kirchenbau nach den Plänen des Baumeisters Alois Klee wurde 1903 geweiht. Anlässlich der Erhebung zur Pfarre 1934 wurde die Kirche erweitert. 1959 wurde die Kirche innen restauriert.

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Der Kirchenbau zeigt sich einheitlich mit einer durchgehend gequaderten Fassade mit abgetreppten Strebepfeilern und Spitzbogenfenstern und einem übergiebelten Portal. Der Fassadenturm trägt einen hohen Spitzhelm. Das Kircheninnere zeigt im Langhaus ein holzverkleidetes Spitztonnengewölbe. Der Triumphbogen ist spitzbogig. Der Chor hat einen Vierseitschluss. Die neugotischen Glasmalereien entstanden 1901.

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Die Einrichtung ist neugotisch gestaltet. Der Taufstein nennt 1933. Die Orgel baute Johann M. Kauffmann 1948.

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In der Gemeinde Schwarzenau befinden sich außerdem Marterl und Kleindenkmäler.

 Schwarzenau, November 2023




Wem der viele Text zu lange war und lieber Bewegtbilder mit Musik mag, kann sich gerne dieses Video antun: