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Die Michaelerkirche (Pfarrkirche zu St. Michael) ist eine römisch-katholische Pfarrkirche am Michaelerplatz im 1. Wiener Gemeindebezirk, Innere Stadt. Sie wurde von 1219 bis 1221 durch den Babenberger Herzog Leopold VI. errichtet und war im 13. Jahrhundert eine von drei Pfarreien in Wien, neben St. Stephan und dem Schottenstift, und ist eine der ältesten Kirchen Wiens. Die Michaelerkirche ist einer der wenigen romanischen Bauten in Wien. Manche Elemente wurden nachträglich aber auch im Barock oder klassizistisch überbaut. Die Kirche ist dem Erzengel Michael geweiht und wird seit 1923 von den Salvatorianern betreut. Bekannt ist die Kirche vor allem wegen der Michaelergruft, in der manche Leichen aufgrund besonderer klimatischer Eigenschaften nicht verwesten, sondern mumifiziert wurden.

Den tempelartigen Portalvorbau an der Westfassade entwarf 1724/25
Antonio Beduzzi, die Giebelfiguren der drei Erzengel Gabriel, Raphael
und Michael, der Luzifer stürzt, schuf Lorenzo Mattielli. Die Fassade
wurde 1792 nach dem Entwurf von Ernest Koch klassizistisch verblendet,
um mit den sie einschließenden Häusern eine einheitliche Front zu
bilden.
Der 1724 errichtete Portikusvorbau ist durch eine von Lorenzo Mattielli
geschaffene Figurengruppe mit dem Erzengel Michael bekrönt.

Mittelschiff: Das Mauerwerk
wird getragen von Pfeilern mit kreuzförmigem Grundriss, verbunden durch
spitzbogige Arkaden, die das Mittelschiff von den Seitenschiffen
trennen. Die Pfeiler sind bereichert durch auf Lisenen anliegende
Halbsäulen und werden vom zweiten Joch an von Viertelsäulen begleitet.
Die Kapitelle weisen einen großen Reichtum an Formen auf:
spätromanische mit schlinggewächsartigen Ranken (um 1225),
spätromanische Kelchknospenkapitelle (um 1230) und Blätterkapitelle (um
1240). Vom Boden aufragende Dienste tragen das spitzbogige
Kreuzrippengewölbe mit schönen Schlusssteinen. Die Mittelschiffgewölbe
wurden nach dem Brand von 1276 erneuert. Durch die schwere
Lichtgadenmauer wirkt die Kirche düster. Deshalb wurden 1828 im
Hauptschiff einige Fenster herausgebrochen, um den Lichteinfall zu
verstärken.
Drachenkapitell (um 1220, am
Kanzelpfeiler): gefiederte und geschuppte Fabeltiere, deren
Schweifenden ineinander verschlungen sind – ein spätromanisches Motiv,
wie es auch in den Domen zu St. Stephan und Wiener Neustadt zu finden
ist.
Der barocke Hochaltar wurde
1782 nach Entwürfen von Jean Baptiste d’Avrange gebaut,
Steinmetzarbeiten führte Stefan Gabriel Steinböck aus. Das monumentale
Alabasterrelief des Engelsturz mit dem Erzengel Michael an der Rückwand
wurde von Karl Georg Merville geschaffen.

Die Barockisierung des gotischen Chores 1781/1782 erfolgte nach einem
Entwurf von Jean Baptiste d’Avrange. Die vier Evangelistenstatuen des
Hochaltars stammen von Johann Martin Fischer und die Statuen des
heiligen Rochus (rechts) und des heiligen Sebastian (links) sowie die
zwei Putti und die vier Engel von Philipp Jakob Prokop. Über dem
Tabernakel befindet sich das Gnadenbild Maria Candia, ein
italo-byzantinischen Kunstwerk aus dem 16. Jahrhundert, das aus der
Nikolauskirche zu Candia (heute Iraklio) hierher übertragen wurde.
Das Engelsturz-Stuckrelief vom Chorgewölbe bis hinunter zum Altar an
der Chorscheitelwand (Chorschluss) schuf der Bildhauer Karl Georg
Merville, ebenso den Wolkenhimmel. Die Bronzeornamente am Tabernakel,
an der Mensa und an den Säulen stammen von Benedikt Henrici, der auch
das vergoldete Relief mit dem Lamm Gottes am Hochaltar schuf. An
Marmorsorten wurde eher welche mit blassen Farben verwendet, außer beim
Tabernakel und bei der Altarverkleidung, wo der weiße Carrara-Marmor
herangezogen wurde. Für diese Steinmetzarbeiten wurde Stefan Gabriel
Steinböck beauftragt.

Die Orgel der Michaelerkirche
wurde durch Johann David Sieber erbaut. Sie erklang erstmals am 24.
Jänner 1714 in Gegenwart Kaiser Karls des Vl. Um den Lichteinfall durch
das Westfenster nicht zu behindern, befinden sich Hauptwerk und Pedal,
jeweils getrennt nach C- und Cis-Lade, in zwei Gehäusen an der Nord-
bzw. Südwand der Empore, die nach einem Entwurf von Antonio Beduzzi
1713 verlängert und zur Musikempore umgebaut worden war. Der hintere
Teil der Empore ruht auf einem spätgotischen Gewölbe, der vordere auf
einer Holzbalkendecke. Die Verlängerung der Empore war für das
Instrument geplant worden, in ihrem doppelten Boden verlaufen die
technischen Verbindungen zwischen Spieltisch, Brüstungspositiv, den
beiden seitlichen Orgelkästen und der Balganlage. Der Organist blickt
beim Spiel in Richtung Westfenster, in seinem Rücken befindet sich, in
die Brüstung eingebaut, das Rückpositiv, vor ihm, in den Spieltisch
integriert, das Continuo-Werk.
Das Instrument hat in seiner Disposition 40 Register auf drei Manualen
und Pedal mit mechanischen Schleifladen. 32 der historischen Register
sind erhalten.

Hauptchor mit dem Altarraum
Das erste Chorquadrat ist romanisch, wie die kleinen zugemauerten
Fenster in der Wand zeigen. Um 1416 wurde der Chor nach Osten im
gotischen Stil (mit großen Langfenstern) verlängert. Der letzte
Gewölbe-abschnitt ist durch den Engelssturz von 1781/82 überdeckt.
Triumphbogen. Die Wandmalerei
ist um 1350 entstanden und zeigt das Jüngste Gericht. Dieses bedeutende
Fresko wurde um 1416 bei der gotischen Chorerweiterung übermalt und
erst wieder in unseren Tagen freigelegt. Christus sitzt vor dem Kreuz
mit ausgebreiteten Armen. Auf den Balken des Kreuzes liegen die
Marterwerkzeuge. Maria und Johannes knien, während die Apostel sitzen.
Links vom Beschauer die Seligen, rechts die Verdammten.
Beim Choreingang sind spätbarocke Holzskulpturen angebracht: links der hl. Josef, rechts der hl. Johannes von Nepomuk.
Hochaltar mit dem Engelssturz
(1781/82) von Carl Merville. Durch die barocke Kommunionbank (1670) ist
der Altarraum vom übrigen Chor getrennt. Nach dem Entwurf des
Ingenieurs und Oberstleutnants Jean Baptiste d’Avrange (1728–1789) ist
er in zwei Zonen eingeteilt: in den Hochaltar mit der Ikone Maria
Candia und die Rückfläche mit dem als Hochrelief gearbeiteten
Engelssturz. Der Altar bringt den Klassizismus in seiner josephinischen
Form am deutlichsten zum Ausdruck. Die tumba-ähnliche Mensa mit den
reichen Ornamenten ist überragt von dem Tabernakel. Die verwendeten
Marmorsorten zeigen die für das ausgehende 18. Jahrhundert typischen
blassen Farben. Nur der Tabernakel und die Altarverkleidung sind aus
weißem Carrara-Marmor. Die Steinmetzarbeiten stammen von Stefan Gabriel
Steinböck.
Das Gnadenbild Maria Candia ist
eine Ikone vom Typ Maria Wegweiserin (Hodegetria), ein Werk der
italo-byzantinischen Kunst um 1540. Es ist in Temperafarben auf
Zypressenholz gemalt, 77 cm breit, 105 cm hoch und 2,5 cm dick. Den
Rahmen fertigte der Wiener Goldschmied Joseph Moser. Die Ikone aus der
Nikolauskirche zu Candia auf Kreta wurde 1672 vom Oberbefehlshaber des
kaiserlichen Expeditionskorps Heinrich Ulrich von Kilmannsegg der
Pfarrkirche St. Michael übergeben. Das Gnadenbild ist seit 1772
Mittelpunkt des Hochaltars. Das Gnadenbild ist seit 1772 der
Mittelpunkt des Hochaltares.
Der Engelssturz von Carl Merville (1745–1798) stellt die Verbindung vom
Wolkenhimmel zur Altarzone her. Die Vertikale der stürzenden Gestalten
bildet zur ruhigen Horizontale des Altares einen wirkungsvollen
Gegensatz. Der Engelssturz basiert auf Kap. 12 der Offenbarung des
Johannes. Er verbindet räumlich und inhaltlich das Gnadenbild Maria
Candia mit dem Erzengel Michael zu einer Einheit.
Der Bildhauer Philipp Jacob Prokop (1740–1814) schuf die über den
Seitenportalen stehenden Statuen: links hl. Sebastian, rechts hl.
Rochus; ferner zwei kleine Putti über dem Tabernakel, zwei das
Gnadenbild tragende Cherubim sowie die zwei Leuchter tragenden Engel
bei der Kommunionbank. Die beiderseits des Tabernakels sitzenden
Evangelisten stammen von Johann Martin Fischer (1741–1820). Alle
Statuen bestehen aus Margarethener Sandstein, sind mit Stuck überzogen
und poliert. Die Bronzeornamente am Tabernakel, an der Tumba und an den
Säulen sind ein Werk des Bildhauers Benedikt Henrici, der auch das
vergoldete Relief mit dem Lamm Gottes am Hochaltar schuf.
Ikone Maria Candia, um 1540, am Hochaltar

In der Kirche gibt es über 100 Grabmäler beziehungsweise Epitaphe, da
sie neben dem Stephansdom die wichtigste Begräbniskirche Wiens war.

Der Kreuzaltar wurde nach dem
Entwurf von Johann Zobel 1823 im Sinne des Klassizismus erbaut; die
Figuren der Kreuzigungsgruppe mit Maria, Johannes und Maria Magdalena
stammen von Franz Käßmann.
Grablegung Jesu am Kreuzaltar - Bildwerke des klassizistischen Bildhauers Franz Käßmann

Werdenbergkapelle: Im Rundbogen
Wandmalereien um 1350, zwei fliegende Engel tragen ein Medaillon mit
Christusbüste (Pantokrator). 1627/29 ließ Graf Johann Baptist
Werdenberg die Chorkapelle frühbarock umgestalten, wobei das Gewölbe
neu eingebaut wurde. Der barocke Altar aus verschiedenen Marmorsorten
trägt das Bild „Anbetung der Hirten“ von Franz Anton Maulbertsch
(1753/55).

Juliusaltar: Entwurf von Johann
Zobel, 1826 in Stuck ausgeführt. Statuen vom Bildhauer Franz Käßmann,
darstellend die Verherrlichung des jungen römischen Blutzeugen Julius.
Die Reliquien wurden 1773 nach Aufhebung des Jesuitenordens von der
Kaiserin Maria Theresia der Michaelerkirche geschenkt. Über dem
Gurtbogen zur Kreuzkapelle ist das ehemalige Hochaltarbild mit einer
Darstellung des Engelssturzes angebracht, das von Michelangelo
Unterberger 1751 geschaffen wurde.

Der Messkelch ist das
erhabenste und wesentlichste unter den bei der Eucharistiefeier
benutzten geweihten Gefäßen, den vasa sacra. In ihm wird nach römisch
katholischer Lehre der mit Wasser vermischte Wein zum Blut Christi. Er
steht für jenen Kelch, den Christus beim letzten Abendmahl seinen
Jüngern gereicht hat - mit den Worten „mein Blut, das für euch und für
alle vergossen wird zur Vergebung der Sünden". Diese herausragende
Stellung erklärt die stets hochwertige künstlerische Ausgestaltung und
die Verwendung von Gold oder vergoldetem Silber für solche Gefäße. Ihr
künstlerischer Schmuck bezieht sich meist auf Elemente der Eucharistie,
so auch im vorliegenden Fall: In der reichen Treibarbeit finden wir
Trauben als Hinweis auf den Wein. Sie sitzen auf Volutenstegen, die dem
Kelch insgesamt eine architektonisch gedachte Struktur verleihen. Vom
Fuß ausgehend ziehen sie sich über den Schaft nach oben, um die
Trinkschale, die sogenannte Kuppa, zu tragen. Den Raum zwischen den
geschwungenen Stegen bevölkern Kinderengel (Putti); die gesamte
Oberfläche ist von Edelsteinen in den liturgischen Farben Grün, Rot und
Violett überzogen. Diese farblichen Akzente werden durch bunte,
minutiös emaillierte Medaillons ergänzt. An der Kuppa zeigen sie die
Ölbergszene, das letzte Abendmahl und die Auferstehung Christi. Die
Emails am Fuß beziehen sich auf das Alte Testament: Sie stellen Josef
im Brunnen, Tobias, der seinen blinden Vater heilt, und das Opfer des
Manoah dar.
Nicht nur mit diesen Darstellungen hebt sich der Kelch von anderen ab.
Seine harmonische Gestaltung verrät einen versierten Goldschmied, der
Elemente der Architektur in seine Goldschmiedearbeit einfließen ließ:
Tragende und gliedernde Stege, Bildkartuschen und Kinderengel, wie wir
sie auch in der Ausgestaltung der Vesperbildkapelle finden, sind in
etwas jüngerer Stilistik bravourös in die Goldschmiedearbeit übersetzt.
Auch wenn wir nicht mit Bestimmtheit sagen können, von wem der Kelch
geschaffen wurde, steht doch fest, dass es sich um ein Glanzstück
barocker Wiener Goldschmiedekunst aus der Mitte des 18. Jahrhunderts
handelt.
MESSKELCH - Wien, um 1750–1760, Silber, vergoldet, Email, Edelsteine

Vesperbildkapelle. Die
prachtvolle, mit Stuck versehene Kapelle wurde 1637/39 auf Betreiben
des damals bedeutenden Predigers Wiens, Don Florentinus Schilling
errichtet. Einen Teil der Kosten übernahm die Fürstin Margaretha von
Eggenberg. Die Kammerfrau der Kaiserin Maria, Anna Segarra, stiftete
die Altarschranken aus Marmor. Als Maler der Kapelle wird Ambros
Petrucci genannt. 1721/22 errichtete der Bildhauer Josef Högenwald
einen neuen Altar. Auf diesem die geschnitzte gotische Pietà, um
1435/45. Bei den Wandmalereien der Vesperbildkapelle sind die acht
Kartuschen mit Leidenswerkzeuge tragenden Engelchen beachtenswert.
Gemälde an der rechten Wand: Ölberg, darüber die Geißelung Christi.
Linke Wand: Veronika reicht das Schweißtuch dar, oben die
Dornenkrönung. 2005/06 erfolgte die umfangreichste Restaurierung der
gesamten Kapelle.

Deckenansicht in der Vesperbildkapelle, 1637/39, mit der Verklärung Jesu und den vier Kirchenvätern

An der Nordwand errichtete Hans Schwathe eine Lourdesgrotte mit Marienstatue aus Laaser Marmor.

In der Turmkapelle mit einem Kreuzgewölbe aus dem 13. Jahrhundert
befinden sich Wandmalereien um 1300 und um 1325. Der Eingang zur
Turmkapelle ist mit einem Giebelschmuck ausgestattet, der mit 1643
datiert ist. Rechts vom Portal befindet sich eine Wandmalerei, die den
hl. Michael als Seelenwäger zwischen Maria mit dem Kind als
Fürsprecherin und Satan als Ankläger darstellt und um 1350 entstand.
Eingangsbereich der Turmkapelle mit Fresko um 1350

Turmkapelle: Rechts vor dem
Eingang Wandmalerei hl. Michael als Seelenwäger zwischen Maria mit dem
Kind als Fürsprecherin und Satan als Ankläger, um 1350. Die Turmkapelle
ist ein harmonisch abgestimmter Raum. Das eindrucksvolle Kreuzgewölbe
des 13. Jahrhunderts lagert über edlen Kapitellen auf Pfeilerbündeln.
1935/36 errichtete Hans Schwathe an der Nordwand eine Lourdesgrotte mit
Marienstatue aus Laaser Marmor und gegenüber das Denkmal des ermordeten
Bundeskanzlers Dr. Engelbert Dollfuß.

Judas-Thaddäus-Kapelle. Diese Kapelle befindet sich links vom
Eingangsbereich. Die Evangelistensymbole im Kreuzrippengewölbe stammen
aus der Zeit um 1300. Der Altar entstand 1827. Das Altarbild (1928 vom
Orden der Salvatorianer in Auftrag gegeben) zeigt Judas Thaddäus –
einen in Wien sehr verehrten Heiligen – als Helfer in der größten Not.
Gemälde des Judas Thaddaeus, verehrter Helfer in höchster Not, um 1928, von den Salvatorianern in Auftrag gegeben

Unter den späten Babenbergern, den Herzögen Leopold VI. dem Glorreichen
(1198-1230) und Friedrich II. dem Streitbaren (1230-1246), wurde St.
Michael als landesfürstliche „Eigenkirche" errichtet. Nachdem 1276 das
Mittelschiffgewölbe der Michaelerkirche durch einen Stadtbrand zerstört
worden war und wiederaufgebaut werden musste, erfuhr die Beziehung
zwischen den Landesfürsten und der Michaelerkirche im späten 13.
Jahrhundert einen wesentlichen Wandel.
Die neuen Machthaber, die frühen Habsburger, fühlten sich seit einem
Aufstand der Wiener im Jahr 1288 nicht mehr sicher, sodass Herzog
Albrecht I. eine Burgkapelle stiftete, um fortan hinter den geschützten
Mauern der Burg der Messe beiwohnen zu können. Erst um die Mitte des
14. Jahrhunderts intensivierte sich die Beziehung zwischen dem Herzog
und seiner Eigenkirche wieder: 1340 stifteten Herzog Albrecht II. und
Herzogin Johanna von Pfirt ein neues Presbyterium für St. Michael.
Mehrere Ereignisse (1525 Stadtbrand, 1530 Schließung des Friedhofs,
Beginn der Reformation) beendeten die mittelalterliche Blütezeit der Pfarrkirche.
Im Zuge der Gegenreformation übernahm der Orden der Barnabiten 1626 die
Pfarre und ließ zunächst Altäre, neue Kapellen und Gruftanlagen
erbauen. Den Höhepunkt der barocken Bautätigkeit bildeten die
Errichtung des Kolleggebäudes in der Habsburgergasse in drei Bauetappen
(1693-1695, 1707-1710 und 1755/1756), des Großen Michaelerhauses am
Kohlmarkt (1706-1710) und des Kleinen Michaelerhauses zur
Reitschulgasse (1732/1733). Den bis heute das äußere Erscheinungsbild
der Kirche prägenden Abschluss der Arbeiten brachte 1792 die
frühklassizistische Fassade von Ernest Koch. Seit 1923 wird die Pfarre
vom Salvatorianerorden betreut, der sowohl das alte Kirchengebäude
durch künstlerische Interventionen mit Fragen der Gegenwart
konfrontiert als auch den wertvollen historischen Bestand durch
zahlreiche Restaurierungsmaßnahmen erhält, aufdeckt und zugänglich
macht.

Nördliche Kapellen: Gewidmet ist der linke Altar dem hl. Apostel Paulus
als Schutzpatron des Ordens und der rechte Altar dem hl. Alexander
Sauli – Patron von Korsika – (in der Mitte des Bildes) und dem hl. Karl
Borromäus (im Bild links).

Alexander-Sauli-Kapelle, 1826.
Das barocke Deckenfresko von Carlo Innocenzo Carlone (um 1720/21)
stellt die Verherrlichung der Dreifaltigkeit durch ein Engelskonzert
dar. Es ist eine Kopie des Freskos der Ludwigsburger Schlosskapelle.
Der Altar ist klassizistisch, das Altarbild stammt von Ludwig Schnorr
von Carolsfeld, 1826, und zeigt den 1904 heilig gesprochenen
Ordensheiligen Alexander Sauli.
Barockes Deckenfresko in der Alexander-Sauli-Kapelle, um 1720

Im Jahre 1626 wurden die Barnabiten aus Mailand nach Wien, St. Michael
gerufen. Anlässlich der 200-Jahrfeier dieser Ordensgemeinschaft in Wien
wurden – im Jahre 1826 – unter anderem die beiden Altäre der Kapelle
errichtet.

Die barocke Kuppel wird von einer Laterne mit acht Fenstern
durchbrochen. Direkt vor Ihnen, in der Barnabitenkapelle, zeigt das
Deckengemälde von Carlo Innocenzo Carlone einen Himmelschor (um 1720),
der mit Instrumenten jener Zeit (Laute, Gambe, Fagott u. a.) und drei
Sängerinnen zur Ehre Gottes musiziert.

St. Michael ist neben der Stephanskirche die wichtigste Begräbniskirche
Wiens. Entsprechend bedeutend und umfangreich ist ihr
Grabdenkmälerbestand.
Deckplatte der Pergen-Suttinger-Gruft
