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Die Stadt St. Gallen (Eigenschreibweise St.Gallen,
schweizerdeutsch Sanggale, italienisch San Gallo, französisch
Saint-Gall, rätoromanisch Sogn Gagl) fungiert heute als das kulturelle
und wirtschaftliche Zentrum der Ostschweiz und gilt als Ostschweizer
Metropole. Der Stadtname stammt von dem Wandermönch Gallus, weswegen
die Stadt auch Gallusstadt genannt wird. Touristisch interessant ist
die Stadt aufgrund der Stiftskirche und der Stiftsbibliothek, die von
der UNESCO in die Liste des Weltkulturerbes aufgenommen wurde.


Gallusbrunnen und Gallusplatz



Die Stiftskirche und Kathedrale St. Gallen (eigentlich Stiftskirche St.
Gallus und Otmar) ist ein römisch-katholischer Kirchenbau in der Stadt
St. Gallen in der Schweiz und seit 1847 Kathedrale des Bistums St.
Gallen und Pfarrkirche der Dompfarrei. Zuvor war sie die Stiftskirche
des 1805 aufgehobenen Benediktinerklosters St. Gallen. Der zwischen
1755 und 1766 errichtete barocke Neubau wurde zusammen mit dem
Stiftsbezirk 1983 als UNESCO-Welterbe in die Liste der schützenswerten
Weltkulturgüter aufgenommen.

Die Ostfassade mit ihren zwei 68 m hohen Türmen ist auf die
Pfalzgebäude ausgerichtet. Die von zwei Türmen flankierte Fassade
springt in der Mitte vor. Die Türme wachsen ab dem zweiten Geschoss
frei empor. Dreifache Pilaster begleiten die abgeschrägten
Geschossecken. Die Pilaster sind unten ionisch, im Mittelgeschoss
korinthisch und im dritten Geschoss Kompositpilaster. Das zweite
Turmgeschoss nimmt Ziffernblätter auf, das dritte doppelte
Schallarkaden. Alle sonstigen Öffnungen sind als Blendöffnungen
ausgeführt. In der Mitte trennen Halbsäulen die konvex gebogene Mitte
und die konkaven Nebenachsen. Das pilastergegliederte Giebelgeschoss
ist niedriger. In Verlängerung der Säulen stehen auf Postamenten
Statuen der Heiligen Desiderius und Mauritius. Der Volutengiebel mit
mehrfach geschwungenem Umriss zeigt die halbplastische Himmelfahrt und
Krönung Mariens durch Christus und Gottvater. Eine zwiebelbekrönte
Laterne schließt den Giebel ab. Die Fassade besitzt kein Portal.

Altarbereich unter der Rotunde; mit Kathedra des Bischofs, Zelebrationsaltar und Ambo

Die Stiftskirche verfügt über drei Orgeln: die grosse Domorgel auf der
Westempore sowie die Epistel- und die Evangelienorgel im Chor. Im Zuge
der Gesamtrestaurierung der Kirche (1961 bis 1967) wurde die heutige
Hauptorgel konzipiert und 1968 durch Orgelbau Kuhn (Männedorf) gebaut.
Von der alten Orgel Franz Joseph Froschs aus dem Jahr 1815 wurden die
beiden seitlichen Pedaltürme übernommen. Im Übrigen wurde der Aufbau
völlig neu entworfen. Das Instrument hat Schleifladen, mechanische
Spieltraktur und elektrische Registertraktur.

Die Deckengemälde sind das Werk Joseph Wannenmachers. Jene in der
Flachkuppel der Rotunde zeigen die Ankunft Gottes in Gegenwart der
Seligen, während in den Schiffskuppeln Gallus, Otmar, Magnus und
Wiborada, die großen Gestalten der Geschichte des Klosters, dargestellt
sind.

Die malerische und plastische Ausstattung zwischen Rokoko und
Klassizismus ist das Werk süddeutscher Meister. Die Stuckaturen stammen
von den Gebrüdern Johann und Mathias Gigl, die Stuckreliefs von Johann
Christian Wentzinger.

Das Doppel-Chorgestühl mit Reliefs aus dem Leben des heiligen Benedikt
sowie die acht Beichtstühle im Schiff gehen auf Joseph Anton
Feuchtmayer zurück. Die geschnitzten Bankdocken im Schiff sowie die
vier Altäre in der Rotunde und ihre Figuren schuf Fidel Sporer. Die
Kanzel fertigte Josef Anton Dirr 1786 nach einem Entwurf Feuchtmayers
an. Josef Simon Moosbrugger baute 1808–1810 den Hochaltar und die
Orgelempore in klassizistischen Formen.

Die St. Gallener Stiftskirche St. Gallus und Otmar stellt ein
Musterbeispiel für die Verbindung von Längsbau und Zentralbau dar. Ihre
mittig angeordneten, gekurvten Querarme sind charakteristisch für die
spätbarocke Sakralbaukunst: Ähnliche Lösungen finden sich in Neresheim
(dort im Außenbau rechteckig ummantelt), Wiblingen bei Ulm oder bei der
Wallfahrtskirche Birnau. Langhaus und Chor mit ihren Wandpfeilern
stehen in der Tradition des Vorarlberger Münsterschemas. Der Verzicht
auf Kurvungen in Langhaus und Chor weist auf den Klassizismus. Emporen
fehlen.

Der Grundriss zeigt einen dreischiffigen Längsbau mit zentraler,
segmentförmig vorwölbender Rotunde. Langhaus und Chor bestehen jeweils
aus drei breitrechteckigen Jochen. Demgegenüber weisen die vier
Vierungspfeiler ein Längsrechteck aus. Im Osten und Westen schließen
Apsiden den Raum ab. Der große, hell beleuchtete Raum wird in seiner
ganzen Länge von Nebenräumen oder Abseiten begleitet. In Langhaus und
Chor sind diese durch hohe Durchgänge verbunden. So entsteht der
Eindruck von Seitenschiffen. Im Gegensatz zu den Langhausabseiten sind
die Abseiten im Bereich der Rotunde gekurvt, die Durchgänge sind
niedrig. Die höheren Fenster der Zentralrotunde führen zu gestelzten
Gewölbeansätzen. Gedeckt werden die Abseiten der Rotunde durch
Flachkuppeln, sonst durch Quertonnen. Prägend für den Gesamteindruck
sind die mit Pilastern besetzten Wandpfeiler. Deren Gebälk wird an den
Pfeilerflanken bis zur Langhauswand geführt. Besonders herausgehoben
sind die Vierungspfeiler. Sie wachsen auf mehreckigem Grundriss empor
und werden von Doppelpilasterpaaren ummantelt. Im Westen befindet sich
die mit einer geraden Brüstung versehenen Orgelempore. Toskanische
Säulen tragen die Empore.


Die Kathedrale St.Gallen ist gleichzeitig Pfarrkirche der Dompfarrei
und Bistumskirche des 1847 gegründeten Bistums St.Gallen. Sie steht
dort, wo 612 der irische Wandermönch Gallus eine Einsiedelei
errichtete. Die Kathedrale und die barocke Klosteranlage wurden in der
Mitte des 18. Jahrhunderts erbaut. 1805 hob der neu gegründete Kanton
St.Gallen das Kloster auf und übertrug die Verwaltung der kirchlichen
Güter dem Katholischen Konfessionsteil. Die Kathedrale bildet mit dem
Stiftsbezirk, insbesondere mit der Stiftsbibliothek und dem
Stiftsarchiv, den Kern des Unesco-Weltkulturerbes.

Deckenfresko von Joseph Wannenmacher in der Rotunde


Chorgestühl der Mönche des ehemaligen Benediktinerklosters im Chorraum der Kirche

Kathedrale St. Gallen - Prächtige katholische Barockkirche mit 68 m
hohen Doppeltürmen aus dem 18. Jh. im UNESCO-Erbe Stiftsbezirk.

Im Stiftsbezirk befindet sich die Stiftskirche St. Gallus und Othmar,
heute auch Kathedrale des Bistums St. Gallen. Sie gilt als Wahrzeichen
der Stadt.
Ostfassade der Stiftskirche mit den charakteristischen Doppeltürmen

Im Vordergrund: Stiftsarchiv St. Gallen
Dahinter: In der keine hundert Meter entfernten St.-Laurenzen-Kirche
wurde während Jahrhunderten die Politik von Fürstabtei und Stadt St.
Gallen bestimmt.

Die reformierte Kirche St. Laurenzen in der Innenstadt wurde 1851
neugotisch umgebaut, im Kern stammt dieses Bauwerk von 1413 bis 1422.
Die Kirche St. Laurenzen ist die evangelisch-reformierte Pfarrkirche
der Stadt St. Gallen. Der Bau der ersten Kirche kann auf die Mitte des
12. Jahrhunderts datiert werden. Die Kirche war über Jahrhunderte das
politische, religiöse und gesellschaftliche Zentrum der Stadtrepublik
St. Gallen und hat die Geschichte der Stadt nachhaltig geprägt. Noch
heute ist sie der Versammlungsraum der Ortsbürger der Stadt. Die Kirche
ist dem Märtyrer Laurentius von Rom als Namenspatron gewidmet; sie
steht unter eidgenössischem Denkmalschutz und gilt als Baudenkmal von
nationaler Bedeutung.

Kuhn-Orgel (1979/2007) - 1979 baute die Firma Orgelbau Kuhn aus
Männedorf ein neues Instrument mit 45 Registern auf drei Manualen und
Pedal. Die Orgel steht auf der Ostempore über dem Chorraum vorne in der
Kirche. Das Unterwerk im Schwellkasten befindet sich im Untergeschoss
unter der Empore; der Klangaustritt erfolgt durch die
Kreuzgitter-Füllungen der durchlaufenden Frontverkleidung. 2007 führte
die Erbauerfirma Dispositionsänderungen durch und erweiterte die Orgel
mit einer Setzeranlage (2'500 Kombinationen).

St. Laurenzen - Kirchenbau aus dem 15. Jahrhundert mit Basilika im neugotischen Stil von 1850.


Es handelt sich um eine flachgedeckte Pfeilerbasilika mit an den
Längsseiten angebauten Emporentrakten. Diese Emporen ruhen auf nach
aussen offenen Arkaden, den ehemaligen «Fischbänken», welche aber nach
innen geschlossen sind. Die Kirche besitzt im Erdgeschoss drei und in
den Emporenbereichen fünf Schiffe. In der Flucht des Hauptschiffes, und
an dieses anfügend, befindet sich der einschiffige, rechteckige Chor.
Nördlich an den Chor, leicht vorspringend, schliesst sich der Turm an.
Gegenüber vom Turm, neben dem Chor, befindet sich ein quadratischer,
sowohl zum Chor wie zum Schiff offener, kapellenartiger Nebenraum. Der
Nebenraum bildet das siebte Joch des Seitenschiffes. Es ist kein
Chorbogen vorhanden, denn das Langhaus geht ohne Bogentrennung in den
Chor über. Die Emporen fangen erst beim zweiten Joch des Schiffes an.
Die Südempore ist sechsgliedrig und besitzt ein Joch mehr als die
Langhauspartie, an die sie anschliesst. Die gegenüberliegende
Nordempore besitzt fünf Joche und stimmt in dieser Hinsicht mit der
Schiffseinteilung überein. Im ersten Joch des Langschiffes (Ostseite)
befindet sich eine Orgelempore. Die Sakristei ist im Erdgeschoss des
Turms untergebracht. Der Turm ruht auf einem viereckigen Schaft, geht
dann in ein oktogonales Obergeschoss über und hat einen Spitzhelm.

In der Altstadt fallen die kunstvoll verzierten Erker auf, die von den
Reisen der St. Galler Textilkaufleute des 18. und 19. Jahrhunderts in
alle Welt zeugen. Sie erinnern an die Bedeutung St. Gallens im
Leinwand- und Stickereigewerbe.


Die Gründungslegende um den Heiligen Gallus wird ins Jahr 612 nach
Christus datiert. Die Gründung der Abtei St. Gallen ist für das Jahr
719 durch Otmar nachgewiesen. Auch zur Umbettung des vom benachbarten
Bischof verurteilten Otmars gibt es eine weitere Legende. 1180 wurde
St. Gallen zur Reichsstadt des Heiligen Römischen Reichs. 1291 gewährte
Abt Wilhelm von Montfort den Burgern der Stadt die in einer «Handfeste»
niedergelegten Rechte. 1319 wurde mit den Städten Lindau und Überlingen
ein Bund gegründet, der im Verlauf der folgenden Jahrhunderte in die
Bodenseeregion hinein ausgeweitet wurde. 1349 brach in der Stadt die
Pest aus. Die Appenzeller und die Schwyzer schlossen 1403 ein
Landrecht, um den Freiheitskampf gegen den Fürstabt zu führen. Erst
König Ruprecht erklärte den Bodensee-Bund für aufgelöst. Am 23. Juni
1454 schworen die St. Galler den Beitritt zur Eidgenossenschaft, wofür
sie dem Abt 1457 eine Ablöse bezahlen mussten.


Die von der Stadt angenommene Reformation führte zu einem langjährigen
Streit zwischen Bürgerschaft/Stadt und dem Fürstabt im Klosterhof, dem
das ganze, nun katholische Umland gehörte. Beigelegt wurde dieser
Streit erst nach der Gründung des Kantons; noch im 19. Jahrhundert gab
es tiefe konfessionelle Gräben zwischen der Stadt und den
Vorortgemeinden.


