Annakirche

St. Anna in Wien, Jänner 2023

Die Annakirche ist eine römisch-katholische Ordenskirche in der Annagasse 3b im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere Stadt. Als Kirchengemeinde gehört die Annakirche zur Erzdiözese Wien. Namensgeber des im Mittelalter entstandenen Gotteshauses ist die heilige Anna. Das Kirchengebäude steht in einer engen Gasse der Wiener Altstadt und nur die Südseite bietet freie Sicht auf die Fassade und den Turm. Die Giebel des Sakralgebäudes sind zwischen Wohn- und Geschäftshäusern eingebaut. Die Nordseite blickt auf einen bebauten Innenbereich.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Die erste Kirche wurde 1518 eingeweiht. 1573 erhielten sie die Jesuiten. Die Kirche wurde 1632 – 1633 umgebaut und am 20. November 1633 im Beisein Kaiser Ferdinands II. eingeweiht. 1716 wurde unter der Regie von Christoph Tausch SJ (1673 – 1731) die ganze Kirche neu ausgestattet.

Das Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit einem basilikalen Querschnitt. Ein Gurt-Tonnengewölbe mit Stichkappen bildet den inneren oberen Raumabschluss. Der Chorraum ist eingezogen; vom Hauptraum gehen drei Kapellen ab, die größte von ihnen ist die Franz-Xaver-Kapelle mit einem ovalen Grundriss. Baufachleute vermuten, dass es sich hierbei um die historische Annakapelle handelt, die 1679 umgebaut worden ist. Der Chor ist gegen den Hauptraum mit einer steinernen Balustrade abgetrennt. Das Kircheninnere wird durch Strebepfeiler in ganzer Bauhöhe stabil gehalten. Vier rundbögige Joche gliedern den Hauptraum und sind mit flachen kannelierten Säulenimitationen verkleidet.

Der österreichische Barockmaler Daniel Gran malte 1751 (nach dem Brand der Kirche 1747) die heutigen Gewölbefresken. Die Ornamentik im Gewölbe malt gleichzeitig Franz Josef Wiedon. Bildinhalt der Fresken: Das Fresko über dem Hochaltar zeigt die „Glorie der hl. Anna", das mittlere die „Glorie der Gottesmutter Maria mit Engelsturz" und das Fresko über der Orgelempore „Die Sendung Christi und die Erlösung der Welt".

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Längs der Kirchenwände sind Halbrundfenster in zwei Reihen übereinander in das Mauerwerk eingebaut. Sie tragen einfaches Fensterglas, um die reichhaltige goldene farbige Gestaltung des Inneren nicht durch bunten Lichteinfall zu stören. Eine quer über das Kircheninnere reichende Orgelempore ersetzte im Jahr 1887 eine frühere Empore an gleicher Stelle, von der die Brüstung übernommen wurde. Die Innenhöhe des Gewölbes beträgt etwa acht Meter. Unter der Empore hängt an der Westwand der Kirche ein großes hochbarockes Kruzifix.

Das hochbarocke Kirchengestühl mit reich reliefierten Wangen sowie die prächtigen hochbarocken Beichtstühle entstanden ca. 1725.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Daniel Gran (1694–1757) gestaltete das Bild der Heiligen Familie für den Hochaltar und die Deckenfresken Unbefleckte Empfängnis und Die Erlösung. Die übrigen Altarbilder Heiliger Ignatius von Loyola und Heiliger Sebastian stammen vom Wiener Kirchenmaler Johann Georg Schmidt.

Die gerade Abschlusswand des frühbarocken Chors wird zur Gänze von dem raumbeherrschenden barocken Hochaltar eingenommen, einem monumentalen Werk Christoph Tauschs von 1716. Er ist in Gestalt und Farbigkeit weitgehend in die Architektur des Kirchenraumes eingebunden. Sein Säulenaufbau umrahmt triumphbogenartig das Altarbild Daniel Grans von 1751. Dieses zeigt in Ergänzung des Programms der Gewölbefresken die Hl. Sippe: Im Zentrum thronen die hl. Anna (als Sippenhaupt) mit dem Jesuskind und ihre Tochter Maria im Beisein Joachims, des angeblich ersten Gemahls Annas. Darum gruppieren sich weitere (biblisch belegte und legendäre) Verwandte Jesu, nach Geschlecht getrennt: (von links nach rechts) Josef, Zacharias, Judas Thaddäus, Jakobus d. Ä. und Johannes Evangelist, daran anschließend Maria Salome sowie Elisabeth mit ihrem Söhnchen Johannes dem Täufer.

Die beiden vergoldeten Skulpturen, die das Altargemälde flankieren, repräsentieren König David (mit Harfe), dessen Geschlecht Jesus zugerechnet wird, und den Patriarchen Abraham, der wie Gottvater bereit war, seinen Sohn (Isaak) zu opfern. Das hochovale Auszugsbild huldigt wiederum der Kirchenpatronin St. Anna. Das gemalte Anna-Emblem mit Krone wird von geflügelten Puttenköpfen (Cherubim) umrahmt.

Auszugsbild am Hochaltar, umrahmt von Cherubim
Hl. Sippe, Hochaltarbild von Daniel Gran, 1751
Statue des Königs David und des Patriarchen Abraham am Hochaltar

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Dem Kircheneingang schräg gegenüber liegt die Annakapelle. Der gestreckt achteckige Bau mit Ovalkuppel wurde 1696 angefügt und dem Jesuitenheiligen Franz Xaver (1622 heiliggesprochen) geweiht. Noch vor dem Kirchenschiff erhielt die Kapelle 1709 durch Christoph Tausch ihre hochbarocke Ausstattung: Wandverkleidung in hellgrauem Stuckmarmor, rötliche Wandgliederung, bronzierte Stuckreliefs und vergoldete Stuckapplikationen, die von der segensreichen Missionstätigkeit des einstigen Kapellenpatrons künden. Über der Altarmensa von 1716, an der ein Bronzerelief an die zahlreichen Heidentaufen Franz Xavers erinnert, prangt heute die spätgotische Figurengruppe der hl. Anna Selbdritt, eine beachtenswerte ungefasste Schnitzarbeit um 1505 wohl aus dem Umkreis von Veit Stoß.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Auf dem Altarrelief der Sebastianskapelle in einer Kartusche, gerahmt von Engeln, sind zu sehen: „hll. Sebastian und Irene", die die Wunden des hl. Sebastians pflegt. Über dem Altaraufsatz mit Reliquien ein Vorsatzbild mit einem Jesuitenheiligen. Das Altarbild „Das Martyrium des hl. Sebastian" ist gemalt von Johann Georg Schmidt 1719. Links Petrus, rechts Paulus.

Die Stanislaus-Kostka-Kapelle ist besonders reichhaltig ausgestaltet. Der Altar trägt ein Relief mit dem „Empfang der Kommunion des hl. Stanislaus durch einen Engel". Das Vorsatzbild über dem Altar zeigt den hl. Franz von Sales, das Altarbild den Tod des hl. Stanislaus von einem unbekannten Maler. Über dem Altarbild die Mutter Gottes mit Kind, im Gewölbe prächtiges Auge Gottes.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

An den Chorseitenwänden wölben sich über den marmorgerahmten Zugängen zu Sakristei (links) und anderen Anräumen (rechts) die hauptsächlich um 1716/18 gestalteten Logen der schon 1632/33 angefügten Oratorien vor (von denen die nördlichen einst der kaiserlichen Familie vorbehalten waren). Am Chorbogen ist rechts die um 1750 entstandene Kanzel aus rotem und blau-grünem Stuckmarmor angeordnet; das vergoldete Relief an der Brüstung zeigt passend zur Funktion der Kanzel, wie der zwölfjährige Jesusknabe im Tempel von Jerusalem die Schriftgelehrten belehrt. Gegenüber der Kanzel ist auf einer Konsole eine zeitgleiche barocke Figurengruppe von Anna und ihrem Töchterchen Maria zu sehen, von einer Draperie baldachinartig hinterfangen.

Die 14 Kreuzwegbilder (in Vierpassrahmen) sind in Grau auf Porzellanplatten gemalt; sie stammen erst aus dem 3. Viertel des 19. Jh.s.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Auf dem Altarbild der Ignatiuskapelle ist der Gründer des Jesuitenordens in der Glorie zu sehen. Das Gemälde wird von den Statuen zweier Jesuitenheiliger flankiert: Aloysius von Gonzaga und - sicherlich nicht ursprünglich - Ignatius von Loyola. Außerdem erscheint der hl. Ignatius noch auf dem Mensarelief.

Glorie des hl. Ignatius, Altarbild von Johann Georg Schmidt, 1719

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Hinter dem schönen Gitter der marmorne Altar der Josefskapelle, vorne, in einer Kartusche und flankiert von Engeln, „Hl. Josef mit Christuskind und Engel". Darüber ein Altaraufsatz mit Reliquien und ein Ovalbild eines (unbekannten) Bischofs. Auf dem Altarbild ist der hl. Josef mit Christuskind dargestellt, einem Pilger mit Hilfe des Kindes einen Brief schreibend, gemalt 1719 von Johann Georg Schmidt. Zwischen und vor den Säulen und Pfeilern vergoldete Skulpturen (von links nach rechts): hll. Karl Borromäus, Brigitte, Rochus, Franz-Xaver.

Das Altarrelief in einer Kartusche der Marienkapelle zeigt die „Verkündigung an Maria"; über dem Tabernakel eine Schwarze Madonna. Das Altarbild stellt Maria und Kind dar, Maria gießt über die brennende Annakirche Wasser aus, eine Bezugnahme auf den Kirchenbrand von 1747; Skulpturen: links hl. Jakobus, rechts Apostel Johannes.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Die Orgelempore erhebt sich über einen weiten Korbbogen an der rückseitigen Wand. Ihre Brüstung ist reich geschmückt mit vergoldeten Reliefs und musizierenden Putten. Die Barockorgel wurde vermutlich von Johann Henke (1697-1766) erbaut. Sie ist ausgestattet mit 2 Manualen, 15 Registern und 618 Pfeifen. Die letzte Renovierung erfolgte 2004.

Das Fresko über der Orgel führt die Sendung des Christkinds durch Gottvater unter Mitwirkung des Heiligen Geistes zu den Menschen vor Augen, die wegen des Sündenfalls der Erlösung durch das Kreuzesopfer des Gottessohnes harren. Die beiden seitlichen Propheten Ezechiel und Jeremia erwiesen sich einst als Tröster ihres notleidenden Volkes, in dem sie einen Heiland verhießen.

Prophet Jeremia und Ezechiel, Zwickelfresko über der Orgel
Fresko über der Orgel von Daniel Gran, 1751

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Das Gemälde des Josefsaltars zeigt den Nährvater Jesu mit seinem Ziehsohn, der anders als auf dem Relief der Mensa einem Pilger einen Schutzbrief ausstellt und somit die Anfänge des St. Annahofes in Erinnerung ruft. Das gilt wohl auch für die Figuren der Kapelle, welche die Heiligen Karl Borromäus, Birgitta von Schweden, Rochus und Franz Xaver vergegenwärtigen, die unter anderem auch als Beschützer von Pilgern und Reisenden bzw. (Pest-) Kranken und Spitälern angerufen wurden.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Iin der Sebastianskapelle wird nicht nur das Martyrium dieses Pestpatrons im Altargemälde gezeigt, sondern auch (im Mensarelief), wie er von Irene gesundgepflegt wird. Dagegen wirken die Statuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus hier auf den ersten Blick etwas deplatziert, doch hatten auch sie wie Sebastian den Martyrertod zu erleiden und galten als Helfer bei diversen Gefährdungen des Leibes, wie Fieber, Fallsucht oder Schlangenbiss. Am Kapelleneingang steht ein Ende des 18. Jh.s geschnitztes Standbild des hl. Antonius von Padua mit dem Christkind im Arm auf einem Podest.

Das Pendant zur Annakapelle bildet - wie die Inschrift auf der Kartusche über dem jeweiligen Kapelleneingang verrät, die zusammenhängend einen Vers aus der Offenbarung (14,13) zitiert - die erst 1716 gegenüber an der Südseite der Kirche angebaute Stanislaus-Kostka-Kapelle. Auch sie ist einem Jesuitenheiligen geweiht: Stanislaus Kostka, der im einst anschließenden Noviziat unterrichtet und erst 1726 heiliggesprochen wurde. Daher ist auf dem im zweiten Viertel des 18. Jh.s von einem unbekannten Maler geschaffenen Gemälde des konkaven Marmoraltars der Tod des Heiligen und im Relief der Mensa die legendäre Szene zu sehen, wie ein Engel dem Heiligen die Kommunion reicht. Auch die vergoldete Muttergottes-Statue im Auszug hat einen Bezug zu Stanislaus Kostka: Maria soll ihm in einer Erscheinung das Jesuskind in die Arme gelegt haben; außerdem ist der Heilige am Fest Mariä Himmelfahrt (1568) verstorben. Das Vorsatzbild des frühen 20. Jh.s zeigt den hl. Franz von Sales, der den heute an St. Anna wirkenden Oblaten als Vorbild dient.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Auf dem Altarrelief der Ignatiuskapelle in einer Kartusche ist der „hl. Ignatius von Loyola" dargestellt. Über dem Altaraufsatz mit Reliquien ein ovales Vorsatzbild „Herz Jesu". Das Altarbild mit der „Glorie des hl. Ignatius" ist gemalt von Johann Georg Schmidt 1719. In den Nischen zwischen den Säulen links hl. Aloysius (Jesuitennovize), rechts hl. Ignatius.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Sicherlich der qualitätvollste Teil der Kirchenausstattung sind diese Fresken des bedeutenden Österreichischen Barockmalers Daniel Gran von 1751, die heute wieder in ihrem ursprünglichen Kolorit leuchten. Die drei durch Gurtbögen voneinander geschiedenen gleichartigen Malereien am Gewölbe von Chor und Langhaus fassen diese beiden Raumteile zu einer Einheit zusammen und scheinen das Kircheninnere in den Himmel zu öffnen. Wie bei einer Figurengruppe der Anna Selbdritt werden in ihnen - ausgehend vom Chor - die königlich davidische Abstammung des Menschen Jesus und der unverzichtbare Anteil Annas am Heilsgeschehen manifestiert.

Im größeren Deckenbild kniet Maria als Immaculata in Verehrung des Namens Jesu (zugleich Emblem des einst hier wirkenden Jesuitenordens) auf einer Wolke. Unter ihr wirft der Erzengel Michael die aufrührerischen Engel aus dem Himmel, weswegen hier Maria zugleich der Apokalyptischen Frau ähnelt. Seitlich hält ein Engel Krone und Zepter für ihre Krönung zur Königin des Himmels bereit. Die beiden zuseiten dieses Freskos sitzenden Gestalten verkörpern die alttestamentlichen Propheten Jesaja und Daniel, welche die Geburt des Erlösers durch eine Jungfrau und seine Wiederkunft in Herrlichkeit am Ende der Welt voraussagten.

Gewölbefresko im Langhaus von Daniel Gran, 1751.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023

Betritt man die Kirche, überrascht deren barocke Pracht. Diese entstand in mehreren Etappen:
Zunächst war der spätgotische Saal 1632/33 nach dem Vorbild der soeben fertiggestellten Wiener Universitäts-/Jesuitenkirche (möglicherweise vom selben unbekannten Architekten) umgebaut worden. Daher rührt der heute noch prägende frühbarocke Raumtyp: vierjochiges Langhaus mit Stichkappentonne und (den vier östlichen) Seitenkapellen, nur geringfügig eingezogener zweijochiger Chor mit geradem Schluss und seitlichen Oratorien, kein Querhaus.

Fast 100 Jahre später, 1716-1718, erhielt der bis dahin in Weiß gehaltene Saal unter Leitung von Christoph Tausch seine hochbarocke Gliederung und Farbigkeit: kannelierte rötliche Pilaster mit vergoldeten Kapitellen ionischer Ordnung (passend zur Kirchenpatronin), ein reichstrukturiertes, stringent durchgezogenes Stuckmarmorgebälk, entsprechend ausgekleidete Kapellenöffnungen und Oratorienlogen sowie die heutigen Altäre. Wiederum hatte hierbei die zuvor von Andrea Pozzo umgestaltete Jesuitenkirche Pate gestanden.

1751 schließlich wurde die infolge des Dachstuhlbrands von 1747 beschädigte hochbarocke Gewölbemalerei (von 1716/18) durch spätbarocke Fresken Daniel Grans ersetzt. Sie heben sich in ihrer vornehm-kühlen wie lichten Farbigkeit von der Erdenschwere der Architektur darunter bewusst ab; allein der ebenfalls damals überarbeitete Hochaltar stellt in seiner Farbigkeit (gemäß seiner Funktion) eine Verbindung zwischen irdischer und himmlischer Zone her. Umrahmt werden die Gran-Fresken von einer wohl von Franz Joseph Wiedon (und Antonio Tassi?) geschaffenen Malerei, die einen (in Langhaus und Chor unterschiedlichen) Stuckdekor vor Goldgrund imitiert.

 Annakirche St. Anna in Wien, Jänner 2023