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Das Karmelitenkloster Döbling ist ein Kloster mit
angeschlossener römisch-katholischer Kirche – der Karmeliterkirche – im
19. Wiener Gemeindebezirk. Das erste Kloster der Unbeschuhten
Karmeliten wurde 1622 in der Leopoldstadt bei Wien gegründet –
initiiert von Kaiser Ferdinand II. und dessen Gattin Eleonora. Nachdem
Joseph II. Ende des 19. Jahrhunderts fand der Orden in Döbling seinen
neuen Standort – in der heutigen Kloster- und Kirchen-Anlage von
Döbling. Die Karmeliterkirche Döbling ist der Heiligen Familie geweiht.
Das Karmelitenkloster Döbling ist ein Kloster der Unbeschuhten
Karmeliten mit benachbarter römisch-katholischer Kirche im Bezirksteil
Unterdöbling im 19. Wiener Gemeindebezirk Döbling. Die Kirche, nördlich
der Klosteranlage in der Silbergasse 35 im Wiener Ortsteil Döbling
stehend, ist der Heiligen Familie geweiht. Das Kirchengebäude ist nicht
geostet, sondern ihre Apsis bildet den westlichen Gebäudeabschluss. Das
Kirchenhauptportal befindet sich auf der östlichen Seite zwischen den
Türmen.

Die Kirche ist eine mächtige Basilika, die in Sichtziegelmauerwerk mit
einem dreischiffigen, vierjochigen Langhaus (40 Meter lang, 25 Meter
breit bzw. an der Vierung rund 32,40 Meter breit) und Doppelturmfassade
ausgeführt wurde. Jordan setzte dabei vor allem neoromanische
Stilformen als Bauelemente ein. Die Türme sind aus gelbem Backstein
aufgemauert. Im Schaft des südlichen Turmes ist eine Kirchturmuhr
eingebaut, deren Ziffern aus römischen Zahlen gebildet werden, die auf
einer großen weißen Kreisfläche zusammen mit den schwarzen Zeigern gut
sichtbar sind.

Das Kirchenschiff besitzt einen kreuzförmigen Grundriss mit einem
nördlichen und südlichen Seitenschiff, welche von den Treppentürmen bis
zum jeweiligen Kreuzarm reichen. Es wird mit einem hohen
Kreuzrippengewölbe überspannt, dessen Zwischenflächen im dunklen Blau
gehalten sind, auf denen Sterne aufgemalt sind. Die Seitenschiffe sind
niedriger und gegen den Hauptraum mit Jochen und Säulen abgegrenzt. Die
Rippen sind durchgehend mit Ornamenten geschmückt. An das Hauptschiff
schließt sich auf der Westseite eine etwa 15 m lange Apsis in
Halbrundform an, die circa 12 Meter breit ist.
Die Inneneinrichtung besticht insbesondere durch Elemente aus
Jugendstil und Art Déco. Neben dem Hochaltar, den sechs Seitenaltären
und der Theresienkapelle verfügt die Kirche über eine Kanzel, die von
Ludwig Schadler aus Carrara-Marmor ausgeführt wurde und die die vier
lateinischen Kirchenlehrer zeigt. Papst Gregor I. ist mit den
Gesichtszügen des zur Bauzeit amtierenden Papstes Leo XIII.
dargestellt. Der Kanzelkorb ist über eine kleine Wendeltreppe
erreichbar, deren Geländer aus Schmiedeeisen geformt wurde.

Der Bau des Gotteshauses im neuen Kloster dauerte von April 1899 bis
zum August 1900. Am 18. August konnte die Pfarrei die Kirchweihe feiern
und das Turmkreuz aufstecken. Und am 5. Dezember 1901 wurde die Weihe
der 5 Glocken durchgeführt. Erst in den 1930er Jahren galt die
Innenausstattung als vollendet.

Über dem Hochaltar der Kirche befindet sich ein großes Wandbild, das
Engel und Heilige um die Heilige Familie zeigt. Es stammt von Josef
Kastner, der auch das Hochschiff mit Szenen aus dem Leben der Heiligen
Familie versah.

Der Hochaltar selbst wurde von Ludwig Schadler gestaltet und zeigt die
vier griechischen Kirchenlehrer, dahinter eine Kreuzigungsgruppe. Die
Apsis wird von einem Stern-Rippengewölbe abgeschlossen, deren
Zwischenflächen mit dunkelblauer Farbe als Sternhimmel gestaltet sind.
Die Rippen sind geweißt. Das überlebensgroße Kruzifix fertigte Josef
Pfaffenbichler.

Die Orgel der Firma Rieger aus
Jägerndorf wurde im Jahr 1905 als Opus 1200 geliefert und auf der
Empore installiert. Die Orgelweihe fand zum Theresienfest, am Sonntag
den 15. Oktober 1905, statt. Sie besitzt auf zwei Manualen und Pedal 30
klingende Register. Das Werk befindet sich in einem dreiteiligen
neugotischen Gehäuse, das die Emporenrosette freilässt.

Die Karmelitenkirche verfügt über insgesamt sechs Seitenaltäre, die aus
der Beuroner Schule stammen. Der bedeutendste Seitenaltar ist links
vorn der Gnadenaltar „Maria
mit dem geneigten Haupt". Der Altar ist nach einer Zeichnung von
Richard Jordan aus Untersberger Marmor von der Firma Marmorindustrie
Kiefer AG aus Oberalm 1904 hergestellt worden. Das Gnadenbild befindet
sich auf einem der Romanik nachempfundenen Nischenaltar und wird von
zwei reliefierten Engeln und dem Spruchband Ave Maria, gratia plena flankiert. Die Geschichte des Gnadenbildes ist auf einem Bogen um den Altar dargestellt.
Bei dem Gnadenbild handelt es sich um ein Ölgemälde im Format 45 × 60
cm. Es stammt von einem unbekannten Meister italienischer Schule aus
dem 15./16. Jahrhundert. Es zeigt die Gottesmutter im Brustbild mit
leicht geneigtem Haupt, das 1931 gekrönt wurde. Der Überlieferung nach
hat Pater Dominicus das Bild im Jahr 1609 in der Nähe des ersten
Klosters der Karmeliten in Trastevere (Rom) in einem alten Gebäude
unter Schutt entdeckt. Das Bild wurde restauriert und gelangte an den
Hof von München, später nach Wien. Dort verehrten es die Karmelitinnen,
auch Kaiser Ferdinand II. betete während der Schlacht am Weißen Berg
1620 vor dem Bild. Ferdinand schrieb später den Sieg der katholischen
Truppen der Hilfe Marias zu. Während des Ersten Weltkriegs trugen die
Gläubigen das Bild in großen Prozessionen ebenfalls durch die Straßen
Wiens zum Stephansdom. Tausende beteten vor ihm um Frieden. Auch Kaiser
Franz Joseph vertraute auf die Hilfe Marias durch dieses Bild und ließ
sich das Bild für ein Friedensgebet nach Schönbrunn bringen.

Rechts des Christkönigaltars befindet sich der Theresienaltar.
Er wurde von der Familie des Unterdöblinger Industriellen Johann
Zacherl gestiftet und zeigt die Verklärung des Herrn am Berg Tabor. Die
an der Herstellung des Johannesaltars beteiligten Künstler haben auch
diesen Altar geschaffen, der die heilige Theresia verehrt.
Im 2. Joch des Seitenschiffes – gegenüber dem Altar des hl. Johannes
vom Kreuz, befindet sich der Seitenaltar, welcher der hl.
Ordensgründerin Teresa von Avila geweiht ist. Bereits 1915 hatte Josef
Plecnik diesen Altar als Pendant zum gegenüberliegenden Altar
entworfen, die Kapellennische jedoch in Form einer Konche (Muschel),
einer halbrunden Kuppel gestaltet. Das Fenster erhielt einfaches mattes
Glas. Die Ausführung verzögerte sich. Der am Technologischen
Gewerbemuseum und im Gewerbeförderungsamt tätige Architekt Heinrich
Kathrein führte die Errichtung des Seitenaltars in den Jahren 1919-1920
durch. Altar, Leuchter und Brüstung inspirierten sich am Vorbild des
Johannes vom Kreuz - Altares. Es fehlte noch das Gemälde. 1924 war die
Not der Zeit endlich so weit gemildert, dass die Karmeliten bei Verkade
die versprochene Bemalung der Kapelle in Auftrag gaben und dieser sie
auch, befreit von den Verwaltungsaufgaben in seinem Kloster Beuron,
ausführen konnte.
Verkade gestaltete den Theresienaltar wieder in einem viel weiteren
Horizont. Er wählte als Gegenstück, Ergänzung und Weiterführung zur
Kreuzabnahme des gegenüberliegenden Johannes vom Kreuz-Altares die
Verklärung Christi auf dem Berg Tabor. Dort Leiden und Tod, hier die
selige Glorie in Vorwegnahme. Mit dem biblischen Thema erhielt er auch
die Gelegenheit, den Propheten Elija, den die Karmeliten als
geistlichen Vater verehren, und Mose, dessen ausgestreckte Hände auf
dem Berg ein Bild für die Fruchtbarkeit des kontemplativen Betens in
der Kirche sind, darzustellen. An einem Rand die hl. Teresa, am anderen
Rand zwei weitere Karmelitinnen dieses Namens. Und außerdem: dort die
Karmeliten, hier die Karmelitinnen.
In der Mitte des Gemäldes der verklärte Herr,der sich Teresa so oft in
mystischer Schau geoffenbart hatte, mit ausgebreiteten Armen. Über ihm
reicht eine auf ihn zeigende Hand aus dem Himmel herab. Links und
rechts von ihm Mose und Elija, deren Namen niedergeschrieben sind. Sie
stehen auf einem Berg, auf einem Stein steht der Name des Berges:
Tabor. Mose trägt einen Stab mit einer Schlange in der einen Hand, in
der anderen eine Pergamentrolle mit der Aufschrift: DILIGES DOMINUM
DEUM TUUM EXTOTO CORDE TUO (Du sollst den Herrn deinen Gott lieben aus
deinem ganzen Herzen). Neben Mose steht in Gebetshaltung mit gefalteten
Händen Teresa, auch ihr Name ist verzeichnet. Zur Linken des Herrn
Elija, der in der einen Hand einen Wanderstab, in der anderen eine
Schriftrolle hält, zu seinen Füßen sitzt ein Rabe.

Gegenüber dem Theresenaltar befindet sich der Johannesaltar.
Er wurde ebenso wie der Theresenaltar von der Familie Zacherl
gestiftet, zeigt eine Vision des heiligen Johannes vom Kreuz und wurde
1913–1914 vom niederländischen Benediktinerpater Willibrord Verkade
gestaltet. Der Marmoraltartisch mit Kreuz und bronzenen Leuchtern
stammt hingegen vom slowenischen Architekten Jože Plečnik. Verkade
entwarf auch die Glasfenster über dem Altar.
Die Karmeliten wünschten für ihre neue Kirche in Döbling Seitenaltäre
zu Ehren ihrer Ordensgründer. Ungeahnte Fügungen sollten die Erfüllung
dieses Wunsches ermöglichen. Zuerst entstand der Altar zu Ehren des hl.
Johannes vom Kreuz. Johannes Evangelist Zacherl (1854-1936) war ein
Wiener Fabrikant, der ein wirksames Mottenschutzmittel (Zachelin) aus
Chrysanthemenblüten entwickelt hatte. acherl, ein begeisterter Katholik
und Kulturmäzen, lernte im Jahre 1902 den slowenischen Architekten
Josef Plecnik kennen, dem er in den folgenden Jahrenzahlreiche Aufträge
gab, u.a. den Johannes vom Kreuz-Altar in der Karmelitenkirche, der die Bedeutung einer Familienkapelle erhielt.

Der Christkönigaltar befindet
sich rechts des Jesuskind-Altars und wurde 1922 vom Architekten der
Kirche, Richard Jordan, im Art-Déco-Stil aus Majolika und Marmor
geschaffen. Er veranschaulicht den starken Stilwechsel, den der
Architekt innerhalb von 20 Jahren vollzog.
Der Entwurf des Christkönigsaltares stammt von Architekt Othmar Jordan
(1875-1955), Sohn des Architekten Richard Jordan, die Ausführung von
Ludwig Schadler. Die Malerarbeiten sind von Knaus & Pruzsinszky.
Der Altar ist aus Untersberger Marmor. Dieser Seitenaltar ist reich an
Elementen des Jugendstils. Die Errichtung des Altares im Jahre 1933
steht im Zusammenhang mit der Einführung des Christkönigsfestes im
Jahre 1925 durch Pius XI., seit 1970 am letzten Sonntag des
Kirchenjahres als Hochfest gefeiert. Als Bekenntnis zum Königtum
Christi angesicht der progressiven Säkularisierung des öffentlichen
Lebens und als Absage an den totalen Machtanspruch des Kommunismus und
des Nationalsozialismus erhielt es eine sehr aktuelle Bedeutung.
Im Zentrum des Seitenaltares steht auf einem Aufbau in Holzplastik
Jesus Christus als König (H 190 cm). Zeichen seiner Königswürde sind:
Thron, Szepter, Krone. Er ist der Herr über die Zeit: Der Tierkreis,
der in einem Strahlenkranz (Ø 180 cm) die Gestalt des Christus umfängt,
bedeutet das Jahr und somit die Zeit im Allgemeinen. Er ist der Herr
über den Himmel: die 12 Stern- oder Tierkreisbilder als Symbol für die
Gestirne. Er ist der Herr über die Erde: Er hält den Globus in der
Hand. Er ist der Herr über Hölle und Unterwelt: Christus setzt seinen
Fuß zermalmend auf den Drachen. Er ist der Herr über den Tod: Im
Hintergrund im Rücken des Herrn überragt das Kreuz als Siegeszeichen in
der weißen Farbe der Auferstehung den Thron. Jesus Christus ist aber
nicht König im Sinne der weltlichen Herrscher, sondern als Erlöser: im
feierlichen Ornat des Hohenpriesters. Die Darstellung des Herzens,
verwundet durch die Undankbarkeit der Menschen und in Liebesflammen
brennend, auf das Christus selber hinzeigt, ist Symbol für seine Liebe
bis zur Hingabe des Lebens am Kreuz. Darauf weisen zwei große schöne
Engel (H 150 cm) mit goldenen Heiligenscheinen hin, die den Aufbau
flankieren und neben Thron und Tabernakel stehen: Einer trägt die
Dornenkrone, der andere die Tafel, die auf dem Kreuzesbalken angebracht
war, mit der Inschrift INRI: Iesus Nazaraenus Rex Iudaeorum (Jesus der
Nazoräer, König der Juden). Unter dem Thron befindet sich ein
Aussetzungstabernakel. Die darauf eingravierte Konsolumschrift greift
das Thema des Seitenaltars wieder auf, diesmal mit Worten aus der Herz
Jesu Litanei: Herz Jesu, König und Mittelpunkt aller Herzen.

Fast jede Karmelitenkirche hat einen Altar zu Ehren des hl. Josefs,
Bräutigam der Gottesmutter, Nährvater Jesu, Zimmermann in Nazaret.
Hochfest am 19. März. In dieser Kirche ist der mittlere Seitenaltar auf
der Kanzelseite dem hl. Josef geweiht. Auf dem Altar stehen die drei
Marmorstatuen des hl. Josef sowie der Heiligen Anna und Joachim, der
Eltern der Gottesmutter Maria und damit der Großeltern Jesu.
Der Josefsaltar wurde nach
einer Zeichnung von Richard Jordan 1909 fertiggestellt. Die Firma Toman
aus Laibach übernahm wie schon beim Hochaltar die Ausarbeitung. Dieser
Seitenaltar ist ganz nach den ursprünglichen Plänen des Architekten der
Kirche errichtet, als einziger mit reiner Ornamentenmalerei und ohne
Ausschmückung durch Gemälde. Der Altar ist zur Gänze, inklusive
Verkleidung, aus Marmor. Auf einem Podest von einer Stufe steht der
Altartisch, den vier Säulen aus braunem Marmor mit je zwei kunstvollen
Kapitellen tragen. Ein Kreuzrelief und 3 Steinrosetten schmücken den
Altar. In einem dreigliedrigen Aufbau, der durch 4 Säulen geschaffen
wird, stehen in Nischen die Marmorstatuen von Josef, Joachim und Anna –
angefertigt von Ludwig Schadler –, die von Rundbögen mit vielen
Zierkapitellen überdacht sind. Der mittlere, bedeutend höhere schließt
mit einem Giebel mit Kreuz ab.
Die Statue des hl. Josef steht in der Mitte erhöht auf einem Sockel,
der die Aufschrift trägt: „Hl. Joseph, bitt für uns!" Der Heilige hält
die Hände unter dem Kinn gefaltet. Mit der linken Hand drückt er einen
Stab an sich, an dessen Ende Lilienblüten sprossen.
Die hl. Anna, auf einem niedrigen Marmorpodest stehend, hält ein Buch
in der Hand, wahrscheinlich das Alte Testament. Sie wird als Matrone
mit einem Kopftuch dargestellt. Der Gedenktag der Eltern der
Gottesmutter wurde auf den 26. Juli zusammengelegt. Der hl. Joachim
wird als älterer Mann dargestellt, er trägt ein priesterliches Gewand,
in der rechten Hand hält er ein Lamm, in der linken Hand eine Schaufel.
Nach dem apokryphen Jakobusevangelium wies eines Tages der Oberpriester
im Tempel ein Opfer Joachims zurück, weil er keine Kinder hatte. Bald
darauf erschien dem gedemütigten Mann bei der Feldarbeit (Schaufel) ein
Engel und verkündete ihm wie auch seiner Frau die Geburt eines Kindes.
Anna und Joachim brachten ihr dreijähriges Kind Maria zum Tempel und
weihten sie Gott, woran früher das Fest Maria Opferung erinnerte
(Lamm). Heute heißt der Gedenktag „Unsere Liebe Frau in Jerusalem”.

Gegenüber dem Gnadenaltar befindet sich der Jesuskindaltar.
Er wurde ebenso wie der Gnadenaltar 1904 aus Untersberger Marmor
hergestellt. Über dem Altar befindet sich eine Kopie eines hölzernen
Jesuskindes aus dem 18. Jahrhundert, das die Karmeliten in ihrer
früheren Einsiedelei in Mannersdorf besaßen. Dieses war wiederum nach
dem berühmten Vorbild des Prager Jesuleins geschnitzt.
Der Jesus-Kind Altar wurde nach Zeichnung von Richard Jordan 1904 von
der Firma Kiefer aus Oberalm, Salzburg, aus Untersberger Marmor
angefertigt. Die Gemälde stammen von Josef Kastner. Die Verehrung des
Jesuskindes wird im Karmel seit Teresa von Avila und Johannes vom Kreuz
intensiv gepflegt, insbesondere in der Gestalt des Prager Jesuskindes.
Das wertvollste Kunstwerk auf diesem Altar ist die Statue des
Jesuskindes aus Holz, eine Kopie des Prager Jesuskindes. Diese Gestalt
des Jesuskindes kam aus Spanien nach Prag, wo sie den Karmeliten zum
Geschenk gemacht wurde. Von dort trat es seinen Siegeszug in die ganze
Welt an. Von diesem Jesuskind wissen wir nur, dass es im 17.
Jahrhundert in das Einsiedlerkloster der Karmeliten in Mannersdorf am
Leithagebirge kam. Deshalb heißt es auch das Mannersdorfer Jesulein.
Vor dieser Statue wurden viele wunderbare Heilungen und
Gebetserhörungen erlangt, sie gilt als wundertätig. Nach der Aufhebung
der Einsiedelei Mannersdorf 1783 wurde sie in der Wiener
Karmelitenkirche aufgestellt, zuerst in der Leopoldstadt, seit 1901in
Döbling. Auf der linken Seite des Altares wird die Verherrlichung der
Krippe, auf der rechten Seite die Verherrlichung des Kreuzes
dargestellt (Josef Kastner, H 260 x B 120 cm).

In der Theresienkapelle liegt
das Grab des spanischen Karmelitenpaters Dominicus a Jesu Maria, der
1622 an der Gründung des Klosters in der Leopoldstadt beteiligt gewesen
war. Er brachte auch das Gnadenbild Marias nach Wien. Sein Leichnam
wurde 1903 aus der ehemaligen Karmelitenkirche im 2. Bezirk nach
Döbling umgebettet.
Eine lateinische Inschrift auf einer schlichten Granitplatte erinnert
an seinen Tod in Wien am 16. Februar 1630, die Beisetzung in der alten
Karmelitenkirche in der Taborstraße im 2. Bezirk und die Überführung
nach Döbling am 17. April 1903. P. Dominikus von Jesus Maria (Ruzzola),
geboren am 16. Mai 1559 zu Calatayud in Aragonien/Spanien, trat in
Zaragossa bei den Karmeliten ein. 1589 schloss er sich der Reform der
hl. Teresa an. 1604 wurde er zum Aufbau des Teresianischen Karmels in
Europa nach Rom gesandt. 1617-1620 war er General des Ordens. Im
Auftrag des Papstes war er Feldkaplan der kaiserlichen Truppen bei der
entscheidenden Schlacht am Weißen Berg bei Prag im Jahre 1620. Der
Kaiser schätzte ihn und förderte die Ausbreitung des Ordens. 1629 rief
ihn der Kaiser zu sich in die Hofburg, wo er bald darauf starb.

Hinter dem Grab befindet sich ein weißer Marmoraltar mit einer Figur
der 1925 heiliggesprochenen Karmelitin Theresia von Lisieux. Die von
der Kapelle aus zugängliche Gruft der Karmeliten wurde zwischen 1917
und 1932 auch für die sterblichen Überreste von Verwandten der Kaiserin
Zita verwendet. Diese hatte die Särge aus dem Kloster Kostanjevica bei
Görz nach Wien bringen lassen, da sie eine Beschädigung infolge der
Kriegsgeschehnisse befürchtete. Unter den Särgen befand sich auch jener
des französischen Königs Karl X.
Der Altar zur Hl. Thérèse von Lisieux
aus Laasermarmor mit Mosaikschmuck und prachtvollen Kandelabern aus
vergoldetem Kupfer birgt ein Reliquiar mit einem Partikel aus den
Gebeinen der Heiligen. Die Heilige, dargestellt in einer fast
lebensgroßen Holzstatue von Ludwig Schadler, tritt aus einer aus Kupfer
getriebenen Rosenlaube hervor, steigt über Stufen herab und reicht eine
Rose dar. In einer Hand hält sie ein Kreuz. Elemente des Jugendstils
sind in der Gestaltung des Altares unübersehbar. Stirnseitig schmücken
den Altar zwei Wandmalereien, die den Ordenseintritt und den Tod der
Heiligen darstellen.Diese Gemälde sind ein Werk von Josef Kastner
junior, einem Neffen unseres damals schon verstorbenen Kirchenmalers.
Die Seitenwände nahe dem Altar sind von marmornen Votivtafeln
eingefasst, mit einem Schriftband mit Worten der hl. Thérèse in der
Umrahmung: „ICH WILL DIE MENSCHEN LEHREN GOTT ZU LIEBEN WIE ICH IHN
LIEBE. ICH WILL MEINEN HIMMEL DAMIT VERBRINGEN GUTES AUF ERDEN ZU TUN.“
Allerdings werden dort auch Votivtafeln zu Ehren der Muttergottes mit
dem geneigten Haupt angebracht.

Die Kirche in Form einer neuromanischen Basilika hat drei Schiffe und
vier Joche im Langhaus. Der erhabene Raumeindruck wird bestimmt von der
weiträumigen, großzügigen Dimensionierung, der reichen malerischen
Ausstattung, den wertvollen Altären und Skulpturen aus Marmor und der
glanzvollen Beleuchtung. Das mittlere Kirchenschiff ist hoch und breit,
die Seitenschiffe sind niedriger und schmäler. Die drei Schiffe haben
bemerkenswerte Bandrippengewölbe. Durch rundbogige Arkaden, die auf
massiven Pfeilern mit Würfelkapitellen ruhen, fällt der Blick in die
Seitenschiffe mit den tonnengewölbten Altarnischen mit
Lunettenfenstern. Das Kirchenschiff ist durch den rundbogigen
Triumphbogen vom hohen quadratischen Presbyterium abgetrennt. Das
Presbyterium hat ein hohes Schirmrippengewölbe, zu den Seiten hin ist
es durch drei rundbogige Arkaden geöffnet.

Ein Kloster der Unbeschuhten Karmeliten wurde in Österreich erstmals am
4. Februar 1622 in der Leopoldstadt bei Wien in einem Neubau gegründet
(vgl. Karmeliterkirche Leopoldstadt). Ermöglicht haben das Kaiser
Ferdinand II. und dessen Gemahlin Eleonora. Nachdem Joseph II. im Jahr
1783 neben vielen anderen auch den Konvent der Karmeliten aufgehoben
hatte, konnte sich die Ordensgemeinschaft bis 1838 nur als
Karmelitenpfarre halten. Danach ging auch die Pfarre an den Weltklerus
über. Während das Klosterensemble später abgerissen wurde, dient die
ehemalige Klosterkirche noch immer als Pfarrkirche und heißt
Karmeliterkirche Leopoldstadt.

Der für die Karmeliter bedeutendste Seitenaltar ist der Gnadenaltar
„Maria mit dem geneigten Haupt“ (1904). Das aus dem 15. oder 16.
Jahrhundert stammende Bild soll im 17. Jahrhundert von dem
Karmelitermönch Pater Dominicus in einem verfallenen Haus in Rom
gefunden worden sein. Als er es vom Staub befreite, soll Maria
gelächelt und das Haupt dankbar zur Seite geneigt haben. Das Bild wurde
dem Kloster in der Leopoldstadt übergeben und von den Karmeliten,
insbesondere auch von den Habsburgern hoch verehrt. Nach der
Fertigstellung der neuen Kirche fand es seine Aufstellung in dem von
Richard Jordan entworfenen Gnadenaltar.
Fenster über dem Gnadenaltar „Maria mit dem geneigten Haupt“

Für die Aufgabe ihres früheren Klosters hatten die Karmeliten vom
Kaiser eine Entschädigung von 350.000 fl. (Gulden) aus einem
Religionsfonds erhalten. Damit erwarben sie ein Baugelände vom Orden
der Serviten im 19. Wiener Bezirk und beauftragten den Architekten
Richard Jordan mit der Ausarbeitung von Bauplänen für eine neue
Klosteranlage einschließlich einer dazugehörigen Kirche. Die
Grundsteinlegung erfolgte am 14. Oktober 1898 durch den Prälaten
Zschokke. Wegen stetiger Kostensteigerungen verzögerte sich die
endgültige Fertigstellung der eigentlichen Klostergebäude und des
Inneren um mehrere Jahre. Trotzdem erfolgte der Umzug der Karmeliten
vom früheren Klosterstandort in der Leopoldstadt bereits 1901, unter
anderem wurde die Bibliothek wieder eingerichtet.

Das dreiteilige Glasfenster über dem Josefsaltar, hergestellt von Geyling, zeigt folgende Heilige: in der Mitte eine gekrönte Madonna mit dem Jesuskind. Links: hl. Johannes Nepomuk
(1350-1393), Generalvikar der Erzdiözese Prag, wegen Wahrung des
Beichtgeheimnisses von König Wenzel IV. in der Moldau ertränkt.
Gedenktag am 16. Mai. Dargestellt imTalar mit Rochett, Birett, Cappa,
Stola, Palmzweig und Kreuz. Brückenheiliger. Rechts: hl. Johannes Maria Vianney,
Pfarrer von Ars (1786-1859), Patron der Pfarrer und Weltpriester,
unermüdlicher Beichtvater und Seelsorger. Gedenktag am 4. August. In
der rechten Hand hält er eine Lilie, in der linken ein Kreuz.
Inschrift: „Gewidmet von der Familie Metzker, Döbling. 1909.“

Pieta

Der Riesenkruzifix ist ein Werk
des Bildhauers Josef Pfaffenbichler. Er wurde am 19. August 1887 in
Seitenstetten NÖ. geboren. 1915-1918 war er ordentlicher Schüler der
Kunstgewerbeschule des Österreichischen Museums in Wien. Nachdem er für
seine Abschlussarbeit an der Schule (Kruzifix in Ton) einen Preis
erhalten hatte, beauftragte ihn das Ministerium für öffentliche
Arbeiten, auf Staatskosten dieses Kruzifix von seltener Größe zu
schnitzen.

Fatimakapelle

In den Wänden der Seitenschiffe sind höhenangepasste leicht farbige
Rundfenster eingelassen. Im Hauptschiff befinden sich in der Bauflucht
der Joche oben weitere allerdings dreibahnige Rundfenster, vor denen im
Inneren kleine Säulen die Bahnen begrenzen bzw. abstützen. Oberhalb des
Chorbogens ist mittig die heilige Familie gemalt, beiderseits schweben
Engel heran.
Die Kirche hält Sitzplätze für mehr als 500 Besucher parat, die Bänke
aus gebeiztem Naturholz mit dezent beschnitzten Wangen bilden zwei
Reihen und lassen einen breiten Mittelgang frei.

Die Turmunterbauten haben eine quadratische Grundfläche (Seitenlängen
je 7,5 Meter) und auf ihnen erheben sich ab Unterkante Kirchendach
achteckige schlanke Türme. Die Türme sind baugleich und mit je einem
kupfergedeckten Spitzhelm abgeschlossen. Im Roman des Heimito von
Doderer Die Dämonen wird die Gesamtansicht so beschrieben: ein
„Gotteshaus mit dem ‚zum Himmel weisenden Finger’“.
