Karmeliterkirche Döbling

Karmelitenkloster Döbling der Unbeschuhten Karmeliten in Wien, Mai 2023

Das Karmelitenkloster Döbling ist ein Kloster mit angeschlossener römisch-katholischer Kirche – der Karmeliterkirche – im 19. Wiener Gemeindebezirk. Das erste Kloster der Unbeschuhten Karmeliten wurde 1622 in der Leopoldstadt bei Wien gegründet – initiiert von Kaiser Ferdinand II. und dessen Gattin Eleonora. Nachdem Joseph II. Ende des 19. Jahrhunderts fand der Orden in Döbling seinen neuen Standort – in der heutigen Kloster- und Kirchen-Anlage von Döbling. Die Karmeliterkirche Döbling ist der Heiligen Familie geweiht.

Das Karmelitenkloster Döbling ist ein Kloster der Unbeschuhten Karmeliten mit benachbarter römisch-katholischer Kirche im Bezirksteil Unterdöbling im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling. Die Kirche, nördlich der Klosteranlage in der Silbergasse 35 im Wiener Ortsteil Döbling stehend, ist der Heiligen Familie geweiht. Das Kirchengebäude ist nicht geostet, sondern ihre Apsis bildet den westlichen Gebäudeabschluss. Das Kirchenhauptportal befindet sich auf der östlichen Seite zwischen den Türmen.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Die Kirche ist eine mächtige Basilika, die in Sichtziegelmauerwerk mit einem dreischiffigen, vierjochigen Langhaus (40 Meter lang, 25 Meter breit bzw. an der Vierung rund 32,40 Meter breit) und Doppelturmfassade ausgeführt wurde. Jordan setzte dabei vor allem neoromanische Stilformen als Bauelemente ein. Die Türme sind aus gelbem Backstein aufgemauert. Im Schaft des südlichen Turmes ist eine Kirchturmuhr eingebaut, deren Ziffern aus römischen Zahlen gebildet werden, die auf einer großen weißen Kreisfläche zusammen mit den schwarzen Zeigern gut sichtbar sind.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Das Kirchenschiff besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit einem nördlichen und südlichen Seitenschiff, welche von den Treppentürmen bis zum jeweiligen Kreuzarm reichen. Es wird mit einem hohen Kreuzrippengewölbe überspannt, dessen Zwischenflächen im dunklen Blau gehalten sind, auf denen Sterne aufgemalt sind. Die Seitenschiffe sind niedriger und gegen den Hauptraum mit Jochen und Säulen abgegrenzt. Die Rippen sind durchgehend mit Ornamenten geschmückt. An das Hauptschiff schließt sich auf der Westseite eine etwa 15 m lange Apsis in Halbrundform an, die circa 12 Meter breit ist.

Die Inneneinrichtung besticht insbesondere durch Elemente aus Jugendstil und Art Déco. Neben dem Hochaltar, den sechs Seitenaltären und der Theresienkapelle verfügt die Kirche über eine Kanzel, die von Ludwig Schadler aus Carrara-Marmor ausgeführt wurde und die die vier lateinischen Kirchenlehrer zeigt. Papst Gregor I. ist mit den Gesichtszügen des zur Bauzeit amtierenden Papstes Leo XIII. dargestellt. Der Kanzelkorb ist über eine kleine Wendeltreppe erreichbar, deren Geländer aus Schmiedeeisen geformt wurde.

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Der Bau des Gotteshauses im neuen Kloster dauerte von April 1899 bis zum August 1900. Am 18. August konnte die Pfarrei die Kirchweihe feiern und das Turmkreuz aufstecken. Und am 5. Dezember 1901 wurde die Weihe der 5 Glocken durchgeführt. Erst in den 1930er Jahren galt die Innenausstattung als vollendet.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Über dem Hochaltar der Kirche befindet sich ein großes Wandbild, das Engel und Heilige um die Heilige Familie zeigt. Es stammt von Josef Kastner, der auch das Hochschiff mit Szenen aus dem Leben der Heiligen Familie versah.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Der Hochaltar selbst wurde von Ludwig Schadler gestaltet und zeigt die vier griechischen Kirchenlehrer, dahinter eine Kreuzigungsgruppe. Die Apsis wird von einem Stern-Rippengewölbe abgeschlossen, deren Zwischenflächen mit dunkelblauer Farbe als Sternhimmel gestaltet sind. Die Rippen sind geweißt. Das überlebensgroße Kruzifix fertigte Josef Pfaffenbichler.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Die Orgel der Firma Rieger aus Jägerndorf wurde im Jahr 1905 als Opus 1200 geliefert und auf der Empore installiert. Die Orgelweihe fand zum Theresienfest, am Sonntag den 15. Oktober 1905, statt. Sie besitzt auf zwei Manualen und Pedal 30 klingende Register. Das Werk befindet sich in einem dreiteiligen neugotischen Gehäuse, das die Emporenrosette freilässt.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Die Karmelitenkirche verfügt über insgesamt sechs Seitenaltäre, die aus der Beuroner Schule stammen. Der bedeutendste Seitenaltar ist links vorn der Gnadenaltar „Maria mit dem geneigten Haupt". Der Altar ist nach einer Zeichnung von Richard Jordan aus Untersberger Marmor von der Firma Marmorindustrie Kiefer AG aus Oberalm 1904 hergestellt worden. Das Gnadenbild befindet sich auf einem der Romanik nachempfundenen Nischenaltar und wird von zwei reliefierten Engeln und dem Spruchband Ave Maria, gratia plena flankiert. Die Geschichte des Gnadenbildes ist auf einem Bogen um den Altar dargestellt.

Bei dem Gnadenbild handelt es sich um ein Ölgemälde im Format 45 × 60 cm. Es stammt von einem unbekannten Meister italienischer Schule aus dem 15./16. Jahrhundert. Es zeigt die Gottesmutter im Brustbild mit leicht geneigtem Haupt, das 1931 gekrönt wurde. Der Überlieferung nach hat Pater Dominicus das Bild im Jahr 1609 in der Nähe des ersten Klosters der Karmeliten in Trastevere (Rom) in einem alten Gebäude unter Schutt entdeckt. Das Bild wurde restauriert und gelangte an den Hof von München, später nach Wien. Dort verehrten es die Karmelitinnen, auch Kaiser Ferdinand II. betete während der Schlacht am Weißen Berg 1620 vor dem Bild. Ferdinand schrieb später den Sieg der katholischen Truppen der Hilfe Marias zu. Während des Ersten Weltkriegs trugen die Gläubigen das Bild in großen Prozessionen ebenfalls durch die Straßen Wiens zum Stephansdom. Tausende beteten vor ihm um Frieden. Auch Kaiser Franz Joseph vertraute auf die Hilfe Marias durch dieses Bild und ließ sich das Bild für ein Friedensgebet nach Schönbrunn bringen.

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Rechts des Christkönigaltars befindet sich der Theresienaltar. Er wurde von der Familie des Unterdöblinger Industriellen Johann Zacherl gestiftet und zeigt die Verklärung des Herrn am Berg Tabor. Die an der Herstellung des Johannesaltars beteiligten Künstler haben auch diesen Altar geschaffen, der die heilige Theresia verehrt.

Im 2. Joch des Seitenschiffes – gegenüber dem Altar des hl. Johannes vom Kreuz, befindet sich der Seitenaltar, welcher der hl. Ordensgründerin Teresa von Avila geweiht ist. Bereits 1915 hatte Josef Plecnik diesen Altar als Pendant zum gegenüberliegenden Altar entworfen, die Kapellennische jedoch in Form einer Konche (Muschel), einer halbrunden Kuppel gestaltet. Das Fenster erhielt einfaches mattes Glas. Die Ausführung verzögerte sich. Der am Technologischen Gewerbemuseum und im Gewerbeförderungsamt tätige Architekt Heinrich Kathrein führte die Errichtung des Seitenaltars in den Jahren 1919-1920 durch. Altar, Leuchter und Brüstung inspirierten sich am Vorbild des Johannes vom Kreuz - Altares. Es fehlte noch das Gemälde. 1924 war die Not der Zeit endlich so weit gemildert, dass die Karmeliten bei Verkade die versprochene Bemalung der Kapelle in Auftrag gaben und dieser sie auch, befreit von den Verwaltungsaufgaben in seinem Kloster Beuron, ausführen konnte.

Verkade gestaltete den Theresienaltar wieder in einem viel weiteren Horizont. Er wählte als Gegenstück, Ergänzung und Weiterführung zur Kreuzabnahme des gegenüberliegenden Johannes vom Kreuz-Altares die Verklärung Christi auf dem Berg Tabor. Dort Leiden und Tod, hier die selige Glorie in Vorwegnahme. Mit dem biblischen Thema erhielt er auch die Gelegenheit, den Propheten Elija, den die Karmeliten als geistlichen Vater verehren, und Mose, dessen ausgestreckte Hände auf dem Berg ein Bild für die Fruchtbarkeit des kontemplativen Betens in der Kirche sind, darzustellen. An einem Rand die hl. Teresa, am anderen Rand zwei weitere Karmelitinnen dieses Namens. Und außerdem: dort die Karmeliten, hier die Karmelitinnen.

In der Mitte des Gemäldes der verklärte Herr,der sich Teresa so oft in mystischer Schau geoffenbart hatte, mit ausgebreiteten Armen. Über ihm reicht eine auf ihn zeigende Hand aus dem Himmel herab. Links und rechts von ihm Mose und Elija, deren Namen niedergeschrieben sind. Sie stehen auf einem Berg, auf einem Stein steht der Name des Berges: Tabor. Mose trägt einen Stab mit einer Schlange in der einen Hand, in der anderen eine Pergamentrolle mit der Aufschrift: DILIGES DOMINUM DEUM TUUM EXTOTO CORDE TUO (Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus deinem ganzen Herzen). Neben Mose steht in Gebetshaltung mit gefalteten Händen Teresa, auch ihr Name ist verzeichnet. Zur Linken des Herrn Elija, der in der einen Hand einen Wanderstab, in der anderen eine Schriftrolle hält, zu seinen Füßen sitzt ein Rabe.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Gegenüber dem Theresenaltar befindet sich der Johannesaltar. Er wurde ebenso wie der Theresenaltar von der Familie Zacherl gestiftet, zeigt eine Vision des heiligen Johannes vom Kreuz und wurde 1913–1914 vom niederländischen Benediktinerpater Willibrord Verkade gestaltet. Der Marmoraltartisch mit Kreuz und bronzenen Leuchtern stammt hingegen vom slowenischen Architekten Jože Plečnik. Verkade entwarf auch die Glasfenster über dem Altar.

Die Karmeliten wünschten für ihre neue Kirche in Döbling Seitenaltäre zu Ehren ihrer Ordensgründer. Ungeahnte Fügungen sollten die Erfüllung dieses Wunsches ermöglichen. Zuerst entstand der Altar zu Ehren des hl. Johannes vom Kreuz. Johannes Evangelist Zacherl (1854-1936) war ein Wiener Fabrikant, der ein wirksames Mottenschutzmittel (Zachelin) aus Chrysanthemenblüten entwickelt hatte. acherl, ein begeisterter Katholik und Kulturmäzen, lernte im Jahre 1902 den slowenischen Architekten Josef Plecnik kennen, dem er in den folgenden Jahrenzahlreiche Aufträge gab, u.a. den Johannes vom Kreuz-Altar in der Karmelitenkirche, der die Bedeutung einer Familienkapelle erhielt.

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Der Christkönigaltar befindet sich rechts des Jesuskind-Altars und wurde 1922 vom Architekten der Kirche, Richard Jordan, im Art-Déco-Stil aus Majolika und Marmor geschaffen. Er veranschaulicht den starken Stilwechsel, den der Architekt innerhalb von 20 Jahren vollzog.

Der Entwurf des Christkönigsaltares stammt von Architekt Othmar Jordan (1875-1955), Sohn des Architekten Richard Jordan, die Ausführung von Ludwig Schadler. Die Malerarbeiten sind von Knaus & Pruzsinszky. Der Altar ist aus Untersberger Marmor. Dieser Seitenaltar ist reich an Elementen des Jugendstils. Die Errichtung des Altares im Jahre 1933 steht im Zusammenhang mit der Einführung des Christkönigsfestes im Jahre 1925 durch Pius XI., seit 1970 am letzten Sonntag des Kirchenjahres als Hochfest gefeiert. Als Bekenntnis zum Königtum Christi angesicht der progressiven Säkularisierung des öffentlichen Lebens und als Absage an den totalen Machtanspruch des Kommunismus und des Nationalsozialismus erhielt es eine sehr aktuelle Bedeutung.

Im Zentrum des Seitenaltares steht auf einem Aufbau in Holzplastik Jesus Christus als König (H 190 cm). Zeichen seiner Königswürde sind: Thron, Szepter, Krone. Er ist der Herr über die Zeit: Der Tierkreis, der in einem Strahlenkranz (Ø 180 cm) die Gestalt des Christus umfängt, bedeutet das Jahr und somit die Zeit im Allgemeinen. Er ist der Herr über den Himmel: die 12 Stern- oder Tierkreisbilder als Symbol für die Gestirne. Er ist der Herr über die Erde: Er hält den Globus in der Hand. Er ist der Herr über Hölle und Unterwelt: Christus setzt seinen Fuß zermalmend auf den Drachen. Er ist der Herr über den Tod: Im Hintergrund im Rücken des Herrn überragt das Kreuz als Siegeszeichen in der weißen Farbe der Auferstehung den Thron. Jesus Christus ist aber nicht König im Sinne der weltlichen Herrscher, sondern als Erlöser: im feierlichen Ornat des Hohenpriesters. Die Darstellung des Herzens, verwundet durch die Undankbarkeit der Menschen und in Liebesflammen brennend, auf das Christus selber hinzeigt, ist Symbol für seine Liebe bis zur Hingabe des Lebens am Kreuz. Darauf weisen zwei große schöne Engel (H 150 cm) mit goldenen Heiligenscheinen hin, die den Aufbau flankieren und neben Thron und Tabernakel stehen: Einer trägt die Dornenkrone, der andere die Tafel, die auf dem Kreuzesbalken angebracht war, mit der Inschrift INRI: Iesus Nazaraenus Rex Iudaeorum (Jesus der Nazoräer, König der Juden). Unter dem Thron befindet sich ein Aussetzungstabernakel. Die darauf eingravierte Konsolumschrift greift das Thema des Seitenaltars wieder auf, diesmal mit Worten aus der Herz Jesu Litanei: Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Fast jede Karmelitenkirche hat einen Altar zu Ehren des hl. Josefs, Bräutigam der Gottesmutter, Nährvater Jesu, Zimmermann in Nazaret. Hochfest am 19. März. In dieser Kirche ist der mittlere Seitenaltar auf der Kanzelseite dem hl. Josef geweiht. Auf dem Altar stehen die drei Marmorstatuen des hl. Josef sowie der Heiligen Anna und Joachim, der Eltern der Gottesmutter Maria und damit der Großeltern Jesu.

Der Josefsaltar wurde nach einer Zeichnung von Richard Jordan 1909 fertiggestellt. Die Firma Toman aus Laibach übernahm wie schon beim Hochaltar die Ausarbeitung. Dieser Seitenaltar ist ganz nach den ursprünglichen Plänen des Architekten der Kirche errichtet, als einziger mit reiner Ornamentenmalerei und ohne Ausschmückung durch Gemälde. Der Altar ist zur Gänze, inklusive Verkleidung, aus Marmor. Auf einem Podest von einer Stufe steht der Altartisch, den vier Säulen aus braunem Marmor mit je zwei kunstvollen Kapitellen tragen. Ein Kreuzrelief und 3 Steinrosetten schmücken den Altar. In einem dreigliedrigen Aufbau, der durch 4 Säulen geschaffen wird, stehen in Nischen die Marmorstatuen von Josef, Joachim und Anna – angefertigt von Ludwig Schadler –, die von Rundbögen mit vielen Zierkapitellen überdacht sind. Der mittlere, bedeutend höhere schließt mit einem Giebel mit Kreuz ab.

Die Statue des hl. Josef steht in der Mitte erhöht auf einem Sockel, der die Aufschrift trägt: „Hl. Joseph, bitt für uns!" Der Heilige hält die Hände unter dem Kinn gefaltet. Mit der linken Hand drückt er einen Stab an sich, an dessen Ende Lilienblüten sprossen.

Die hl. Anna, auf einem niedrigen Marmorpodest stehend, hält ein Buch in der Hand, wahrscheinlich das Alte Testament. Sie wird als Matrone mit einem Kopftuch dargestellt. Der Gedenktag der Eltern der Gottesmutter wurde auf den 26. Juli zusammengelegt. Der hl. Joachim wird als älterer Mann dargestellt, er trägt ein priesterliches Gewand, in der rechten Hand hält er ein Lamm, in der linken Hand eine Schaufel. Nach dem apokryphen Jakobusevangelium wies eines Tages der Oberpriester im Tempel ein Opfer Joachims zurück, weil er keine Kinder hatte. Bald darauf erschien dem gedemütigten Mann bei der Feldarbeit (Schaufel) ein Engel und verkündete ihm wie auch seiner Frau die Geburt eines Kindes. Anna und Joachim brachten ihr dreijähriges Kind Maria zum Tempel und weihten sie Gott, woran früher das Fest Maria Opferung erinnerte (Lamm). Heute heißt der Gedenktag „Unsere Liebe Frau in Jerusalem”.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Gegenüber dem Gnadenaltar befindet sich der Jesuskindaltar. Er wurde ebenso wie der Gnadenaltar 1904 aus Untersberger Marmor hergestellt. Über dem Altar befindet sich eine Kopie eines hölzernen Jesuskindes aus dem 18. Jahrhundert, das die Karmeliten in ihrer früheren Einsiedelei in Mannersdorf besaßen. Dieses war wiederum nach dem berühmten Vorbild des Prager Jesuleins geschnitzt.

Der Jesus-Kind Altar wurde nach Zeichnung von Richard Jordan 1904 von der Firma Kiefer aus Oberalm, Salzburg, aus Untersberger Marmor angefertigt. Die Gemälde stammen von Josef Kastner. Die Verehrung des Jesuskindes wird im Karmel seit Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz intensiv gepflegt, insbesondere in der Gestalt des Prager Jesuskindes.

Das wertvollste Kunstwerk auf diesem Altar ist die Statue des Jesuskindes aus Holz, eine Kopie des Prager Jesuskindes. Diese Gestalt des Jesuskindes kam aus Spanien nach Prag, wo sie den Karmeliten zum Geschenk gemacht wurde. Von dort trat es seinen Siegeszug in die ganze Welt an. Von diesem Jesuskind wissen wir nur, dass es im 17. Jahrhundert in das Einsiedlerkloster der Karmeliten in Mannersdorf am Leithagebirge kam. Deshalb heißt es auch das Mannersdorfer Jesulein. Vor dieser Statue wurden viele wunderbare Heilungen und Gebetserhörungen erlangt, sie gilt als wundertätig. Nach der Aufhebung der Einsiedelei Mannersdorf 1783 wurde sie in der Wiener Karmelitenkirche aufgestellt, zuerst in der Leopoldstadt, seit 1901in Döbling. Auf der linken Seite des Altares wird die Verherrlichung der Krippe, auf der rechten Seite die Verherrlichung des Kreuzes dargestellt (Josef Kastner, H 260 x B 120 cm).

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

In der Theresienkapelle liegt das Grab des spanischen Karmelitenpaters Dominicus a Jesu Maria, der 1622 an der Gründung des Klosters in der Leopoldstadt beteiligt gewesen war. Er brachte auch das Gnadenbild Marias nach Wien. Sein Leichnam wurde 1903 aus der ehemaligen Karmelitenkirche im 2. Bezirk nach Döbling umgebettet.

Eine lateinische Inschrift auf einer schlichten Granitplatte erinnert an seinen Tod in Wien am 16. Februar 1630, die Beisetzung in der alten Karmelitenkirche in der Taborstraße im 2. Bezirk und die Überführung nach Döbling am 17. April 1903. P. Dominikus von Jesus Maria (Ruzzola), geboren am 16. Mai 1559 zu Calatayud in Aragonien/Spanien, trat in Zaragossa bei den Karmeliten ein. 1589 schloss er sich der Reform der hl. Teresa an. 1604 wurde er zum Aufbau des Teresianischen Karmels in Europa nach Rom gesandt. 1617-1620 war er General des Ordens. Im Auftrag des Papstes war er Feldkaplan der kaiserlichen Truppen bei der entscheidenden Schlacht am Weißen Berg bei Prag im Jahre 1620. Der Kaiser schätzte ihn und förderte die Ausbreitung des Ordens. 1629 rief ihn der Kaiser zu sich in die Hofburg, wo er bald darauf starb.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Hinter dem Grab befindet sich ein weißer Marmoraltar mit einer Figur der 1925 heiliggesprochenen Karmelitin Theresia von Lisieux. Die von der Kapelle aus zugängliche Gruft der Karmeliten wurde zwischen 1917 und 1932 auch für die sterblichen Überreste von Verwandten der Kaiserin Zita verwendet. Diese hatte die Särge aus dem Kloster Kostanjevica bei Görz nach Wien bringen lassen, da sie eine Beschädigung infolge der Kriegsgeschehnisse befürchtete. Unter den Särgen befand sich auch jener des französischen Königs Karl X.

Der Altar zur Hl. Thérèse von Lisieux aus Laasermarmor mit Mosaikschmuck und prachtvollen Kandelabern aus vergoldetem Kupfer birgt ein Reliquiar mit einem Partikel aus den Gebeinen der Heiligen. Die Heilige, dargestellt in einer fast lebensgroßen Holzstatue von Ludwig Schadler, tritt aus einer aus Kupfer getriebenen Rosenlaube hervor, steigt über Stufen herab und reicht eine Rose dar. In einer Hand hält sie ein Kreuz. Elemente des Jugendstils sind in der Gestaltung des Altares unübersehbar. Stirnseitig schmücken den Altar zwei Wandmalereien, die den Ordenseintritt und den Tod der Heiligen darstellen.Diese Gemälde sind ein Werk von Josef Kastner junior, einem Neffen unseres damals schon verstorbenen Kirchenmalers.

Die Seitenwände nahe dem Altar sind von marmornen Votivtafeln eingefasst, mit einem Schriftband mit Worten der hl. Thérèse in der Umrahmung: „ICH WILL DIE MENSCHEN LEHREN GOTT ZU LIEBEN WIE ICH IHN LIEBE. ICH WILL MEINEN HIMMEL DAMIT VERBRINGEN GUTES AUF ERDEN ZU TUN.“ Allerdings werden dort auch Votivtafeln zu Ehren der Muttergottes mit dem geneigten Haupt angebracht.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Die Kirche in Form einer neuromanischen Basilika hat drei Schiffe und vier Joche im Langhaus. Der erhabene Raumeindruck wird bestimmt von der weiträumigen, großzügigen Dimensionierung, der reichen malerischen Ausstattung, den wertvollen Altären und Skulpturen aus Marmor und der glanzvollen Beleuchtung. Das mittlere Kirchenschiff ist hoch und breit, die Seitenschiffe sind niedriger und schmäler. Die drei Schiffe haben bemerkenswerte Bandrippengewölbe. Durch rundbogige Arkaden, die auf massiven Pfeilern mit Würfelkapitellen ruhen, fällt der Blick in die Seitenschiffe mit den tonnengewölbten Altarnischen mit Lunettenfenstern. Das Kirchenschiff ist durch den rundbogigen Triumphbogen vom hohen quadratischen Presbyterium abgetrennt. Das Presbyterium hat ein hohes Schirmrippengewölbe, zu den Seiten hin ist es durch drei rundbogige Arkaden geöffnet.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Ein Kloster der Unbeschuhten Karmeliten wurde in Österreich erstmals am 4. Februar 1622 in der Leopoldstadt bei Wien in einem Neubau gegründet (vgl. Karmeliterkirche Leopoldstadt). Ermöglicht haben das Kaiser Ferdinand II. und dessen Gemahlin Eleonora. Nachdem Joseph II. im Jahr 1783 neben vielen anderen auch den Konvent der Karmeliten aufgehoben hatte, konnte sich die Ordensgemeinschaft bis 1838 nur als Karmelitenpfarre halten. Danach ging auch die Pfarre an den Weltklerus über. Während das Klosterensemble später abgerissen wurde, dient die ehemalige Klosterkirche noch immer als Pfarrkirche und heißt Karmeliterkirche Leopoldstadt.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Der für die Karmeliter bedeutendste Seitenaltar ist der Gnadenaltar „Maria mit dem geneigten Haupt“ (1904). Das aus dem 15. oder 16. Jahrhundert stammende Bild soll im 17. Jahrhundert von dem Karmelitermönch Pater Dominicus in einem verfallenen Haus in Rom gefunden worden sein. Als er es vom Staub befreite, soll Maria gelächelt und das Haupt dankbar zur Seite geneigt haben. Das Bild wurde dem Kloster in der Leopoldstadt übergeben und von den Karmeliten, insbesondere auch von den Habsburgern hoch verehrt. Nach der Fertigstellung der neuen Kirche fand es seine Aufstellung in dem von Richard Jordan entworfenen Gnadenaltar.

Fenster über dem Gnadenaltar „Maria mit dem geneigten Haupt“

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Für die Aufgabe ihres früheren Klosters hatten die Karmeliten vom Kaiser eine Entschädigung von 350.000 fl. (Gulden) aus einem Religionsfonds erhalten. Damit erwarben sie ein Baugelände vom Orden der Serviten im 19. Wiener Bezirk und beauftragten den Architekten Richard Jordan mit der Ausarbeitung von Bauplänen für eine neue Klosteranlage einschließlich einer dazugehörigen Kirche. Die Grundsteinlegung erfolgte am 14. Oktober 1898 durch den Prälaten Zschokke. Wegen stetiger Kostensteigerungen verzögerte sich die endgültige Fertigstellung der eigentlichen Klostergebäude und des Inneren um mehrere Jahre. Trotzdem erfolgte der Umzug der Karmeliten vom früheren Klosterstandort in der Leopoldstadt bereits 1901, unter anderem wurde die Bibliothek wieder eingerichtet.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Das dreiteilige Glasfenster über dem Josefsaltar, hergestellt von Geyling, zeigt folgende Heilige: in der Mitte eine gekrönte Madonna mit dem Jesuskind. Links: hl. Johannes Nepomuk (1350-1393), Generalvikar der Erzdiözese Prag, wegen Wahrung des Beichtgeheimnisses von König Wenzel IV. in der Moldau ertränkt. Gedenktag am 16. Mai. Dargestellt imTalar mit Rochett, Birett, Cappa, Stola, Palmzweig und Kreuz. Brückenheiliger. Rechts: hl. Johannes Maria Vianney, Pfarrer von Ars (1786-1859), Patron der Pfarrer und Weltpriester, unermüdlicher Beichtvater und Seelsorger. Gedenktag am 4. August. In der rechten Hand hält er eine Lilie, in der linken ein Kreuz. Inschrift: „Gewidmet von der Familie Metzker, Döbling. 1909.“

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Pieta

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Der Riesenkruzifix ist ein Werk des Bildhauers Josef Pfaffenbichler. Er wurde am 19. August 1887 in Seitenstetten NÖ. geboren. 1915-1918 war er ordentlicher Schüler der Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums in Wien. Nachdem er für seine Abschlussarbeit an der Schule (Kruzifix in Ton) einen Preis erhalten hatte, beauftragte ihn das Ministerium für öffentliche Arbeiten, auf Staatskosten dieses Kruzifix von seltener Größe zu schnitzen.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Fatimakapelle

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

In den Wänden der Seitenschiffe sind höhenangepasste leicht farbige Rundfenster eingelassen. Im Hauptschiff befinden sich in der Bauflucht der Joche oben weitere allerdings dreibahnige Rundfenster, vor denen im Inneren kleine Säulen die Bahnen begrenzen bzw. abstützen. Oberhalb des Chorbogens ist mittig die heilige Familie gemalt, beiderseits schweben Engel heran.

Die Kirche hält Sitzplätze für mehr als 500 Besucher parat, die Bänke aus gebeiztem Naturholz mit dezent beschnitzten Wangen bilden zwei Reihen und lassen einen breiten Mittelgang frei.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023

Die Turmunterbauten haben eine quadratische Grundfläche (Seitenlängen je 7,5 Meter) und auf ihnen erheben sich ab Unterkante Kirchendach achteckige schlanke Türme. Die Türme sind baugleich und mit je einem kupfergedeckten Spitzhelm abgeschlossen. Im Roman des Heimito von Doderer Die Dämonen wird die Gesamtansicht so beschrieben: ein „Gotteshaus mit dem ‚zum Himmel weisenden Finger’“.

 Karmeliterkirche Döbling, Mai 2023