St. Gallen

in der Schweiz, August 2017

Die Stadt St. Gallen (Eigenschreibweise St.Gallen, schweizerdeutsch Sanggale, italienisch San Gallo, französisch Saint-Gall, rätoromanisch Sogn Gagl) fungiert heute als das kulturelle und wirtschaftliche Zentrum der Ostschweiz und gilt als Ostschweizer Metropole. Der Stadtname stammt von dem Wandermönch Gallus, weswegen die Stadt auch Gallusstadt genannt wird. Touristisch interessant ist die Stadt aufgrund der Stiftskirche und der Stiftsbibliothek, die von der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.

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Gallusbrunnen und Gallusplatz

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Die Stiftskirche und Kathedrale St. Gallen (eigentlich Stiftskirche St. Gallus und Otmar) ist ein römisch-katholischer Kirchenbau in der Stadt St. Gallen in der Schweiz und seit 1847 Kathedrale des Bistums St. Gallen und Pfarrkirche der Dompfarrei. Zuvor war sie die Stiftskirche des 1805 aufgehobenen Benediktinerklosters St. Gallen. Der zwischen 1755 und 1766 errichtete barocke Neubau wurde zusammen mit dem Stiftsbezirk 1983 als UNESCO-Welterbe in die Liste der schützenswerten Weltkulturgüter aufgenommen.

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Die Ostfassade mit ihren zwei 68 m hohen Türmen ist auf die Pfalzgebäude ausgerichtet. Die von zwei Türmen flankierte Fassade springt in der Mitte vor. Die Türme wachsen ab dem zweiten Geschoss frei empor. Dreifache Pilaster begleiten die abgeschrägten Geschossecken. Die Pilaster sind unten ionisch, im Mittelgeschoss korinthisch und im dritten Geschoss Kompositpilaster. Das zweite Turmgeschoss nimmt Ziffernblätter auf, das dritte doppelte Schallarkaden. Alle sonstigen Öffnungen sind als Blendöffnungen ausgeführt. In der Mitte trennen Halbsäulen die konvex gebogene Mitte und die konkaven Nebenachsen. Das pilastergegliederte Giebelgeschoss ist niedriger. In Verlängerung der Säulen stehen auf Postamenten Statuen der Heiligen Desiderius und Mauritius. Der Volutengiebel mit mehrfach geschwungenem Umriss zeigt die halbplastische Himmelfahrt und Krönung Mariens durch Christus und Gottvater. Eine zwiebelbekrönte Laterne schließt den Giebel ab. Die Fassade besitzt kein Portal.

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Altarbereich unter der Rotunde; mit Kathedra des Bischofs, Zelebrationsaltar und Ambo

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Die Stiftskirche verfügt über drei Orgeln: die grosse Domorgel auf der Westempore sowie die Epistel- und die Evangelienorgel im Chor. Im Zuge der Gesamtrestaurierung der Kirche (1961 bis 1967) wurde die heutige Hauptorgel konzipiert und 1968 durch Orgelbau Kuhn (Männedorf) gebaut. Von der alten Orgel Franz Joseph Froschs aus dem Jahr 1815 wurden die beiden seitlichen Pedaltürme übernommen. Im Übrigen wurde der Aufbau völlig neu entworfen. Das Instrument hat Schleifladen, mechanische Spieltraktur und elektrische Registertraktur.

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Die Deckengemälde sind das Werk Joseph Wannenmachers. Jene in der Flachkuppel der Rotunde zeigen die Ankunft Gottes in Gegenwart der Seligen, während in den Schiffskuppeln Gallus, Otmar, Magnus und Wiborada, die großen Gestalten der Geschichte des Klosters, dargestellt sind.

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Die malerische und plastische Ausstattung zwischen Rokoko und Klassizismus ist das Werk süddeutscher Meister. Die Stuckaturen stammen von den Gebrüdern Johann und Mathias Gigl, die Stuckreliefs von Johann Christian Wentzinger.

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Das Doppel-Chorgestühl mit Reliefs aus dem Leben des heiligen Benedikt sowie die acht Beichtstühle im Schiff gehen auf Joseph Anton Feuchtmayer zurück. Die geschnitzten Bankdocken im Schiff sowie die vier Altäre in der Rotunde und ihre Figuren schuf Fidel Sporer. Die Kanzel fertigte Josef Anton Dirr 1786 nach einem Entwurf Feuchtmayers an. Josef Simon Moosbrugger baute 1808–1810 den Hochaltar und die Orgelempore in klassizistischen Formen.

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Die St. Gallener Stiftskirche St. Gallus und Otmar stellt ein Musterbeispiel für die Verbindung von Längsbau und Zentralbau dar. Ihre mittig angeordneten, gekurvten Querarme sind charakteristisch für die spätbarocke Sakralbaukunst: Ähnliche Lösungen finden sich in Neresheim (dort im Außenbau rechteckig ummantelt), Wiblingen bei Ulm oder bei der Wallfahrtskirche Birnau. Langhaus und Chor mit ihren Wandpfeilern stehen in der Tradition des Vorarlberger Münsterschemas. Der Verzicht auf Kurvungen in Langhaus und Chor weist auf den Klassizismus. Emporen fehlen.

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Der Grundriss zeigt einen dreischiffigen Längsbau mit zentraler, segmentförmig vorwölbender Rotunde. Langhaus und Chor bestehen jeweils aus drei breitrechteckigen Jochen. Demgegenüber weisen die vier Vierungspfeiler ein Längsrechteck aus. Im Osten und Westen schließen Apsiden den Raum ab. Der große, hell beleuchtete Raum wird in seiner ganzen Länge von Nebenräumen oder Abseiten begleitet. In Langhaus und Chor sind diese durch hohe Durchgänge verbunden. So entsteht der Eindruck von Seitenschiffen. Im Gegensatz zu den Langhausabseiten sind die Abseiten im Bereich der Rotunde gekurvt, die Durchgänge sind niedrig. Die höheren Fenster der Zentralrotunde führen zu gestelzten Gewölbeansätzen. Gedeckt werden die Abseiten der Rotunde durch Flachkuppeln, sonst durch Quertonnen. Prägend für den Gesamteindruck sind die mit Pilastern besetzten Wandpfeiler. Deren Gebälk wird an den Pfeilerflanken bis zur Langhauswand geführt. Besonders herausgehoben sind die Vierungspfeiler. Sie wachsen auf mehreckigem Grundriss empor und werden von Doppelpilasterpaaren ummantelt. Im Westen befindet sich die mit einer geraden Brüstung versehenen Orgelempore. Toskanische Säulen tragen die Empore.

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Die Kathedrale St.Gallen ist gleichzeitig Pfarrkirche der Dompfarrei und Bistumskirche des 1847 gegründeten Bistums St.Gallen. Sie steht dort, wo 612 der irische Wandermönch Gallus eine Einsiedelei errichtete. Die Kathedrale und die barocke Klosteranlage wurden in der Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. 1805 hob der neu gegründete Kanton St.Gallen das Kloster auf und übertrug die Verwaltung der kirchlichen Güter dem Katholischen Konfessionsteil. Die Kathedrale bildet mit dem Stiftsbezirk, insbesondere mit der Stiftsbibliothek und dem Stiftsarchiv, den Kern des Unesco-Weltkulturerbes.

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Deckenfresko von Joseph Wannenmacher in der Rotunde

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Chorgestühl der Mönche des ehemaligen Benediktinerklosters im Chorraum der Kirche

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Kathedrale St. Gallen - Prächtige katholische Barockkirche mit 68 m hohen Doppeltürmen aus dem 18. Jh. im UNESCO-Erbe Stiftsbezirk.

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Im Stiftsbezirk befindet sich die Stiftskirche St. Gallus und Othmar, heute auch Kathedrale des Bistums St. Gallen. Sie gilt als Wahrzeichen der Stadt.

Ostfassade der Stiftskirche mit den charakteristischen Doppeltürmen

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Im Vordergrund: Stiftsarchiv St. Gallen
Dahinter: In der keine hundert Meter entfernten St.-Laurenzen-Kirche wurde während Jahrhunderten die Politik von Fürstabtei und Stadt St. Gallen bestimmt.

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Die reformierte Kirche St. Laurenzen in der Innenstadt wurde 1851 neugotisch umgebaut, im Kern stammt dieses Bauwerk von 1413 bis 1422. Die Kirche St. Laurenzen ist die evangelisch-reformierte Pfarrkirche der Stadt St. Gallen. Der Bau der ersten Kirche kann auf die Mitte des 12. Jahrhunderts datiert werden. Die Kirche war über Jahrhunderte das politische, religiöse und gesellschaftliche Zentrum der Stadtrepublik St. Gallen und hat die Geschichte der Stadt nachhaltig geprägt. Noch heute ist sie der Versammlungsraum der Ortsbürger der Stadt. Die Kirche ist dem Märtyrer Laurentius von Rom als Namenspatron gewidmet; sie steht unter eidgenössischem Denkmalschutz und gilt als Baudenkmal von nationaler Bedeutung.

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Kuhn-Orgel (1979/2007) - 1979 baute die Firma Orgelbau Kuhn aus Männedorf ein neues Instrument mit 45 Registern auf drei Manualen und Pedal. Die Orgel steht auf der Ostempore über dem Chorraum vorne in der Kirche. Das Unterwerk im Schwellkasten befindet sich im Untergeschoss unter der Empore; der Klangaustritt erfolgt durch die Kreuzgitter-Füllungen der durchlaufenden Frontverkleidung. 2007 führte die Erbauerfirma Dispositionsänderungen durch und erweiterte die Orgel mit einer Setzeranlage (2'500 Kombinationen).

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St. Laurenzen - Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert mit Basilika im neugotischen Stil von 1850.

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Es handelt sich um eine flachgedeckte Pfeilerbasilika mit an den Längsseiten angebauten Emporentrakten. Diese Emporen ruhen auf nach aussen offenen Arkaden, den ehemaligen «Fischbänken», welche aber nach innen geschlossen sind. Die Kirche besitzt im Erdgeschoss drei und in den Emporenbereichen fünf Schiffe. In der Flucht des Hauptschiffes, und an dieses anfügend, befindet sich der einschiffige, rechteckige Chor. Nördlich an den Chor, leicht vorspringend, schliesst sich der Turm an. Gegenüber vom Turm, neben dem Chor, befindet sich ein quadratischer, sowohl zum Chor wie zum Schiff offener, kapellenartiger Nebenraum. Der Nebenraum bildet das siebte Joch des Seitenschiffes. Es ist kein Chorbogen vorhanden, denn das Langhaus geht ohne Bogentrennung in den Chor über. Die Emporen fangen erst beim zweiten Joch des Schiffes an. Die Südempore ist sechsgliedrig und besitzt ein Joch mehr als die Langhauspartie, an die sie anschliesst. Die gegenüberliegende Nordempore besitzt fünf Joche und stimmt in dieser Hinsicht mit der Schiffseinteilung überein. Im ersten Joch des Langschiffes (Ostseite) befindet sich eine Orgelempore. Die Sakristei ist im Erdgeschoss des Turms untergebracht. Der Turm ruht auf einem viereckigen Schaft, geht dann in ein oktogonales Obergeschoss über und hat einen Spitzhelm.

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In der Altstadt fallen die kunstvoll verzierten Erker auf, die von den Reisen der St. Galler Textilkaufleute des 18. und 19. Jahrhunderts in alle Welt zeugen. Sie erinnern an die Bedeutung St. Gallens im Leinwand- und Stickereigewerbe.

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Die Gründungslegende um den Heiligen Gallus wird ins Jahr 612 nach Christus datiert. Die Gründung der Abtei St. Gallen ist für das Jahr 719 durch Otmar nachgewiesen. Auch zur Umbettung des vom benachbarten Bischof verurteilten Otmars gibt es eine weitere Legende. 1180 wurde St. Gallen zur Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs. 1291 gewährte Abt Wilhelm von Montfort den Burgern der Stadt die in einer «Handfeste» niedergelegten Rechte. 1319 wurde mit den Städten Lindau und Überlingen ein Bund gegründet, der im Verlauf der folgenden Jahrhunderte in die Bodenseeregion hinein ausgeweitet wurde. 1349 brach in der Stadt die Pest aus. Die Appenzeller und die Schwyzer schlossen 1403 ein Landrecht, um den Freiheitskampf gegen den Fürstabt zu führen. Erst König Ruprecht erklärte den Bodensee-Bund für aufgelöst. Am 23. Juni 1454 schworen die St. Galler den Beitritt zur Eidgenossenschaft, wofür sie dem Abt 1457 eine Ablöse bezahlen mussten.

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Die von der Stadt angenommene Reformation führte zu einem langjährigen Streit zwischen Bürgerschaft/Stadt und dem Fürstabt im Klosterhof, dem das ganze, nun katholische Umland gehörte. Beigelegt wurde dieser Streit erst nach der Gründung des Kantons; noch im 19. Jahrhundert gab es tiefe konfessionelle Gräben zwischen der Stadt und den Vorortgemeinden.

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