Theodor Kery WP 2/3, A-2491 Neufeld/L.
+43/2624/54014 - office@websteiner.com
Die Annakirche ist eine römisch-katholische
Ordenskirche in der Annagasse 3b im 1. Wiener Gemeindebezirk Innere
Stadt. Als Kirchengemeinde gehört die Annakirche zur Erzdiözese Wien.
Namensgeber des im Mittelalter entstandenen Gotteshauses ist die
heilige Anna. Das Kirchengebäude steht in einer engen Gasse der Wiener
Altstadt und nur die Südseite bietet freie Sicht auf die Fassade und
den Turm. Die Giebel des Sakralgebäudes sind zwischen Wohn- und
Geschäftshäusern eingebaut. Die Nordseite blickt auf einen bebauten
Innenbereich.

Die erste Kirche wurde 1518 eingeweiht. 1573 erhielten sie die
Jesuiten. Die Kirche wurde 1632 – 1633 umgebaut und am 20. November
1633 im Beisein Kaiser Ferdinands II. eingeweiht. 1716 wurde unter der
Regie von Christoph Tausch SJ (1673 – 1731) die ganze Kirche neu
ausgestattet.
Das Gebäude ist eine einschiffige Saalkirche mit einem basilikalen
Querschnitt. Ein Gurt-Tonnengewölbe mit Stichkappen bildet den inneren
oberen Raumabschluss. Der Chorraum ist eingezogen; vom Hauptraum gehen
drei Kapellen ab, die größte von ihnen ist die Franz-Xaver-Kapelle mit
einem ovalen Grundriss. Baufachleute vermuten, dass es sich hierbei um
die historische Annakapelle handelt, die 1679 umgebaut worden ist. Der
Chor ist gegen den Hauptraum mit einer steinernen Balustrade
abgetrennt. Das Kircheninnere wird durch Strebepfeiler in ganzer
Bauhöhe stabil gehalten. Vier rundbögige Joche gliedern den Hauptraum
und sind mit flachen kannelierten Säulenimitationen verkleidet.
Der österreichische Barockmaler Daniel Gran malte 1751 (nach dem Brand der Kirche 1747) die heutigen Gewölbefresken.
Die Ornamentik im Gewölbe malt gleichzeitig Franz Josef Wiedon.
Bildinhalt der Fresken: Das Fresko über dem Hochaltar zeigt die „Glorie
der hl. Anna", das mittlere die „Glorie der Gottesmutter Maria mit
Engelsturz" und das Fresko über der Orgelempore „Die Sendung Christi
und die Erlösung der Welt".

Längs der Kirchenwände sind Halbrundfenster in zwei Reihen übereinander
in das Mauerwerk eingebaut. Sie tragen einfaches Fensterglas, um die
reichhaltige goldene farbige Gestaltung des Inneren nicht durch bunten
Lichteinfall zu stören. Eine quer über das Kircheninnere reichende
Orgelempore ersetzte im Jahr 1887 eine frühere Empore an gleicher
Stelle, von der die Brüstung übernommen wurde. Die Innenhöhe des
Gewölbes beträgt etwa acht Meter. Unter der Empore hängt an der
Westwand der Kirche ein großes hochbarockes Kruzifix.
Das hochbarocke Kirchengestühl mit reich reliefierten Wangen sowie die prächtigen hochbarocken Beichtstühle entstanden ca. 1725.

Daniel Gran (1694–1757) gestaltete das Bild der Heiligen Familie für
den Hochaltar und die Deckenfresken Unbefleckte Empfängnis und Die
Erlösung. Die übrigen Altarbilder Heiliger Ignatius von Loyola und
Heiliger Sebastian stammen vom Wiener Kirchenmaler Johann Georg Schmidt.
Die gerade Abschlusswand des frühbarocken Chors wird zur Gänze von dem raumbeherrschenden barocken Hochaltar
eingenommen, einem monumentalen Werk Christoph Tauschs von 1716. Er ist
in Gestalt und Farbigkeit weitgehend in die Architektur des
Kirchenraumes eingebunden. Sein Säulenaufbau umrahmt triumphbogenartig
das Altarbild Daniel Grans von 1751. Dieses zeigt in Ergänzung des
Programms der Gewölbefresken die Hl. Sippe: Im Zentrum thronen die hl.
Anna (als Sippenhaupt) mit dem Jesuskind und ihre Tochter Maria im
Beisein Joachims, des angeblich ersten Gemahls Annas. Darum gruppieren
sich weitere (biblisch belegte und legendäre) Verwandte Jesu, nach
Geschlecht getrennt: (von links nach rechts) Josef, Zacharias, Judas
Thaddäus, Jakobus d. Ä. und Johannes Evangelist, daran anschließend
Maria Salome sowie Elisabeth mit ihrem Söhnchen Johannes dem Täufer.
Die beiden vergoldeten Skulpturen, die das Altargemälde flankieren,
repräsentieren König David (mit Harfe), dessen Geschlecht Jesus
zugerechnet wird, und den Patriarchen Abraham, der wie Gottvater bereit
war, seinen Sohn (Isaak) zu opfern. Das hochovale Auszugsbild huldigt
wiederum der Kirchenpatronin St. Anna. Das gemalte Anna-Emblem mit
Krone wird von geflügelten Puttenköpfen (Cherubim) umrahmt.
Auszugsbild am Hochaltar, umrahmt von Cherubim
Hl. Sippe, Hochaltarbild von Daniel Gran, 1751
Statue des Königs David und des Patriarchen Abraham am Hochaltar

Dem Kircheneingang schräg gegenüber liegt die Annakapelle.
Der gestreckt achteckige Bau mit Ovalkuppel wurde 1696 angefügt und dem
Jesuitenheiligen Franz Xaver (1622 heiliggesprochen) geweiht. Noch vor
dem Kirchenschiff erhielt die Kapelle 1709 durch Christoph Tausch ihre
hochbarocke Ausstattung: Wandverkleidung in hellgrauem Stuckmarmor,
rötliche Wandgliederung, bronzierte Stuckreliefs und vergoldete
Stuckapplikationen, die von der segensreichen Missionstätigkeit des
einstigen Kapellenpatrons künden. Über der Altarmensa von 1716, an der
ein Bronzerelief an die zahlreichen Heidentaufen Franz Xavers erinnert,
prangt heute die spätgotische Figurengruppe der hl. Anna Selbdritt,
eine beachtenswerte ungefasste Schnitzarbeit um 1505 wohl aus dem
Umkreis von Veit Stoß.

Auf dem Altarrelief der Sebastianskapelle
in einer Kartusche, gerahmt von Engeln, sind zu sehen: „hll. Sebastian
und Irene", die die Wunden des hl. Sebastians pflegt. Über dem
Altaraufsatz mit Reliquien ein Vorsatzbild mit einem Jesuitenheiligen.
Das Altarbild „Das Martyrium des hl. Sebastian" ist gemalt von Johann
Georg Schmidt 1719. Links Petrus, rechts Paulus.
Die Stanislaus-Kostka-Kapelle
ist besonders reichhaltig ausgestaltet. Der Altar trägt ein Relief mit
dem „Empfang der Kommunion des hl. Stanislaus durch einen Engel". Das
Vorsatzbild über dem Altar zeigt den hl. Franz von Sales, das Altarbild
den Tod des hl. Stanislaus von einem unbekannten Maler. Über dem
Altarbild die Mutter Gottes mit Kind, im Gewölbe prächtiges Auge Gottes.

An den Chorseitenwänden wölben sich über den marmorgerahmten Zugängen
zu Sakristei (links) und anderen Anräumen (rechts) die hauptsächlich um
1716/18 gestalteten Logen der schon 1632/33 angefügten Oratorien vor
(von denen die nördlichen einst der kaiserlichen Familie vorbehalten
waren). Am Chorbogen ist rechts die um 1750 entstandene Kanzel aus
rotem und blau-grünem Stuckmarmor angeordnet; das vergoldete Relief an
der Brüstung zeigt passend zur Funktion der Kanzel, wie der
zwölfjährige Jesusknabe im Tempel von Jerusalem die Schriftgelehrten
belehrt. Gegenüber der Kanzel ist auf einer Konsole eine zeitgleiche
barocke Figurengruppe von Anna und ihrem Töchterchen Maria zu sehen,
von einer Draperie baldachinartig hinterfangen.
Die 14 Kreuzwegbilder (in Vierpassrahmen) sind in Grau auf
Porzellanplatten gemalt; sie stammen erst aus dem 3. Viertel des 19.
Jh.s.

Auf dem Altarbild der Ignatiuskapelle
ist der Gründer des Jesuitenordens in der Glorie zu sehen. Das Gemälde
wird von den Statuen zweier Jesuitenheiliger flankiert: Aloysius von
Gonzaga und - sicherlich nicht ursprünglich - Ignatius von Loyola.
Außerdem erscheint der hl. Ignatius noch auf dem Mensarelief.
Glorie des hl. Ignatius, Altarbild von Johann Georg Schmidt, 1719

Hinter dem schönen Gitter der marmorne Altar der Josefskapelle,
vorne, in einer Kartusche und flankiert von Engeln, „Hl. Josef mit
Christuskind und Engel". Darüber ein Altaraufsatz mit Reliquien und ein
Ovalbild eines (unbekannten) Bischofs. Auf dem Altarbild ist der hl.
Josef mit Christuskind dargestellt, einem Pilger mit Hilfe des Kindes
einen Brief schreibend, gemalt 1719 von Johann Georg Schmidt. Zwischen
und vor den Säulen und Pfeilern vergoldete Skulpturen (von links nach
rechts): hll. Karl Borromäus, Brigitte, Rochus, Franz-Xaver.
Das Altarrelief in einer Kartusche der Marienkapelle
zeigt die „Verkündigung an Maria"; über dem Tabernakel eine Schwarze
Madonna. Das Altarbild stellt Maria und Kind dar, Maria gießt über die
brennende Annakirche Wasser aus, eine Bezugnahme auf den Kirchenbrand
von 1747; Skulpturen: links hl. Jakobus, rechts Apostel Johannes.

Die Orgelempore erhebt sich über einen weiten Korbbogen an der
rückseitigen Wand. Ihre Brüstung ist reich geschmückt mit vergoldeten
Reliefs und musizierenden Putten. Die Barockorgel
wurde vermutlich von Johann Henke (1697-1766) erbaut. Sie ist
ausgestattet mit 2 Manualen, 15 Registern und 618 Pfeifen. Die letzte
Renovierung erfolgte 2004.
Das Fresko über der Orgel führt die Sendung des Christkinds durch
Gottvater unter Mitwirkung des Heiligen Geistes zu den Menschen vor
Augen, die wegen des Sündenfalls der Erlösung durch das Kreuzesopfer
des Gottessohnes harren. Die beiden seitlichen Propheten Ezechiel und
Jeremia erwiesen sich einst als Tröster ihres notleidenden Volkes, in
dem sie einen Heiland verhießen.
Prophet Jeremia und Ezechiel, Zwickelfresko über der Orgel
Fresko über der Orgel von Daniel Gran, 1751

Das Gemälde des Josefsaltars
zeigt den Nährvater Jesu mit seinem Ziehsohn, der anders als auf dem
Relief der Mensa einem Pilger einen Schutzbrief ausstellt und somit die
Anfänge des St. Annahofes in Erinnerung ruft. Das gilt wohl auch für
die Figuren der Kapelle, welche die Heiligen Karl Borromäus, Birgitta
von Schweden, Rochus und Franz Xaver vergegenwärtigen, die unter
anderem auch als Beschützer von Pilgern und Reisenden bzw. (Pest-)
Kranken und Spitälern angerufen wurden.

Iin der Sebastianskapelle wird
nicht nur das Martyrium dieses Pestpatrons im Altargemälde gezeigt,
sondern auch (im Mensarelief), wie er von Irene gesundgepflegt wird.
Dagegen wirken die Statuen der Apostelfürsten Petrus und Paulus hier
auf den ersten Blick etwas deplatziert, doch hatten auch sie wie
Sebastian den Martyrertod zu erleiden und galten als Helfer bei
diversen Gefährdungen des Leibes, wie Fieber, Fallsucht oder
Schlangenbiss. Am Kapelleneingang steht ein Ende des 18. Jh.s
geschnitztes Standbild des hl. Antonius von Padua mit dem Christkind im
Arm auf einem Podest.
Das Pendant zur Annakapelle bildet - wie die Inschrift auf der
Kartusche über dem jeweiligen Kapelleneingang verrät, die
zusammenhängend einen Vers aus der Offenbarung (14,13) zitiert - die
erst 1716 gegenüber an der Südseite der Kirche angebaute Stanislaus-Kostka-Kapelle.
Auch sie ist einem Jesuitenheiligen geweiht: Stanislaus Kostka, der im
einst anschließenden Noviziat unterrichtet und erst 1726
heiliggesprochen wurde. Daher ist auf dem im zweiten Viertel des 18.
Jh.s von einem unbekannten Maler geschaffenen Gemälde des konkaven
Marmoraltars der Tod des Heiligen und im Relief der Mensa die legendäre
Szene zu sehen, wie ein Engel dem Heiligen die Kommunion reicht. Auch
die vergoldete Muttergottes-Statue im Auszug hat einen Bezug zu
Stanislaus Kostka: Maria soll ihm in einer Erscheinung das Jesuskind in
die Arme gelegt haben; außerdem ist der Heilige am Fest Mariä
Himmelfahrt (1568) verstorben. Das Vorsatzbild des frühen 20. Jh.s
zeigt den hl. Franz von Sales, der den heute an St. Anna wirkenden
Oblaten als Vorbild dient.

Auf dem Altarrelief der Ignatiuskapelle
in einer Kartusche ist der „hl. Ignatius von Loyola" dargestellt. Über
dem Altaraufsatz mit Reliquien ein ovales Vorsatzbild „Herz Jesu". Das
Altarbild mit der „Glorie des hl. Ignatius" ist gemalt von Johann Georg
Schmidt 1719. In den Nischen zwischen den Säulen links hl. Aloysius
(Jesuitennovize), rechts hl. Ignatius.

Sicherlich der qualitätvollste Teil der Kirchenausstattung sind diese
Fresken des bedeutenden Österreichischen Barockmalers Daniel Gran von
1751, die heute wieder in ihrem ursprünglichen Kolorit leuchten. Die
drei durch Gurtbögen voneinander geschiedenen gleichartigen Malereien
am Gewölbe von Chor und Langhaus fassen diese beiden Raumteile zu einer
Einheit zusammen und scheinen das Kircheninnere in den Himmel zu
öffnen. Wie bei einer Figurengruppe der Anna Selbdritt werden in ihnen
- ausgehend vom Chor - die königlich davidische Abstammung des Menschen
Jesus und der unverzichtbare Anteil Annas am Heilsgeschehen
manifestiert.
Im größeren Deckenbild kniet Maria als Immaculata in Verehrung des
Namens Jesu (zugleich Emblem des einst hier wirkenden Jesuitenordens)
auf einer Wolke. Unter ihr wirft der Erzengel Michael die
aufrührerischen Engel aus dem Himmel, weswegen hier Maria zugleich der
Apokalyptischen Frau ähnelt. Seitlich hält ein Engel Krone und Zepter
für ihre Krönung zur Königin des Himmels bereit. Die beiden zuseiten
dieses Freskos sitzenden Gestalten verkörpern die alttestamentlichen
Propheten Jesaja und Daniel, welche die Geburt des Erlösers durch eine
Jungfrau und seine Wiederkunft in Herrlichkeit am Ende der Welt
voraussagten.
Gewölbefresko im Langhaus von Daniel Gran, 1751.

Betritt man die Kirche, überrascht deren barocke Pracht. Diese entstand in mehreren Etappen:
Zunächst war der spätgotische Saal 1632/33 nach dem Vorbild der soeben
fertiggestellten Wiener Universitäts-/Jesuitenkirche (möglicherweise
vom selben unbekannten Architekten) umgebaut worden. Daher rührt der
heute noch prägende frühbarocke Raumtyp: vierjochiges Langhaus mit
Stichkappentonne und (den vier östlichen) Seitenkapellen, nur
geringfügig eingezogener zweijochiger Chor mit geradem Schluss und
seitlichen Oratorien, kein Querhaus.
Fast 100 Jahre später, 1716-1718, erhielt der bis dahin in Weiß
gehaltene Saal unter Leitung von Christoph Tausch seine hochbarocke
Gliederung und Farbigkeit: kannelierte rötliche Pilaster mit
vergoldeten Kapitellen ionischer Ordnung (passend zur Kirchenpatronin),
ein reichstrukturiertes, stringent durchgezogenes Stuckmarmorgebälk,
entsprechend ausgekleidete Kapellenöffnungen und Oratorienlogen sowie
die heutigen Altäre. Wiederum hatte hierbei die zuvor von Andrea Pozzo
umgestaltete Jesuitenkirche Pate gestanden.
1751 schließlich wurde die infolge des Dachstuhlbrands von 1747
beschädigte hochbarocke Gewölbemalerei (von 1716/18) durch spätbarocke
Fresken Daniel Grans ersetzt. Sie heben sich in ihrer vornehm-kühlen
wie lichten Farbigkeit von der Erdenschwere der Architektur darunter
bewusst ab; allein der ebenfalls damals überarbeitete Hochaltar stellt
in seiner Farbigkeit (gemäß seiner Funktion) eine Verbindung zwischen
irdischer und himmlischer Zone her. Umrahmt werden die Gran-Fresken von
einer wohl von Franz Joseph Wiedon (und Antonio Tassi?) geschaffenen
Malerei, die einen (in Langhaus und Chor unterschiedlichen) Stuckdekor
vor Goldgrund imitiert.
