Michaelerkirche

Pfarrkirche zu St. Michael in Wien, Jänner 2023

Die Michaelerkirche (Pfarrkirche zu St. Michael) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche am Michaelerplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt. Sie wurde von 1219 bis 1221 durch den Babenberger Herzog Leopold VI. errichtet und war im 13. Jahrhundert eine von drei Pfarreien in Wien, neben St. Stephan und dem Schottenstift, und ist eine der ältesten Kirchen Wiens. Die Michaelerkirche ist einer der wenigen romanischen Bauten in Wien. Manche Elemente wurden nachträglich aber auch im Barock oder klassizistisch überbaut. Die Kirche ist dem Erzengel Michael geweiht und wird seit 1923 von den Salvatorianern betreut. Bekannt ist die Kirche vor allem wegen der Michaelergruft, in der manche Leichen aufgrund besonderer klimatischer Eigenschaften nicht verwesten, sondern mumifiziert wurden.

 Michaelerkirche in Wien, Jänner 2023

Den tempelartigen Portalvorbau an der Westfassade entwarf 1724/25 Antonio Beduzzi, die Giebelfiguren der drei Erzengel Gabriel, Raphael und Michael, der Luzifer stürzt, schuf Lorenzo Mattielli. Die Fassade wurde 1792 nach dem Entwurf von Ernest Koch klassizistisch verblendet, um mit den sie einschließenden Häusern eine einheitliche Front zu bilden.

Der 1724 errichtete Portikusvorbau ist durch eine von Lorenzo Mattielli geschaffene Figurengruppe mit dem Erzengel Michael bekrönt.

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Mittelschiff: Das Mauerwerk wird getragen von Pfeilern mit kreuzförmigem Grundriss, verbunden durch spitzbogige Arkaden, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen trennen. Die Pfeiler sind bereichert durch auf Lisenen anliegende Halbsäulen und werden vom zweiten Joch an von Viertelsäulen begleitet. Die Kapitelle weisen einen großen Reichtum an Formen auf: spätromanische mit schlinggewächsartigen Ranken (um 1225), spätromanische Kelchknospenkapitelle (um 1230) und Blätterkapitelle (um 1240). Vom Boden aufragende Dienste tragen das spitzbogige Kreuzrippengewölbe mit schönen Schlusssteinen. Die Mittelschiffgewölbe wurden nach dem Brand von 1276 erneuert. Durch die schwere Lichtgadenmauer wirkt die Kirche düster. Deshalb wurden 1828 im Hauptschiff einige Fenster herausgebrochen, um den Lichteinfall zu verstärken.

Drachenkapitell (um 1220, am Kanzelpfeiler): gefiederte und geschuppte Fabeltiere, deren Schweifenden ineinander verschlungen sind – ein spätromanisches Motiv, wie es auch in den Domen zu St. Stephan und Wiener Neustadt zu finden ist.

Der barocke Hochaltar wurde 1782 nach Entwürfen von Jean Baptiste d’Avrange gebaut, Steinmetzarbeiten führte Stefan Gabriel Steinböck aus. Das monumentale Alabasterrelief des Engelsturz mit dem Erzengel Michael an der Rückwand wurde von Karl Georg Merville geschaffen.

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Die Barockisierung des gotischen Chores 1781/1782 erfolgte nach einem Entwurf von Jean Baptiste d’Avrange. Die vier Evangelistenstatuen des Hochaltars stammen von Johann Martin Fischer und die Statuen des heiligen Rochus (rechts) und des heiligen Sebastian (links) sowie die zwei Putti und die vier Engel von Philipp Jakob Prokop. Über dem Tabernakel befindet sich das Gnadenbild Maria Candia, ein italo-byzantinischen Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, das aus der Nikolauskirche zu Candia (heute Iraklio) hierher übertragen wurde.

Das Engelsturz-Stuckrelief vom Chorgewölbe bis hinunter zum Altar an der Chorscheitelwand (Chorschluss) schuf der Bildhauer Karl Georg Merville, ebenso den Wolkenhimmel. Die Bronzeornamente am Tabernakel, an der Mensa und an den Säulen stammen von Benedikt Henrici, der auch das vergoldete Relief mit dem Lamm Gottes am Hochaltar schuf. An Marmorsorten wurde eher welche mit blassen Farben verwendet, außer beim Tabernakel und bei der Altarverkleidung, wo der weiße Carrara-Marmor herangezogen wurde. Für diese Steinmetzarbeiten wurde Stefan Gabriel Steinböck beauftragt.

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Die Orgel der Michaelerkirche wurde durch Johann David Sieber erbaut. Sie erklang erstmals am 24. Jänner 1714 in Gegenwart Kaiser Karls des Vl. Um den Lichteinfall durch das Westfenster nicht zu behindern, befinden sich Hauptwerk und Pedal, jeweils getrennt nach C- und Cis-Lade, in zwei Gehäusen an der Nord- bzw. Südwand der Empore, die nach einem Entwurf von Antonio Beduzzi 1713 verlängert und zur Musikempore umgebaut worden war. Der hintere Teil der Empore ruht auf einem spätgotischen Gewölbe, der vordere auf einer Holzbalkendecke. Die Verlängerung der Empore war für das Instrument geplant worden, in ihrem doppelten Boden verlaufen die technischen Verbindungen zwischen Spieltisch, Brüstungspositiv, den beiden seitlichen Orgelkästen und der Balganlage. Der Organist blickt beim Spiel in Richtung Westfenster, in seinem Rücken befindet sich, in die Brüstung eingebaut, das Rückpositiv, vor ihm, in den Spieltisch integriert, das Continuo-Werk.

Das Instrument hat in seiner Disposition 40 Register auf drei Manualen und Pedal mit mechanischen Schleifladen. 32 der historischen Register sind erhalten.

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Hauptchor mit dem Altarraum
Das erste Chorquadrat ist romanisch, wie die kleinen zugemauerten Fenster in der Wand zeigen. Um 1416 wurde der Chor nach Osten im gotischen Stil (mit großen Langfenstern) verlängert. Der letzte Gewölbe-abschnitt ist durch den Engelssturz von 1781/82 überdeckt.

Triumphbogen. Die Wandmalerei ist um 1350 entstanden und zeigt das Jüngste Gericht. Dieses bedeutende Fresko wurde um 1416 bei der gotischen Chorerweiterung übermalt und erst wieder in unseren Tagen freigelegt. Christus sitzt vor dem Kreuz mit ausgebreiteten Armen. Auf den Balken des Kreuzes liegen die Marterwerkzeuge. Maria und Johannes knien, während die Apostel sitzen. Links vom Beschauer die Seligen, rechts die Verdammten.
Beim Choreingang sind spätbarocke Holzskulpturen angebracht: links der hl. Josef, rechts der hl. Johannes von Nepomuk.

Hochaltar mit dem Engelssturz (1781/82) von Carl Merville. Durch die barocke Kommunionbank (1670) ist der Altarraum vom übrigen Chor getrennt. Nach dem Entwurf des Ingenieurs und Oberstleutnants Jean Baptiste d’Avrange (1728–1789) ist er in zwei Zonen eingeteilt: in den Hochaltar mit der Ikone Maria Candia und die Rückfläche mit dem als Hochrelief gearbeiteten Engelssturz. Der Altar bringt den Klassizismus in seiner josephinischen Form am deutlichsten zum Ausdruck. Die tumba-ähnliche Mensa mit den reichen Ornamenten ist überragt von dem Tabernakel. Die verwendeten Marmorsorten zeigen die für das ausgehende 18. Jahrhundert typischen blassen Farben. Nur der Tabernakel und die Altarverkleidung sind aus weißem Carrara-Marmor. Die Steinmetzarbeiten stammen von Stefan Gabriel Steinböck.

Das Gnadenbild Maria Candia ist eine Ikone vom Typ Maria Wegweiserin (Hodegetria), ein Werk der italo-byzantinischen Kunst um 1540. Es ist in Temperafarben auf Zypressenholz gemalt, 77 cm breit, 105 cm hoch und 2,5 cm dick. Den Rahmen fertigte der Wiener Goldschmied Joseph Moser. Die Ikone aus der Nikolauskirche zu Candia auf Kreta wurde 1672 vom Oberbefehlshaber des kaiserlichen Expeditionskorps Heinrich Ulrich von Kilmannsegg der Pfarrkirche St. Michael übergeben. Das Gnadenbild ist seit 1772 Mittelpunkt des Hochaltars. Das Gnadenbild ist seit 1772 der Mittelpunkt des Hochaltares.

Der Engelssturz von Carl Merville (1745–1798) stellt die Verbindung vom Wolkenhimmel zur Altarzone her. Die Vertikale der stürzenden Gestalten bildet zur ruhigen Horizontale des Altares einen wirkungsvollen Gegensatz. Der Engelssturz basiert auf Kap. 12 der Offenbarung des Johannes. Er verbindet räumlich und inhaltlich das Gnadenbild Maria Candia mit dem Erzengel Michael zu einer Einheit.

Der Bildhauer Philipp Jacob Prokop (1740–1814) schuf die über den Seitenportalen stehenden Statuen: links hl. Sebastian, rechts hl. Rochus; ferner zwei kleine Putti über dem Tabernakel, zwei das Gnadenbild tragende Cherubim sowie die zwei Leuchter tragenden Engel bei der Kommunionbank. Die beiderseits des Tabernakels sitzenden Evangelisten stammen von Johann Martin Fischer (1741–1820). Alle Statuen bestehen aus Margarethener Sandstein, sind mit Stuck überzogen und poliert. Die Bronzeornamente am Tabernakel, an der Tumba und an den Säulen sind ein Werk des Bildhauers Benedikt Henrici, der auch das vergoldete Relief mit dem Lamm Gottes am Hochaltar schuf.

Ikone Maria Candia, um 1540, am Hochaltar

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In der Kirche gibt es über 100 Grabmäler beziehungsweise Epitaphe, da sie neben dem Stephansdom die wichtigste Begräbniskirche Wiens war.

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Der Kreuzaltar wurde nach dem Entwurf von Johann Zobel 1823 im Sinne des Klassizismus erbaut; die Figuren der Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena stammen von Franz Käßmann.

Grablegung Jesu am Kreuzaltar - Bildwerke des klassizistischen Bildhauers Franz Käßmann

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Werdenbergkapelle: Im Rundbogen Wandmalereien um 1350, zwei fliegende Engel tragen ein Medaillon mit Christusbüste (Pantokrator). 1627/29 ließ Graf Johann Baptist Werdenberg die Chorkapelle frühbarock umgestalten, wobei das Gewölbe neu eingebaut wurde. Der barocke Altar aus verschiedenen Marmorsorten trägt das Bild „Anbetung der Hirten“ von Franz Anton Maulbertsch (1753/55).

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Juliusaltar: Entwurf von Johann Zobel, 1826 in Stuck ausgeführt. Statuen vom Bildhauer Franz Käßmann, darstellend die Verherrlichung des jungen römischen Blutzeugen Julius. Die Reliquien wurden 1773 nach Aufhebung des Jesuitenordens von der Kaiserin Maria Theresia der Michaelerkirche geschenkt. Über dem Gurtbogen zur Kreuzkapelle ist das ehemalige Hochaltarbild mit einer Darstellung des Engelssturzes angebracht, das von Michelangelo Unterberger 1751 geschaffen wurde.

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Der Messkelch ist das erhabenste und wesentlichste unter den bei der Eucharistiefeier benutzten geweihten Gefäßen, den vasa sacra. In ihm wird nach römisch katholischer Lehre der mit Wasser vermischte Wein zum Blut Christi. Er steht für jenen Kelch, den Christus beim letzten Abendmahl seinen Jüngern gereicht hat - mit den Worten „mein Blut, das für euch und für alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden". Diese herausragende Stellung erklärt die stets hochwertige künstlerische Ausgestaltung und die Verwendung von Gold oder vergoldetem Silber für solche Gefäße. Ihr künstlerischer Schmuck bezieht sich meist auf Elemente der Eucharistie, so auch im vorliegenden Fall: In der reichen Treibarbeit finden wir Trauben als Hinweis auf den Wein. Sie sitzen auf Volutenstegen, die dem Kelch insgesamt eine architektonisch gedachte Struktur verleihen. Vom Fuß ausgehend ziehen sie sich über den Schaft nach oben, um die Trinkschale, die sogenannte Kuppa, zu tragen. Den Raum zwischen den geschwungenen Stegen bevölkern Kinderengel (Putti); die gesamte Oberfläche ist von Edelsteinen in den liturgischen Farben Grün, Rot und Violett überzogen. Diese farblichen Akzente werden durch bunte, minutiös emaillierte Medaillons ergänzt. An der Kuppa zeigen sie die Ölbergszene, das letzte Abendmahl und die Auferstehung Christi. Die Emails am Fuß beziehen sich auf das Alte Testament: Sie stellen Josef im Brunnen, Tobias, der seinen blinden Vater heilt, und das Opfer des Manoah dar.

Nicht nur mit diesen Darstellungen hebt sich der Kelch von anderen ab. Seine harmonische Gestaltung verrät einen versierten Goldschmied, der Elemente der Architektur in seine Goldschmiedearbeit einfließen ließ: Tragende und gliedernde Stege, Bildkartuschen und Kinderengel, wie wir sie auch in der Ausgestaltung der Vesperbildkapelle finden, sind in etwas jüngerer Stilistik bravourös in die Goldschmiedearbeit übersetzt.
Auch wenn wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, von wem der Kelch geschaffen wurde, steht doch fest, dass es sich um ein Glanzstück barocker Wiener Goldschmiedekunst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts handelt.

MESSKELCH - Wien, um 1750–1760, Silber, vergoldet, Email, Edelsteine

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Vesperbildkapelle. Die prachtvolle, mit Stuck versehene Kapelle wurde 1637/39 auf Betreiben des damals bedeutenden Predigers Wiens, Don Florentinus Schilling errichtet. Einen Teil der Kosten übernahm die Fürstin Margaretha von Eggenberg. Die Kammerfrau der Kaiserin Maria, Anna Segarra, stiftete die Altarschranken aus Marmor. Als Maler der Kapelle wird Ambros Petrucci genannt. 1721/22 errichtete der Bildhauer Josef Högenwald einen neuen Altar. Auf diesem die geschnitzte gotische Pietà, um 1435/45. Bei den Wandmalereien der Vesperbildkapelle sind die acht Kartuschen mit Leidenswerkzeuge tragenden Engelchen beachtenswert. Gemälde an der rechten Wand: Ölberg, darüber die Geißelung Christi. Linke Wand: Veronika reicht das Schweißtuch dar, oben die Dornenkrönung. 2005/06 erfolgte die umfangreichste Restaurierung der gesamten Kapelle.

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Deckenansicht in der Vesperbildkapelle, 1637/39, mit der Verklärung Jesu und den vier Kirchenvätern

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An der Nordwand errichtete Hans Schwathe eine Lourdesgrotte mit Marienstatue aus Laaser Marmor.

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In der Turmkapelle mit einem Kreuzgewölbe aus dem 13. Jahrhundert befinden sich Wandmalereien um 1300 und um 1325. Der Eingang zur Turmkapelle ist mit einem Giebelschmuck ausgestattet, der mit 1643 datiert ist. Rechts vom Portal befindet sich eine Wandmalerei, die den hl. Michael als Seelenwäger zwischen Maria mit dem Kind als Fürsprecherin und Satan als Ankläger darstellt und um 1350 entstand.

Eingangsbereich der Turmkapelle mit Fresko um 1350

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Turmkapelle: Rechts vor dem Eingang Wandmalerei hl. Michael als Seelenwäger zwischen Maria mit dem Kind als Fürsprecherin und Satan als Ankläger, um 1350. Die Turmkapelle ist ein harmonisch abgestimmter Raum. Das eindrucksvolle Kreuzgewölbe des 13. Jahrhunderts lagert über edlen Kapitellen auf Pfeilerbündeln. 1935/36 errichtete Hans Schwathe an der Nordwand eine Lourdesgrotte mit Marienstatue aus Laaser Marmor und gegenüber das Denkmal des ermordeten Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß.

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Judas-Thaddäus-Kapelle. Diese Kapelle befindet sich links vom Eingangsbereich. Die Evangelistensymbole im Kreuzrippengewölbe stammen aus der Zeit um 1300. Der Altar entstand 1827. Das Altarbild (1928 vom Orden der Salvatorianer in Auftrag gegeben) zeigt Judas Thaddäus – einen in Wien sehr verehrten Heiligen – als Helfer in der größten Not.

Gemälde des Judas Thaddaeus, verehrter Helfer in höchster Not, um 1928, von den Salvatorianern in Auftrag gegeben

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Unter den späten Babenbergern, den Herzögen Leopold VI. dem Glorreichen (1198-1230) und Friedrich II. dem Streitbaren (1230-1246), wurde St. Michael als landesfürstliche „Eigenkirche" errichtet. Nachdem 1276 das Mittelschiffgewölbe der Michaelerkirche durch einen Stadtbrand zerstört worden war und wiederaufgebaut werden musste, erfuhr die Beziehung zwischen den Landesfürsten und der Michaelerkirche im späten 13. Jahrhundert einen wesentlichen Wandel.

Die neuen Machthaber, die frühen Habsburger, fühlten sich seit einem Aufstand der Wiener im Jahr 1288 nicht mehr sicher, sodass Herzog Albrecht I. eine Burgkapelle stiftete, um fortan hinter den geschützten Mauern der Burg der Messe beiwohnen zu können. Erst um die Mitte des 14. Jahrhunderts intensivierte sich die Beziehung zwischen dem Herzog und seiner Eigenkirche wieder: 1340 stifteten Herzog Albrecht II. und Herzogin Johanna von Pfirt ein neues Presbyterium für St. Michael. Mehrere Ereignisse (1525 Stadtbrand, 1530 Schließung des Friedhofs, Beginn der Reformation) beendeten die mittelalterliche Blütezeit der Pfarrkirche.

Im Zuge der Gegenreformation übernahm der Orden der Barnabiten 1626 die Pfarre und ließ zunächst Altäre, neue Kapellen und Gruftanlagen erbauen. Den Höhepunkt der barocken Bautätigkeit bildeten die Errichtung des Kolleggebäudes in der Habsburgergasse in drei Bauetappen (1693-1695, 1707-1710 und 1755/1756), des Großen Michaelerhauses am Kohlmarkt (1706-1710) und des Kleinen Michaelerhauses zur Reitschulgasse (1732/1733). Den bis heute das äußere Erscheinungsbild der Kirche prägenden Abschluss der Arbeiten brachte 1792 die frühklassizistische Fassade von Ernest Koch. Seit 1923 wird die Pfarre vom Salvatorianerorden betreut, der sowohl das alte Kirchengebäude durch künstlerische Interventionen mit Fragen der Gegenwart konfrontiert als auch den wertvollen historischen Bestand durch zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen erhält, aufdeckt und zugänglich macht.

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Nördliche Kapellen: Gewidmet ist der linke Altar dem hl. Apostel Paulus als Schutzpatron des Ordens und der rechte Altar dem hl. Alexander Sauli – Patron von Korsika – (in der Mitte des Bildes) und dem hl. Karl Borromäus (im Bild links).

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Alexander-Sauli-Kapelle, 1826. Das barocke Deckenfresko von Carlo Innocenzo Carlone (um 1720/21) stellt die Verherrlichung der Dreifaltigkeit durch ein Engelskonzert dar. Es ist eine Kopie des Freskos der Ludwigsburger Schlosskapelle. Der Altar ist klassizistisch, das Altarbild stammt von Ludwig Schnorr von Carolsfeld, 1826, und zeigt den 1904 heilig gesprochenen Ordensheiligen Alexander Sauli.

Barockes Deckenfresko in der Alexander-Sauli-Kapelle, um 1720

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Im Jahre 1626 wurden die Barnabiten aus Mailand nach Wien, St. Michael gerufen. Anlässlich der 200-Jahrfeier dieser Ordensgemeinschaft in Wien wurden – im Jahre 1826 – unter anderem die beiden Altäre der Kapelle errichtet.

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Die barocke Kuppel wird von einer Laterne mit acht Fenstern durchbrochen. Direkt vor Ihnen, in der Barnabitenkapelle, zeigt das Deckengemälde von Carlo Innocenzo Carlone einen Himmelschor (um 1720), der mit Instrumenten jener Zeit (Laute, Gambe, Fagott u. a.) und drei Sängerinnen zur Ehre Gottes musiziert.

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St. Michael ist neben der Stephanskirche die wichtigste Begräbniskirche Wiens. Entsprechend bedeutend und umfangreich ist ihr Grabdenkmälerbestand.

Deckplatte der Pergen-Suttinger-Gruft

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